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Europa

Die Rückkehr der Gastarbeiter

Polen waren auf dem britischen Arbeitsmarkt lange gefragt, vor allem in der Baubranche und Gastronomie. Doch die Wirtschaftskrise hat auch in Großbritannien Arbeitsplätze gekostet. Jetzt kehren viele Gastarbeiter zurück.

Anzeigentafel auf einem Flughafen zeigt die Ankünfte (Foto: Justyna Bronska)

Rund 200.000 Polen kehrten in den vergangenen drei Monate in die Heimat zurück

Am Küchentisch sitzt ein junger Mann und telefoniert. Piotrek Madej (Name von der Redaktion geändert) vereinbart einen Termin zum Vorstellungsgespräch. Er hat sich bei einer IT-Firma als Buchhalter beworben. Vor drei Wochen erst kehrte Piotrek nach Polen zurück und ist nun auf Jobsuche. Davor hat er fünf Jahre in Großbritannien gearbeitet. Der quirlige Mann legt den Hörer auf, nervös zwinkert er mit seinen Augen: "Ich bin nach Polen zurückgekommen, weil mein Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde. Der Arbeitgeber hat mir gesagt, Grund sei die Wirtschaftskrise. Was sollte ich dort ohne Job machen?"

Angelockt vom guten Verdienst

Vor einer britischen Flagge ist der Schattenriss eines Maurers bei der Arbeit (Grafik: DW/Peter Steinmetz)

Großbritannien war ein beliebtes Ziel für Einwanderer

Der 30-jährige Piotrek hat in Polen Volkswirtschaft studiert. Direkt nach seinem Studium ging er nach Großbritannien. Dort fand er ohne Probleme einen Job, wenn auch nicht in seinem Beruf. Zunächst hat er als Küchenhilfe gearbeitet, dann als Kellner, und als er besser Englisch sprach, hat er im vergangenen Jahr eine Stelle bei der Post bekommen.

Gute Verdienstmöglichkeiten lockten gut zwei Millionen Polen nach Großbritannien. Doch durch die Finanzkrise wurden viele dieser Gastarbeiter überflüssig. Tausende von ihnen sind heute auf Jobsuche: "Viele meiner Freunde und Bekannten kehren wieder in die Heimat zurück. Sie wissen, dass Polen zu den Ländern gehört, die von der globalen Finanzkrise am wenigsten betroffen sind. Deshalb hoffen wir, in unserer Heimat einen Job zu finden", sagt Piotrek.

Stimmung gegenüber den Gastarbeitern ist angespannt

Vorbei scheinen die goldenen Zeiten für polnische Gastarbeiter, als sie noch mit Handkuss im Westen empfangen wurden. Denn auch viele britische Arbeitskräfte verloren in der Krise ihren Job. Da die Polen die größte Einwanderergruppe auf der Insel bilden, werfen die Briten ihnen vor, sie nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg. Die Stimmung gegenüber Polen sei angespannt, bestätigt auch Piotrek: "Wir machten die Jobs, die sie früher nicht wollten. Jetzt wollen sie diese Jobs auf einmal selber machen. Das gleiche höre ich von Freunden, die in Irland arbeiten - auch dort ist die Stimmung schlecht", sagt Piotrek.

Eine Frau sitzt an ihrem Schreibtisch h inter einem Berg Akten (Foto: Justyna Bronska)

Krystyna Iglicka aus Warschau ist Expertin für Migrationsfragen

Rund 200.000 Polen kehrten dann innerhalb der vergangenen drei Monate in die Heimat zurück. Die Migrations-Expertin Krystyna Iglicka aus Warschau ist jedoch skeptisch, ob sie in Polen einen Job finden werden: "Ein Handwerker oder Bauarbeiter findet schnell einen Job in Polen. Die Akademiker werden Probleme haben. Sie befinden sich in einer so genannten 'Migrationsfalle'." Sie seien ausgewandert, weil sie damals keinen Job in Polen gefunden hätten. Jetzt kämen sie zurück und wollten qualifizierte Jobs. "Aber in Großbritannien haben sie unqualifizierte Jobs ausgeübt wie Barkeeper oder Altenpfleger. Die Arbeitgeber wollen solche Leute nicht einstellen. Der Arbeitsmarkt erwartet sie nicht gerade mit offenen Armen", sagt die Expertin.

Von einem Land ins nächste

Von einem Rückkehrtrend der polnischen Migranten könne man jedoch noch nicht sprechen, meint die Migrations-Expertin Iglicka. Ob sie wirklich für immer in Polen bleiben oder nur die Krise abwarten wollen, um dann wieder Richtung Westen aufzubrechen, werde sich erst in den nächsten Monaten zeigen: "Das hängt davon ab, wie lange die Krise im Westen anhält", sagt Iglicka. "Wir beobachten aber, dass viele sogar wieder planen, auszuwandern. Sie gehen aber nicht zurück nach Großbritannien oder Irland, sondern in ein anderes Land, zum Beispiel nach Deutschland. Sie warten jetzt in der Heimat ab, bis Deutschland seinen Arbeitsmarkt für polnische Bürger öffnet."

Ähnliche Pläne hat auch Piotrek. Wenn er in den nächsten zwei bis drei Monaten keine Stelle in Polen findet, wird er wieder seine Koffer packen und sich im Ausland nach einer Stelle umschauen: "Ich glaube, ich werde diesmal woanders hingehen - vielleicht nach Spanien", überlegt er.


Autorin: Justyna Bronska

Redaktion: Sandra Voglreiter

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