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Politik

"Die Proteste werden weitergehen"

Irans Präsident Ahmadinedschad wurde für seine zweite Amtszeit vereidigt. Finden sich die Iraner nun mit ihm ab oder gehen die Proteste weiter? Exil-Iraner in Deutschland geben Auskunft.

Reza Hadji (re.) und Mohammad Talgherzadeh sitzen auf einer Bank am Rhein (Foto: Benjamim Wüst)

Leben seit Jahrzehnten in Deutschland: Reza Hadji (re.) und Mohammad Talgherzadeh

"Wir kommen gern", hatte Reza Hadji am Telefon gesagt. Treffpunkt ist eine ruhige Parkbank direkt am Rhein. Hadji hat noch seinen Freund, Mohammad Talgherzadeh, mitgebracht. Die beiden Männer stammen aus dem Iran, sind seit 30, beziehungsweise 25 Jahren in Deutschland. Hadji ist Bauingenieur und Mitglied der iranischen Freiheitsbewegung – einer Partei, die im Iran selbst nicht verboten ist, der aber zumindest das Arbeiten, wie Haji sagt, erschwert wird. Talgherzadeh ist Islamwissenschaftler, kein Parteimitglied, symphatisiert aber mit der iranischen Freiheitsbewegung.

Reza Hadji (re.) und Mohammad Talgherzadeh gehen spazieren und diskutieren dabei. (Foto: Benjamim Wüst)

Es gibt viel zu besprechen...

Die beiden sind gekommen, um über die Lage im Iran zu berichten und zu erzählen, was sie von Deutschland aus, aus dem Exil, für ihre Mitbürger im Iran tun können. "Wir versuchen den Protest zu unterstützen. Wir verteilen Flugblätter, nehmen an Demonstrationen teil, geben Informationen, die wir per E-Mail aus dem Iran erhalten, weiter", sagt Hadji. "Wir wollen der Welt zeigen, was wirklich im Iran vor sich geht". Die beiden Männer sind sich ganz sicher, dass die Wahl im Iran manipuliert wurde. Sie haben gehofft, dass dagegen protestiert werden wird. "Wir haben aber nicht damit gerechnet, dass es so viele Menschen sein werden", sagt Talgherzadeh.

46 Tage Einzelelle

Warum die Menschen so aufgebracht sind? Für Hadji ist das eindeutig: "Die fragen sich: Wo ist meine Wahl? Wo ist meine Stimme? Ich habe Mussawi gewählt - wie ist Ahmadinedschad dabei herausgekommen?" Was den fast 60-Jährigen ärgert, ist der unklare Wahlvorgang. "Wenn die Mehrzahl Mahmud Ahmadinedschad gewählt hätte, wäre es okay, aber die Menschen haben anders abgestimmt." Hadji betont, seine Partei wolle keinen Putsch, keinen Sturz der Regierung, sondern freie Wahlen.

Demonstranten in Prag halten ein Schild hoch mit der Aufschrift: 'We support you' (Foto: Iran EmroozNews)

Weltweit bestärken Exil-Iraner Demonstranten im Iran weiter zu protestieren

Hadjis Familie und Freunde im Iran nehmen an den Protesten teil, saßen sogar teilweise schon im Gefängnis. "Eine Bekannte ist 46 Tage in einer Einzelzelle gewesen. Das ist Folter. Diese Leute haben gar nichts anderes gemacht wie er und ich", sagt Hadji mit auffällig ruhiger Stimme und zeigt auf seinen Freund. "Wir haben der Bevölkerung gesagt: Bitte geht wählen, damit wir sehen, wie das läuft."

Jetzt haben die beiden Akademiker gesehen "wie das läuft" und sind frustriert: Sie sprechen von Manipulationen und Lügen der iranischen Regierung, bleiben dabei aber ganz ruhig, suchen sorgsam nach den richtigen Worten. Mohammad Talgherzadeh, der neben Islamkunde auch Philosophie studiert hat, gewinnt der Situation im Iran aber auch etwas Positives ab. "Wir sind sehr froh, dass die Menschen so selbstbewusst geworden sind. Sie versuchen ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das ist sehr erfreulich. Sehr bedauerlich ist, dass im Namen der Religion so viele schlechte Dinge gemacht werden."

Opposition im Exil wächst zusammen

Die beiden gläubigen Muslime sorgen sich um ihre Familien, um ihren Iran, sehen in der Krise aber auch eine Chance. Die Iraner im Exil, in Deutschland sind es rund 120.000, die normalerweise sehr vielstimmig und zerstritten auftreten, sind dabei, zusammenzuwachsen. Hadji und Talgherzadeh sind sich sicher: Die Proteste werden weitergehen, denn die Bevölkerung fühlt sich belogen und betrogen.

Müssten andere Staaten sich stärker für die Opposition im Iran stark machen, Ahmadinedschad unter Druck setzen? Mohammad Talgherzadeh meint: Nein. "Das ist in erster Linie eine iranische Angelegenheit. Die Iraner sind bezüglich ausländischer Staaten sehr empfindlich. Deswegen erwarten sie eher Unterstützung von anderen Bevölkerungen, als von den Staaten selbst."

Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Hartmut Lüning