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Wirtschaft

Die Rückkehr des Tankwarts

Die Tankstellen in Deutschland sind einem harten Wettbewerb ausgesetzt. Shell will seine Position verbessern und belebt die in den siebziger Jahren ausgestorbene Funktion des Tankwarts wieder an.

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Mitarbeiter wie dieser sollen Kunden an die Tankstellen locken

Tankwart an einer Esso-Tankstelle in Hamburg aus dem Jahr 1952

Tankwart im Jahr 1952

Waren das noch Zeiten, als sich die Drei von der Tankstelle auf jeden Kunden stürzten. Nicht nur tankten, nein auch noch den Luftdruck prüften und nach dem Öl schauten. Scheiben waschen verstand sich sowieso von selbst. In den siebziger Jahren war es damit vorbei, der gute alte Tankwart starb fast gänzlich aus. Jeder zapfte mit eigener Hand Normal, Diesel oder Super. Einen Angestellten bekam man nur noch an der Kasse zu sehen. Das soll jetzt wieder anders werden, zumindest an den gelben Tankstellen mit der Muschel.

"Shell wird jetzt an rund 720 Stationen im Bundesgebiet den so genannten Tankwart-Service einführen", kündigt der Unternehmenssprecher Matthias von Glischinski-Kurc an. Dieser Service umfasse neben der Betankung auch das Reinigen der Fensterscheiben, das Prüfen des Luftdrucks und gegebenenfalls das Prüfen von Motoröl und Scheibenreiniger.

Service für Geschäftsreisende und Frauen

Hintergrund dieser Entscheidung ist der extrem harte Wettbewerb unter Deutschlands Tankstellen. Etwa 15.000 Tankstellen gibt es noch in Deutschland, ihre Zahl ist seit langem rückläufig. Nach Angaben des Bundesverbandes Tankstellen schließen in Deutschland durchschnittlich 200 Stationen im Jahr. Die Gründe: Der Absatz von Kraftstoff ist seit langem rückläufig und die Margen in Deutschland gehören zu den niedrigsten in Europa.

Erst jüngst kündigte deshalb BP / Aral an, nach 2.500 Stellen im letzten Jahr jetzt weitere 500 Jobs zu streichen. Konkurrent Shell versucht nun gegen den Trend, seinen Marktanteil im Tankgeschäft mit dem neuen Service zu erhöhen. "Besonders attraktiv, wie sich bei einer Umfrage gezeigt hat, die wir in Auftrag gegeben haben, ist dieser Service für Geschäftsreisende, aber auch für ältere Mitbürger oder Autofahrerinnen", sagt Glischinski-Kurc. "Das hat sich auch in einem Pilotversuch, den wir über mehrere Monate an 25 Stationen im Bundesgebiet gefahren haben, ganz deutlich gezeigt."

Die Schreihälse anlächeln

Die Shell-Station in Hamburg-Stellingen ist einer dieser 25 Pilotstationen, an denen der Service getestet wurde. Die Kunden zeigen sich in der Mehrzahl zufrieden. "Das ist erste Mal, das ist okay, das finde ich in Ordnung", sagt einer. Ein anderer: "Wenn's nichts kostet hoffentlich, dann ist das in Ordnung." Aber nicht alle freuen sich über das neue Angebot, wie der Tankwart weiß: "Es gibt auch Leute, die sagen, dass man die Finger vom Auto lassen soll", sagt Oktay Yazici. " Die schreien hier dann laut rum. Aber wie gesagt: Immer lächeln." Die Akzeptanz ist das Problem: Niemand kann vorhersagen, dass der Service bei den Kunden wirklich ankommt. Aral hat vor einigen Jahren eine ähnliche Dienstleistung angeboten und ist letztlich an den Kosten gescheitert. Bei Shell sollen die Kunden sich freiwillig - auf einer besonderen Fahrspur - für den Service entscheiden und anschließend ebenso freiwillig einen Euro bezahlen.

Der Bundesverband Tankstellen ist skeptisch, dass genügend Kunden dafür ins Portemonnaie greifen. Shell hingegen hofft auf Zusatzverkäufe von Öl und Scheibenreinigern. Doch die Deutschen gucken aufs Geld, gerade in den letzten Jahren. Und an einem Kaufhemmnis ändert auch der neue Tankwartservice nichts - an den nach wie vor hohen Preisen für Benzin und Diesel. Ganz früher kaufte der Autofahrer seinen Kraftstoff in der Apotheke. Angesichts der Preise könnte man jetzt meinen, es sei schon wieder so weit.

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