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Lebensart

Die Psychologie des Wohnens: Du bist, wie Du wohnst!

In Köln dreht sich momentan alles um die perfekte Inneneinrichtung. Zwei Psychologen behaupten, dass diese viel mehr über den Bewohner aussagt, als der vielleicht denkt.

"Sag mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist" – das klingt für die meisten wohl etwas zu einfach. Der amerikanische Psychologe Samuel Gosling und der Münchener Wohnexperte Uwe Linke behaupten jedoch genau das. Sie meinen: Je mehr der Beobachter trainiert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er sein Gegenüber nur anhand von dessen Einrichtung einschätzen kann. Eine Wissenschaft für sich oder doch nur gewagte Thesen?

Der Möbelmarkt boomt

Gosling und Linke setzen sich mit einer Branche auseinander, die im letzten Jahr laut dem

Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM)

ein Umsatzplus von fünf Prozent einfahren konnte. Deutschland ist, gemessen an den Pro-Kopf-Ausgaben für Möbel, europaweit an zweiter Stelle. Die erste Interior-Design-Messe in Deutschland zu Beginn des Jahres ist traditionell die imm cologne, begleitet von den Designevents "PASSAGEN" in der Kölner Innenstadt (18.-24.1.). Wohnen ist Gefühlssache - das ist Thema auf der Imm Cologne.

Deutschland Möbelmesse imm cologne in Köln

Die imm cologne setzt in diesem Jahr auf Gemütlichkeit

Man lebt so, wie man wohnt - man wohnt so, wie man lebt

"

Snoopology

" nennt der amerikanische Persönlichkeitspsychologe Samuel Gosling sein Interessensgebiet. Er versucht eine wissenschaftliche Annäherung an die Fähigkeit, aus hinterlassenen Spuren Informationen abzulesen. "Jeder kann ein 'Snooper' werden", sagt Gosling. Dabei müsse sich ein guter "Schnüffler" jedoch eher auf die Ergebnisse der Wissenschaft als auf die eigene Intuition verlassen. So gebe es keine klar benennbaren Gegenstände, die beispielsweise auf Persönlichkeitsmerkmale wie eine hohe Geselligkeit hinweisen. Viel entscheidender sei es, den Gesamteindruck auszuwerten und zu fragen, ob eine Einrichtung intentional oder unabsichtlich so aussieht wie sie aussieht.

Laut Gosling gibt es zwei unterschiedliche Objekttypen. Zum einen die "Identitätskörper", die absichtlich hinterlassen werden, wie beispielsweise T-Shirts von der Lieblingsband oder Fotos einer geliebten Person auf dem Schreibtisch. Andererseits existieren auch Gegenstände, die völlig unbedacht zurückbleiben. Gosling nennt sie "Verhaltensrückstände". Es komme also nicht nur darauf an, wie die Umgebung uns widerspiegelt, sondern auch, wie wir sie selbst arrangieren. Gosling meint: Sowohl alphabetisch geordnete Bücher und ein ordentlich ausgefüllter Kalender als auch ein unordentlicher Schrank könnten wichtige Hinweise sein. Gerade das Schlafzimmer sei hierbei interessant.

Dies bestätigt auch der Münchener Wohnpsychologe Uwe Linke. "Das Schlafzimmer als 'privater Raum' zeigt am deutlichsten das Thema Offenheit. Wohnzimmer werden unbewusst als teil-öffentlich konzipiert, weil hier auch Freunde oder andere Personen Zutritt haben." In seinem Buch "Single-Frau wählt Single-Mann und schaut sich seine Wohnung an" versucht Linke beim Besuch in unterschiedlichen Wohnungen herauszulesen, was die Einrichtung über den Charakter verrät. Er versteht sich selbst als 'Fährtensucher'. Laut Linke sagt ausgerechnet eine kühle, sterile Wohnung besonders viel: Die Farbe weiß "ist genauso wenig neutral wie andere Farben. Wenn der Dekoverweigerer nicht zwanghaft ist, ist die Kargheit auch eine Kompensation – man sieht das Gegenteil des inneren Zustandes." Weiß stehe ihm zufolge für Ruhe, Toleranz und Unerreichbarkeit. Er klassifiziert ein solches Verhalten als den "Distanztypen".

Deutschland Designschau Passagen 2016 Lampe

Uwe Linke: "Viele Lichtquellen zeigen eine hohe Sensibilität für Stimmungen."

Wie wollen wir wohnen?

Im Gegensatz zum kontrollierten "Distanztyp" benennt Linke auch noch den gemütlichen "Nähetyp". Dieser gebe sich seiner Einrichtung liebevoll hin, möge alles Weiche und sonnige Farben. Gelb beispielsweise stehe für Offenheit, Heiterkeit und die Suche nach einer heilen Welt. Dekoration sei laut Linke meist ein Zeichen von Hinwendung, Verspieltheit und Romantik – gerade Reiseandenken seien besonders emotional.

Doch nicht alle Befunde lassen sich ohne Weiteres begründen. Einmal jedoch, erzählt Linke, habe er gänzlich daneben gelegen. "Ich hätte schwören können, dass dort ein Mann wohnt – so unpersönlich und kalt war die Einrichtung und der Stil. Erst später entdeckte ich, dass es sich um eine Frau handelte, die aber in der Beziehung die Hosen an hatte. Ein einziges emotionales Bild hing dort an der Wand und ich vermutete, dass eine verzweifelte Liebhaberin das als Wunsch für eine emotionale Öffnung hinterlassen hatte. Es war ein Mann, der das Bild schenkte." Ein guter "Snooper" zu werden, erfordert eben jahrelange Übung und selbst dann kann man manchmal falsch liegen.

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