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Deutschland

Die Rückkehr der Tante-Emma-Läden

Obst, Milch, Zeitungen - für die kleinen Dinge des täglichen Bedarfs gehen immer mehr Leute in deutschen Landen wieder in den so genannten Tante-Emma-Laden. Trotz des höheren Preises.

Tante-Emma-Laden-Besitzerin Judith Fischer

Inhaberin des "Werbelner Dorflädchens": Judith Fischer

DW-Reporter Sascha Baron und Inhaberin Judith Fischer

DW-Reporter Sascha Baron im Gespräch mit Judith Fischer

Werner Müller geht jeden Tag ins "Werbelner Dorflädchen". Sein Tante-Emma-Laden ist gleich um die Ecke in einem kleinen saarländischen Ort, nicht weit von der französischen Grenze. "Hier bekomme ich alles, was ich brauche", sagt der 80-jährige Rentner. "Wurstweck, Zigaretten, meine Zeitung und tippen kann ich auch hier."

Tante-Emma-Läden waren in Deutschland eigentlich schon totgesagt. Rund 20.000 dieser kleinen Lebensmittelläden mussten in den letzten zehn Jahren dicht machen. Gegen die großen Supermärkte und Discounter hatten sie keine Chance. Doch vielerorts gibt es nun eine Renaissance der kleinen Dorfläden.

Nicht nur Kunden aus dem Dorf kommen in den kleinen Tante-Emma-Laden von Judith Fischer. Das würde sich für die Inhaberin auch kaum lohnen. Werbeln hat nur 1400 Einwohner. "Ich hab den Laden vor zwei Jahren übernommen, da war er ein bisschen runtergewirtschaftet. Seit ich den Laden übernommen habe, geht es stetig nach oben."

"Der Supermarkt ist mir zu unpersönlich"

Obst- und Gemüsewagen

Ständig klingelt die Ladentüre, weil neue Kunden hereinkommen. Klaus Hess, der zielstrebig zu den Zeitschriften geht und noch dazu ein paar Eier, Milch und Wurst einkauft, denkt gar nicht daran in den Supermarkt zu fahren. "Das ist ziemlich unpersönlich dort". Dass es bei Tante-Emma etwas mehr kostet, nimmt er gerne in Kauf.

Judith Fischer kann mit den Discountern auf der grünen Wiese nicht konkurrieren. Das weiß sie. Und so lässt sie sich kleine Nettigkeiten einfallen, um ihre Kundschaft an den kleinen Laden zu binden. "Im Oktober machen wir beispielsweise ein kleines Oktoberfest. Jeder der reinkommt bekommt ein kleines Weißwürstel und ein Bier. Und an Weihnachten gibt es ein Weihnachtsfest mit Glühwein. Wir wollen den Leuten einfach etwas bieten."

Die Bezeichnung "Tante Emma" kommt übrigens von dem Wort "Emma", was früher eine geläufige Bezeichnung für Dienstmädchen war. Das Wort Tante war auch gleichbedeutend mit einer älteren weiblichen Person.

Ladenhüter gibt es nicht

Jeden morgen steht Judith Fischer um 4 Uhr auf. Ab 5 Uhr gibt es im Laden frische Brötchen. Hübsch hat sie ihren Laden eingerichtet, sogar einen Gemüsewagen hat sie aufgebaut. Wurst und Käse sind immer frisch. In den Regalen stehen Marmelade, Saucen und Dosen akkurat aufgereiht. Ladenhüter gibt es im Werbelner Dorflädchen nicht. "Ich kaufe immer genau das ein, was meine Kunden wollen".

Judith Fischer fährt einmal die Woche mit ihrem Kombi auf Einkaufstour. Aber nicht etwa in den Großmarkt. "Da ist es nicht immer am günstigsten. Ich guck’, wo es die besten Angebote in den Supermärkten gibt. So kann ich hier den Preis halten."

"Immer ein nettes Gespräch"

Judith Fischer mit Kunden im Gespräch

Einkaufen ist manchmal Nebensache

Auch Gisela Braundorfer-Hilbert zahlt gerne etwas mehr. Auch sie ist Stammkundin bei Judith Fischer und kauft lieber in einem Dorfladen ein. "In den Supermarkt muss ich mit dem Auto fahren. Das ist ein größerer Aufwand. Und hier bin ich viel schneller. Und mit der Bedienung und den Leuten aus dem Dorf hat man immer ein nettes Gespräch."

Schon wieder kommt ein neuer Kunde in den kleinen Dorfladen. Es ist ein junger Kurier, der kurz mit seinem Lieferauto vor dem Geschäft gehalten hat. Das Werbelner Dorflädchen hat sich in der Gegend einen Namen gemacht. Der Laden von Judith Fischer brummt. Die Kleinunternehmerin betreibt noch vier Kiosk-Läden im Saarland, doch kein Geschäft wirft so viel Gewinn ab, wie der kleine Tante-Emma-Laden im 1400-Seelen-Ort.

Autor: Sascha Baron

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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