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Afrika

Die Rückkehr der Gewalt

Das ehemalige Bürgerkriegsland Sierra Leone erlebt wieder Gewaltausbrüche und politische Unruhen. Droht ein neuer Krieg?

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Unruhen in der Hauptstadt Freetown wecken Erinnerungen an den Bürgerkrieg

Tagelang hatten Radiosender in der Hauptstadt Freetown Hass erfüllte Aufrufe gesendet. Der jeweilige politische Gegner sei gleichsam an Allem Schuld: An Armut, Korruption, Vetternwirtschaft. Die Propaganda fiel in einem der ärmsten Länder der Welt auf fruchtbaren Boden und zeigte in den vergangenen Tagen Wirkung. Die Anhänger der beiden größten Parteien im land gingen bei Straßenschlachten aufeinander los. Erst der Einsatz von Tränengas konnte die Kontrahenten trennen. Am Montag (16.05.2009) dann überfielen unbekannte Täter das Hauptquartier der Oppositionspartei SLPP (Sierra Leones People's Party) und vergewaltigten dort drei Frauen.

Erinnerungen an grausame Rebellen-Überfälle

Lange Schlangen bei Wahlen in Sierra Leone

Lange Schlangen bei Wahlen in 2007

Die Vergewaltigung erinnert an grausame Taktiken während des Bürgerkrieges von 1991 bis 2002. Vor allem die Rebellen der Revolutionary United Front waren berüchtigt für Massenvergewaltigungen und die Verschleppung junger Frauen und Mädchen als Sexsklavinnen. Während des Bürgerkrieges starben zehntausende Menschen, tausende weitere wurden verstümmelt oder als Kindersoldaten missbraucht. Vor allem der Handel mit illegal geschürften "Blutdiamanten" finanzierte die Kriegsmaschinerie und verlängerte die Auseinandersetzungen. Erst im Frühjahr 2002 konnte der Krieg beendet und eine neue Regierung gewählt werden.

Die Parlamentswahlen in 2002 hatte die SLPP gewonnen, im August 2007 errang die rivalisierende APC (All People's Congress) die Mehrheit. Sie stellt auch den Präsidenten Ernest Bai Koroma. Beiden Regierungen war es seit Kriegsende nicht gelungen, die Wirtschaft des Landes wieder in Schwung zu bringen und die Armut spürbar zu bekämpfen. Auch machten immer wieder Klagen über die weit verbreitete Korruption Schlagzeilen.

Gegenseitiges Misstrauen schürt die Gewalt

Diamantenmine in Sierra Leone

Illegal geschürfte "Blutdiamanten" finanzierten den jahrelangen Bürgerkrieg

Auslöser für die jüngsten Auseinandersetzungen sind offenbar Unruhen während der Kampagnen für eine regionale Nachwahl in einer SLPP-Hochburg. Die Nachwahl musste wegen Gewalttätigkeiten verschoben werden, was viele SLPP-Anhänger als politischen Trick der Regierungspartei ansahen. Die Auseinandersetzungen erreichten die Hauptstadt Freetown, als der dortige APC-Bürgermeister ein renoviertes Kolonialdenkmal enthüllte, dessen Renovierungskosten von Anhängern der Opposition kritisiert worden waren.

Die Polizei in der Hauptstadt beschwerte sich unterdessen über einen generellen Mangel an Ausstattung und Personal. Oft seien Fahrzeuge kaputt oder es nicht einmal genug Benzin vorhanden, um zu den Tatorten zu gelangen.