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Global Ideas

Die Rückkehr der Rennpappe

Der Trabi war vieles: Ostdeutscher Volkswagen, Kultobjekt und Sinnbild für die stagnierende DDR-Wirtschaft. Nur eins war er nie: ein Umweltfreund. Das soll sich nun ändern.

Trabant und Trabant nt (Foto: DW/Joscha Weber)

Original und Wiedergeburt: Der Trabi ist zurück

Ein Auto als Symbol. Im Trabi spiegelt sich die Geschichte der DDR. Geboren aus der Idee, ein Auto für alle zu bauen, gezeichnet von verfehlter Planwirtschaft und Ersatzteilmangel, gemeinsam beerdigt mit dem untergegangen Staat. Mehr als 3,1 Millionen Trabis baute der VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau zwischen 1957 und 1991. Dann war Schluss mit dem DDR-Auto, dass von seinen Besitzern liebevoll "Rennpappe" genannt wurde.

Trabantfahrer nehmen an einem Umzug teil zum Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1999 (Foto: AP)

Nach der Wiedervereinigung war Schluss für den Trabi

Die Keimzelle für den Neuanfang ist nur wenige Kilometer von der alten Produktionsstätte entfernt. In einem Industriegebiet nahe Zwickau steht ein grauer, unscheinbarer Zweckbau. Hauptsitz der Individual Karosseriebau GmbH, kurz IndiKar. Im Eingang ist die gepanzerte Tür eines Polizeiwagens ausgestellt. Eine Broschüre verrät, dass man hier Sonderfahrzeuge wahlweise mit leichter oder schwerer Panzerung baut – für Politiker oder betuchtes Klientel mit einem erhöhten Bedürfnis nach Sicherheit.

Summender Elektromotor statt knatterndem Zweitakter

Der neue Trabi als Panzerfahrzeug? Zum Glück nicht. Wie die legendäre "Rennpappe" kommt auch der neue Trabant nt (für "new Trabi") mit leichter Kunststoffkarosserie daher. Beinahe lautlos rollt er in den Innenhof, nur ein leises Summen lässt erahnen, dass auch der neue Trabant einen Motor besitzt. Allerdings keinen knatternden Zweitakter, sondern einen Elektromotor. Auch äußerlich hat er sich verändert: elegante Rundungen, ein Solarzellendach, breite Reifen auf Aluminiumfelgen und ein sportlicher Look.

Trabant und Trabant nt mit den DW-Reportern Joscha Weber und Brigitta Moll(Foto: DW/Joscha Weber)

Wie fahren sich Trabi alt und Trabi neu? Wir haben beide getestet.

Aus dem aufwendig designten Prototypen steigt Ronald Gerschewski, Geschäftsführer von IndiKar. Ein Mann mit gut sitzendem Anzug, kurzem dunklen Haar und festem Händedruck. Er wolle "noch eben den Alten holen", verabschiedet er sich sofort wieder. Ein paar Minuten später biegt er mit einem original Trabant 601 um die Ecke. Wie bei seinem modernen Widergänger ist die Karosserie babyblau lackiert. Aus dem dünnen Auspuffrohr knattern die berühmten blauen Rauchwolken.

Vom Stinker zum Saubermann

"Er ist und bleibt ein Stinker", sagt Gerschewski beim Aussteigen. "Dieses Image hat er nie ablegen können. Aber was kann man besseres tun, um dieses Argument gegen den Trabi zu entkräften, als vollständig auf einen Verbrennungsmotor zu verzichten?" Gerschewskis Mission ist klar: Aus dem Stinker soll ein Saubermann werden.

Trabant nt (Foto: AP).

Weckt Neugier: der new Trabi

Wir machen eine kleine Probefahrt um den Block. Während der original Trabi kaum anspringen mag, weil ein Zylinder Mucken macht, setzt sich der E-Trabi ohne jegliches Geräusch in Bewegung. Zwar fehlt dem Prototypen noch die geplante Power von 47 Kilowatt, doch schon jetzt fährt er sich leichtfüßig und elegant im Vergleich zu seinem schlecht gefederten Vorfahren. In Letzterem sitzt man vor allem hinten beengt wie in einer Konservendose, im neuen Trabi ist dagegen reichlich Platz. Der Innenraum des E-Trabis soll an das Apple-Design erinnern, "einfach und trotzdem edel", sagt Ronald Gerschewski, der froh ist, dass sein teures Unikat unsere Spritztour unbeschadet übersteht.

Nur in kleiner Stückzahl geplant

Die Idee, den Trabi wieder zu beleben, ist nicht neu. Von der weltweit bekannten Marke Trabant versprachen sich schon ein Hand voll Unternehmen gute Absatzchancen bei einem möglichen Comeback. Es blieb jedoch stets nur eine Idee. Die jüngste Initiative geht auf den Nürnberger Modellbauer Herpa zurück. Der baute 2007 zum 50. Geburtstag der Rennpappe ein Modell eines modernen Trabants, das viele begeisterte.

Trabant und Trabant nt (Foto: DW/Joscha Weber)

Sportlicher, stylisher und ökologischer: Der neue Trabi könnte sein Vorbild bald ablösen.

"Die Resonanz darauf war so positiv, dass wir beschlossen haben, den Trabi wieder auf den Markt zu bringen", sagt Gerschewski, der trotz des Stinker-Images fest an die Marke Trabant glaubt: "Es gibt kein anderes Fahrzeug, was eine derartige Story vorzuweisen hat." Der Ansatz, nun einen umweltfreundlichen Elektro-Trabi zu bauen, ist konsequent: Nicht nur aus Image-Gründen, sondern auch aus ökonomischen Überlegungen. "Das Thema Elektroantrieb ist nun in der Öffentlichkeit etabliert", beobachtet der IndiKar-Geschäftsführer. Zunächst sind jedoch nur rund 6000 Fahrzeuge pro Jahr geplant

Aller Anfang ist schwer

Damit aus dem Mythos Trabi auch wieder ein real existierendes Auto wird, muss nun ein Investor her: "Seit der letzten Internationalen Automobil Ausstellung haben wir viele Gespräche geführt, aber wir brauchen noch einen größeren finanziellen Partner", sagt Gerschewski. Da die Gespräche sich etwas verzögern, sei die geplante Markteinführung 2012 wohl kaum zu schaffen.

Ein Trabant im Popart-Design (Foto: dpa)

Erst belächelt, dann Kultobjekt. Ein gutes Omen?

Noch scheint es also schwierig zu sein, die Automobilhersteller von Elektroauto-Konzepten zu überzeugen. Dass aller Anfang schwer ist, musste aber auch schon das Original erfahren. Der höchst offiziell vom Ministerrat der DDR beschlossene Bau eines Prototypen drohte zu floppen: Da durch ein Wirtschaftsembargo Blech Mangelware war, musste der Trabant aus Kunststoff gebaut werden, einem Werkstoff, der von vielen Automobilherstellern zunächst belächelt wurde – und dann doch 34 Jahre lang im Trabi verbaut wurde. Vielleicht ein gutes Omen für den Elektroantrieb.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Monika Griebeler/Martin Muno

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