1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Amerika

Die Probleme mit der Windenergie in Mexiko

In Mexiko, dem Gastgeberland der diesjährigen Weltklimakonferenz, schießt seit drei Jahren ein Windpark nach dem nächsten aus dem Boden. Die Geschäfte mit dem Wind sind allerdings nicht immer ganz sauber.

Windräder auf einer Wiese (Foto: Markus Plate)

La Ventosa: Windpark auf dem Isthmus von Tehuantepec

Wenn Mexikos Präsident Felipe Calderón einen Windpark eröffnet, ob bei Eiseskälte oder im gleißenden Sonnenlicht, aber immer mit gewaltig viel Wind auf dem Mikrofon, dann erscheint der Gastgeber der diesjährigen Weltklimakonferenz in Cancún als Visionär und Macher zugleich. Mexiko werde sich in wenigen Jahren vom Ölproduzenten und Klimakiller zum grünen Hochtechnologieland entwickeln, "denn wir glauben, dass die Menschheit nur dann eine Zukunft hat, wenn sie auf nachhaltige Energie setzt." Sagt der Präsident der 110-Millionen-Einwohner Nation, deren Erdölvorräte nebenbei zur Neige gehen.

Perfekter Ort zur Windenergiegewinnung

Windräder hinter dem Dorf Santo Domingo Ingenio (Foto: Markus Plate)

Santo Domingo Ingenio: Windräder dominieren das Dorf

Wasserkraft, Biogas, Photovoltaik, Windenergie. Auf der Green Expo, der Messe grüner Zukunftstechnologien in Mexiko-Stadt, ist das grüne Image, das Calderón seinem Land verpassen will, längst gelebte Geschäftspraxis. Zehn Prozent seines Stromverbrauchs will Mexiko in naher Zukunft aus Windenergie decken und mit dem Isthmus von Tehuantepec, der Landenge zwischen Golf von Mexiko und Pazifik, verfüge man über einen der drei weltweit besten Orte zur Windenergiegewinnung, schwärmt der Präsident des lateinamerikanischen Windenergieverbandes LAWEA, Fernando Tejeda.

Auf der Pazifikseite des Isthmus von Tehuantepec, im entlegenen Osten des Bundesstaates Oaxaca, bläst der Wind stark und stetig. Hier im großen Stile Windenergie zu produzieren, das sei gut für das Klima, gut für die Unternehmen und gut für die Region, verspricht der Verbandspräsident. Die Bauern bekämen eine Pacht pro Jahr, die so hoch ist, als würden die Bauern ihr Land alle fünf Jahre verkaufen. "Die Windenergie bietet der Region also erhebliche soziale und wirtschaftliche Vorteile", so Fernando Tejeda.

Die Gewinner sitzen allerdings woanders

Drei Brüder auf einer Wiese vor Windrädern (Foto: Markus Plate)

Von der Industrie über den Tisch gezogen: Die Brüder Cruz Velásquez

Die Windenergie, sie scheint ein Segen für die Region, mit deren Landwirtschaft es seit Inkrafttreten des Freihandelsabkommen NAFTA mit den USA steil bergab geht. Doch viele Bauern, wie die Brüder Cruz Velásquez, fühlen sich von der Industrie über den Tisch gezogen: "Die Unternehmen haben uns getäuscht", schimpfen die drei. Die spanischen Unternehmen und der staatliche Energieversorger CFE hätten den Bauern Verträge aufgeschwatzt, die alle auf Spanisch waren und die gerade die älteren Bauern, die zapotekisch sprechen, gar nicht verstanden haben. Und die großen Pachterträge? "100 Pesos pro Hektar und Jahr wollten die Firmen zahlen", weniger als 10 Euro. "Diese Verträge sind nur gut für die Unternehmen, nicht für uns Bauern."

Javier Balderas vom Menschenrechtszentrum Tepayac ist für die betroffenen Bauern gegen die Pachtverträge erfolgreich vorgegangen. Sein Urteil über die grüne Energiepolitik Mexikos fällt nicht gut aus: Die Regierung habe sich zwar zur Emissionsminderung verpflichtet, und ein Aspekt dieser Politik sei die Erzeugung von Strom aus alternativen Energien. Zur gleichen Zeit aber habe sich Mexiko einer neoliberalen Politik unterworfen, die – anstatt eine eigene Windindustrie zu entwickeln – transnationales Kapital einlade, hier zu investieren.

Nutznießer dieser Politik sind fast ausschließlich spanische Unternehmen: Endesa, Iberdrola, Fenosa, Gamesa und Acciona. Sie haben den Isthmus längst unter sich aufgeteilt. Für die Region sieht Javier Balderas kaum Vorteile: "nur wenige Jobs in der kurzen Bauphase. Eine eigene Windindustrie entsteht in Mexiko nicht. Die der Region versprochenen Strompreissenkungen sind allenfalls minimal. Die Region geht fast leer aus. Die Gewinne machen andere."

Autor: Markus Plate
Redaktion: Marco Müller