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Alltagsdeutsch – Podcast

Die Putzfrau

Für viele ist ein Job als Reinigungskraft unvorstellbar. Die gebürtige Mazedonierin Suzan Jusufi macht ihn aus Überzeugung, da sie gerne "putzen geht". Ihr Wunsch: eine Vollzeitbeschäftigung.

Suzan Jusufi reinigt eine Toilette

Das gehört auch mit zu den Aufgaben einer Reinigungskraft

Sprecher:

Suzan Jusufi zog im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. Diese kamen als so genannte Gastarbeiter. So nannte man damals die ersten Arbeiter, die in den 1960er Jahren von Deutschland aus angeworben wurden. Sie kamen überwiegend aus europäischen Nachbarländern wie Italien, Spanien und dem früheren Jugoslawien. Suzan kennt Mazedonien nur als Urlaubsland. Ihre Heimat ist Deutschland geworden. Suzan Jusufi arbeitet als Reinigungskraft bei der Stadt Düsseldorf, allerdings nur 20 Stunden pro Woche. Sie verdient gerade mal rund 500 Euro im Monat – zu wenig, um ihre sechsköpfige Familie zu ernähren. Vor Beginn ihrer Arbeit hat Suzan ein festes Ritual.

Suzan Jusufi:

"Morgens stehe ich auf, normal wasche ich mich, dusche ich mich und dann mach' ich 'ne Tasse Kaffee, trinke ich meinen Kaffee. In der Zeit gucke ich auch Prospekte."

Sprecher:

Suzan guckt Prospekte: Sie informiert sich darüber, welche Geschäfte welche Sonderangebote haben. Besonders an Wochenenden sind die Briefkästen in deutschen Städten voll mit Werbeprospekten etwa von Lebensmittel-, Elektro- oder Möbelgeschäften. Dort werden die Sonderangebote für die kommende Woche angepriesen. Ob es der Rinderbraten ist, der 50 Cent preiswerter ist als sonst, oder der Kühlschrank, der 100 Euro weniger kostet. Für Suzan ist es wichtig, in die Prospekte zu gucken, denn sie geht morgens immer für ihre sechsköpfige Familie einkaufen. Die Kinder sind in der Schule. Suzan Jusufi überlegt, welche Lebensmittel noch im Kühlschrank fehlen. Trotz knapper Kasse legt sie sehr großen Wert auf gesundes Essen, das warm zubereitet ist, wenn die Kinder aus der Schule kommen. Die würden sich natürlich lieber von Pommes Frites und Würstchen ernähren.

Suzan Jusufi:

"Zwischendurch machen se sich meistens noch 'n Brot oder die essen auch sehr gerne eben halt gebratene Sachen wie Pommes, Würstchen und so was in der Art. Aber richtiges warmes Essen – also ist mir sehr, sehr wichtig für die."

Sprecher:

Der Arbeitstag von Suzan in einem Bürogebäude der Stadtverwaltung Düsseldorf fängt erst nachmittags an – dann, wenn die meisten Angestellten Feierabend haben.

Suzan Jusufi:

"Ja, mein Arbeitsablauf ist so: Ich komme in meine Putzkammer, mach' mich fertig, mach' meinen Wagen fertig – wie meine Mülltüten, einmal für 'n normalen Müll und einmal Papiermüll."

Sprecher:

Suzan kommt in ihre Putzkammer, wo sie ihren Putzwagen sorgfältig vorbereitet: Mülltüten, Reinigungsmittel, Putztücher werden aufgefüllt. Die Vorbereitung ist für sie wichtig, da sie sehr viel Zeit spart, wenn sie alles auf ihrem Wagen hat und nicht ständig in die Kammer zurück muss, um sich fehlende Dinge zu holen. Und auf dem Putzwagen sind Tüten für normalen Müll und für Papiermüll. Nicht nur in Privatwohnungen und -häusern sondern auch in vielen Büros wird in Deutschland der Müll getrennt. Wenn Suzan von normalem Müll spricht meint sie, dass alles, was nicht zum Papiermüll gehört, in einen Müllbeutel kommt – ob Kaffeebecher aus Plastik oder die leere Keksverpackung. Suzan ist verantwortlich für vier Etagen in dem Gebäude der Stadtverwaltung. Sie folgt einem festen Reinigungsplan: Zunächst wird der Müll beseitigt, dann werden Waschbecken und die Küchen gereinigt, zuletzt saugt sie in den Büros Staub. Die Tage in der Woche, in denen in den Büros gesaugt wird, sind genau festgelegt.

Suzan Jusufi:

"Hier hab' ich gestern gesaugt, die vierte Etage wird Montag gesaugt, dritte Etage wird dienstags gesaugt."

Sprecher:

Die gelernte Gebäudereinigerin ist stolz auf ihre Arbeit, obwohl sie körperlich sehr anstrengend ist. Am liebsten arbeitet sie alleine, ohne Kollegen oder Kolleginnen.

Suzan Jusufi:

"Weil, dann hab' ich keine Kopfschmerzen; weil dann muss ich nicht nachkontrollieren wie die gearbeitet haben, oder was die gemacht haben, ne."

Sprecher:

Suzan bekommt nicht wirklich Kopfschmerzen, wenn sie mit jemandem zusammen die Büros reinigen würde. Sie muss nur nicht darüber nachdenken, sich keinen Kopf machen, ob die anderen dann genauso ordentlich gearbeitet haben wie sie. Die gebürtige Mazedonierin fühlt sich an ihrem Arbeitsplatz nicht diskriminiert. Die Büroangestellten der Stadt Düsseldorf seien sehr nett und zuvorkommend – und überwiegend ordentlich.

Suzan Jusufi:

"Die auf der vierten Etage sind sehr, sehr sauber. Die achten auf alles – wirklich auf Böden, damit keine Krümel gemacht werden oder Sonstiges, also die sind sehr, sehr sauber. Nur eben halt die Spüle – das ist aber das Übliche, weil die spülen seine Tassen da drin oder eben halt sein Geschirr."

Sprecher:

Die Angestellten auf der vierten Etage achten also darauf, dass keine Krümel gemacht werden. Das Wort Krümel ist eine Verkleinerungsform von Krume. Als Krume bezeichnet man das Innere von Backwaren wie Kuchen, Brot und Brötchen. Macht jemand Krümel oder krümelt er, dann verteilt er ganz viele kleine Stücke auf dem Boden, Tisch oder sonst wo. Im süddeutschen Raum und in Österreich kennt man eher das Wort Brösel. Beim Säubern der Küchen findet Suzan das Übliche vor. Das Spülbecken, die Spüle, ist schmutzig, weil Tassen und Geschirr darin sauber gemacht, gespült werden. Suzan liebt ihre Arbeit, macht sie mit Leidenschaft. Aber das Geld, das sie damit verdient, reicht für die Familie nicht aus. Deshalb möchte sie am liebsten einen Vollzeitjob: Statt vier täglich acht Stunden bei der Stadt Düsseldorf putzen. Dann wäre sie endlich nicht mehr auf staatliche Hilfe angewiesen.

Suzan Jusufi:

"Ich hoffe und bete, dass ich Acht-Stunden-Job bekomme. Egal wie, auch bei der Stadt Düsseldorf wär' ich bereit. Weil mir das einfach Spaß und Freude macht."

Sprecher:

Abends um halb acht hat Suzan Jusufi dann auch endlich Feierabend. Sie freut sich auf ihre Kinder und ihren Mann. Gemeinsam essen sie zu Abend und beten anschließend. Die Jusufis sind gläubige Muslime. Suzan wünscht sich etwas mehr Toleranz zwischen den Menschen, die verschiedenen Religionen angehören. Sie selbst lebt das vor. Viele ihrer Freunde in Düsseldorf stammen aus verschiedenen Kulturen. Sie empfindet das als eine große Bereicherung ihres Lebens.

Fragen zum Text

Macht sich jemand keinen Kopf, dann …

1. ist jemandem etwas egal, nicht wichtig.

2. denkt jemand viel nach.

3. ist jemand nicht überrascht über etwas.

Nicht spülen kann man …

1. Geschirr.

2. Füße.

3. den Mund.

Hat jemand einen Teilzeitjob, dann arbeitet jemand …

1. mindestens zehn Stunden.

2. weniger als acht Stunden.

3. mehr als zwölf Stunden.

Arbeitsauftrag

In Deutschland sind in vielen Berufen Mindestlöhne eingeführt worden. Dabei bekommen die Beschäftigten einen gesetzlich festgeschriebenen Stundenlohn – auch die Gebäudereinigung gehört dazu. Erarbeiten Sie in Kleingruppen die Vor- und die Nachteile eines Mindestlohnes. Stellen Sie Ihre Ergebnisse anschließend in einem zusammenfassenden Vortrag vor.

Autorin: Belma Fazlagic / Beatrice Warken

Redaktion: Raphaela Häuser

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