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Kultur

Die Rückkehr der Nofretete

Es war einst die "schönste Ruine Berlins" - jetzt, nach sechs Jahrzehnten, ist das Neue Museum als Schatzhaus der archäologischen Sammlungen wiedereröffnet worden. Ein Monument mit Mut zur Lücke.

Wie Phoenix aus der Asche, doch mit Brüchen und Fehlstellen ist der grandiose Bau wiedererstanden. Die spannende Frage: Werden die Exponate in den Räumen, in denen sich Reste der historischen Gestaltung erhalten haben, zur Wirkung kommen?

Ende eine langen Odyssee

Die Wege im Neuen Museum führen nach oben, ins Licht. Dort, auf der Beletage, in einem Eckraum residiert die ägyptische Königin Nofretete: Ganz allein, im Zentrum des Saals, direkt unter dem Oberlicht, ist sie so perfekt ausgeleuchtet, dass man in ihren Gesicht die Spuren einer Frau in den besten Jahren erkennt. Im Nordkuppelsaal hat sich relativ viel der einstigen Ausmalung erhalten: ein tiefroter Sockel, darüber smaragdgrüne Wände, in den Rundbögen unterhalb der Kuppel szenische Darstellungen. Zu Beginn, gesteht Friederike Seyfried, die neue Direktorin des Ägyptischen Museums, hatte sie Bedenken, ob der farbig bemalte Kopf der Königin angemessen zur Wirkung kommt. Jetzt ist sie völlig überzeugt und begeistert von der Idee ihres Vorgängers, die ägyptische Schöne hier zu zeigen: "Das ist die glücklichste Lösung, die man sich vorstellen kann, sie passt sich wunderbar in diesen Raum ein und ich denke eine lange Odyssee ist zu Ende gegangen."

Neues Museum, Büste der Königin Nofretete. Foto: Staatliche Museen zu Berlin

Das gilt für viele Objekte, die jetzt in ihr Stammhaus auf der Museumsinsel zurückgekehrt sind. Im Erdgeschoss wird der Besucher in die Geschichte der Sammlungen eingeführt. Im Vaterländischen Saal stehen Vitrinen mit Kupferurnen, die Inventarnummern 1 und 2 des vor 180 Jahren gegründeten Museums für Vor- und Frühgeschichte. Darüber sieht man Wandbilder mit den Darstellungen germanischer Sagen. Rechts vom Eingang, im Mythologischen Saal mit seiner kobaltblauen, mit ägyptologischen Motiven bemalten Deckentapete, würdigt das Ägyptische Museum Karl Richard Lepsius, den Begründer der modernen Ägyptologie und Initiator des Hauses. Altägyptische Grabkammern auf der einen Seite, die Trojanischen Altertümer, die Heinrich Schliemann nach Berlin brachte und dem Museum vermachte, auf der anderen Seite

Dialog der Sammlungen

Ein Prinzip der neuen Aufstellung ist es, die Objekte der Altertümer und der Antike mit den altägyptischen Artefakten in einen Dialog zu bringen. So hat Nofretete im Nordkuppelsaal des ersten Obergeschosses ein ansprechendes Gegenüber im dem von Chipperfield modern rekonstruierten Südkuppelsaal gefunden: Direkt unter dem Oberlicht steht die mächtige Marmorstatue des Sonnengottes Helios, eine römische Skulptur der späten Kaiserzeit. In der Raumflucht dazwischen wird die wertvolle Papyrussammlung in einer "Bibliothek der Antike" im Niobidensaal gezeigt – 4000 Jahre Schriftkultur unter reich dekorierten Eisenträgern des 19. Jahrhunderts. Schöne Rauminszenierungen sind auch im Mittelaltersaal und anderen Räumen gelungen, in denen das Museum für Vor- und Frühgeschichte seine Exponate aus den römischen Provinzen, der Zeit der Völkerwanderung bis zur Karolingerzeit, chronologisch präsentiert. Das Ägyptische Museum hat seine Exponate, darunter die bedeutende Armana-Sammlung, überwiegend nach thematischen Aspekten gruppiert.

Familiengruppe des Ptahmai, Neues Museum Berlin. Foto: dpa

Das oberste Ausstellungsgeschoss gehört allein den Altertümern: Vom Neandertaler bis zur Eisenzeit. Hier ist auch das Highlight des Museums für Vor- und Frühgeschichte aufgestellt: der "Berliner Goldhut" aus der Bronzezeit.

Die Archäologische Promenade – Zukunftsmusik der Museumsinsel

Im Untergeschoss des Neuen Museums nimmt die Idee einer Archäologischen Promenade erstmals Gestalt an: Architekt Chipperfield hat die beiden Innenhöfe des Museums, den Ägyptischen und den Griechischen Hof, tiefer gelegt und somit eine neue Ebene geschaffen. Eindrucksvolle Sarkophage in dem einen, die Skulptur des Göttervaters Zeus in dem anderen, geben einen Vorgeschmack davon, was diese neue Ausstellungsebene, die alle Häuser der Insel unterirdisch verbinden soll, auch inhaltlich gestaltet wird. Der erste Eindruck stimmt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und selbst Archäologe, ist optimistisch: "Das ist eine grandiose Möglichkeit, eine Galerie, die von den einzelnen Häusern hier auf der Insel, aber auch aus anderen Häusern der Staatlichen Museen, bespielt werden soll." Wann sie endgültig fertig gestellt sein wird, das kann auch der Stiftungspräsident derzeit noch nicht sagen.

Autorin: Sigrid Hoff
Redaktion: Elena Singer

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