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Ostmitteleuropa

"Die Pseudopatrioten versuchen immer wieder das Kriegsbeil auszugraben"

- Enthüllung eines Denkmals für den deutschen Industriellen Friedrich Wilhelm von Reden in Oberschlesien führt zu Kontroversen

Warschau, 9.9.2002, GAZETA WYBORCZA, poln.

In Chorzow (Königshütte) ist am 6. September 2002 ein Denkmal enthüllt worden, das dem deutschen Industriellen Friedrich Wilhelm von Reden gewidmet ist, der sich in der Vergangenheit um Oberschlesien verdient gemacht hatte. Diese Enthüllung wurde jedoch von Protesten der Aktivisten der rechten Parteien und des Rates für die Wahrung der Erinnerung an Kämpfe und das Martyrium begleitet. "Das ist ein primitiver Nationalismus", kommentiert der Historiker Professor Andrzej Garlicki. (...)

Schon in der Vergangenheit gab es in Chorzow ein Denkmal für Friedrich Wilhelm von Reden. Es wurde jedoch im Jahre 1945 zerstört. Vor drei Jahren entschieden die Mitglieder des Stadtrates, dass das Denkmal wiedererrichtet werden soll. "Friedrich von Reden soll in Erinnerung gebracht werden. Er war der Vater der Industrialisierung in Chorzow. Dank ihm haben viele Generationen der Bewohner von Chorzow Arbeit gehabt", argumentierte Florian Lesik, der Vorsitzende des Stadtrates.

Gegen die Wiedererrichtung des Denkmals sprachen sich jedoch sowohl der Verband der Politischen Gefangenen aus der Stalinzeit als auch Ryszard Przezdnik, der Vorsitzende des Verbandes der Kriegsveteranen der Republik Polen und der Ehemaligen Politischen Gefangenen aus: "Das ist ein Symbol des preußischen Königreiches, das bis 1945 ein erbitterter Feind Polens war. Dieses Denkmal ist eine Provokation und wird zu polnisch-deutschen Auseinandersetzungen führen", warnte Ryszard Przezdnik.

Er wandte sich anschließend an den Vorsitzenden des Rates für die Wahrung der Erinnerung an Kämpfe und das Martyrium. Der Generalsekretär dieser Organisation, Andrzej Przewoznik, kam zu dem Schluss, dass solch ein Denkmal eine unüberlegte Idee sei. "Hitler hat sich eigentlich auch um Oberschlesien verdient gemacht. Er baute doch hier die Autobahnen", sagt er mit Ironie und bedauert, dass er die Zerstörung dieses Denkmals nicht anordnen kann.

Der Historiker Professor Andrzej Garlicki hingegen kann diesen Wiederstand gegen das Denkmal nicht verstehen: "Das ist ein primitiver Nationalismus. Kurz gesagt bedeutet er, dass ein polnischer Patriot verpflichtet ist, gegen alles zu kämpfen, was deutsch ist. Man kann die Kriegsveteranen noch verstehen, weil die Deutschen in der Zeit ihrer Jugend ausschließlich mit dem Bösen assoziiert wurden. Die Behörden der Volksrepublik Polen pflegten dann die Deutschen als eine ständige Bedrohung darzustellen und sagten, dass sie wiederkommen und alles wegnehmen werden. Den Ausschreitungen heute würde ich keine große Bedeutung beimessen, obwohl ich sie rational nicht erklären kann", sagte Professor Garlicki.

"Ich verstehe nicht, warum die Pseudopatrioten immer wieder versuchen, das Kriegsbeil auszugraben. Das ist ein Spiel mit den Emotionen. Die Schlesier sind doch Europäer und sie sollten sich von solch einem primitiven Verhalten distanzieren", kommentiert Henryk Kroll, ein Abgeordneter der deutschen Minderheit.

Professorin Dorota Simonides ist der Ansicht, dass Oberschlesien voll von Fremdenfeindlichkeit sei: "Die Bevölkerung Schlesiens ist katholisch und viele Menschen hören ‚Radio Maryja‘. Der Nationalismus steht zwar im Konflikt mit dem Katholizismus, aber nicht unbedingt in den Sendungen von Radio Maryja. (...) Eine Eigenschaft der Schlesier war immer ihre Toleranz. Durch solch ein Verhalten können sie jedoch diese Eigenschaft verlieren", warnt Dorota Simonides. (...)

Friedrich Wilhelm von Reden kam 1779 nach Schlesien. Dank seiner Idee wurden das Bergwerk Krol und das Hüttenwerk Huta Krolewska in Chorzow sowie das Bergwerk Luiza in Zabrze (Hindenburg) errichtet. Ihm ist auch u.a. die Gründung der ersten Bergwerkschule in Oberschlesien und des Hüttenwerkes Fryderyk zu verdanken. (...) (Sta)

  • Datum 09.09.2002
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