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Asien

Die preußische Urgroßmutter der Orang-Utans

Seit über 40 Jahren lebt die deutsche Tierschützerin Ulrike von Mengden mitten im Zoo von Jakarta. Ihr Lebensziel: vom Aussterben bedrohte Orang-Utans zu retten.

Portrait Ulrike von Mengden (Foto: Privat)

Ulrike von Mengden

Das Haus auf dem einzigen Privatgelände mitten im Jakarta-Zoo liegt versteckt zwischen Bäumen und Sträuchern. Am grünen Zaun hängt ein Schild mit dem Namen der Hausherrin: Ulrike von Mengden. Die 91-Jährige lebt nicht allein: Sie teilt ihr Zuhause mit Affen, aber auch vielen Katzen und Hunden. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die Orang-Utans, die in voneinander getrennten Käfigen neben dem Haus leben. Einmal am Tag dürfen sie draußen im Garten spielen, betreut von einigen Helfern.

Orang-Utan im Zoo von Jakarta (Foto: Ulrike von Mengden)

Orang-Utan im Zoo von Jakarta

An einem schwülen Nachmittag sitzt Ulrike Freifrau von Mengden auf ihrer Veranda und trinkt eisgekühlten Tee. "Hier sind alle wie meine Kinder", sagt die zierliche aber energische Frau. Im Moment betreut sie 37 Orang-Utans auf ihrem Gelände. Hunderte haben im Laufe der Jahrzehnte bei ihr gelebt. Ulrike von Mengden erzählt, dass sie manche schon seit über elf Jahren beherbergt. Sie will die Orang-Utans so schnell wie möglich an eine Auswilderungsstation weitergeben.

Vom Aussterben bedroht

Ihre Schützlinge sind Menschenaffen, die in Gefangenschaft geboren wurden, Babys von getöteten Müttern, Orang-Utans, die gestohlen, ausgesetzt oder konfisziert wurden, weil sie illegal als Haustiere gehalten wurden. Ulrike von Mengden und ihre Helfer machen die Tiere fit für das Leben in der Wildnis. Seit Jahrzehnten gilt ihr Haus als ein Refugium für Menschenaffen. In natürlichen Lebensräumen im indonesischen Archipel gibt es lediglich rund 55.000 Orang-Utans. Wie ihre Heimat, die Regenwälder, sind auch sie selbst vom Aussterben bedroht. Seit Jahrzehnten fallen immer mehr Waldflächen dem Holzraubbau zum Opfer. Die tropischen Edelhölzer sind auf den Weltmärkten gefragt. An ihrer Stelle entstehen Öl- und Kautschukplantagen. Die Affen sind den Plantagenbesitzern ein Dorn im Auge, denn sie fressen die jungen Schößlinge.Und so geht trotz gesetzlichen Verbots die Jagd, der Verkauf von Schädeln, Fleisch und Orang-Utan-Babys weiter.

Ein ganzes Leben für die Tiere

Ulrike von Mengden am Tigerkäfig im Zoo von Jakarta (Foto: Ulrike von Mengden)

Auch um bedrohte Tiger kümmert sich Ulrike von Mengden

Vor 60 Jahren ist Ulrike von Mengden mit ihrem Ehemann, einem Deutschen, dessen Familie eine Rinderfarm auf Java hatte, nach Indonesien ausgewandert. Aus Liebe zu den Tieren arbeitete die gelernte medizinisch-technische Assistentin ehrenamtlich im damaligen Zoo. Mit dem Umzug des Zoos auf ein größeres Gelände in Süd-Jakarta im Jahr 1966 zog sie in das kleine Haus mitten im Zoo. Bis heute pflegt sie dort Orang-Utans. "Ich bin die Großtante, die Großmutter, die Urgroßmutter oder Urururgroßmutter von all den Orang-Utans", sagt die Frau, die auch als Ibu Ulla bekannt ist, und lacht.

Ulrike von Mengden mit Nilpferd im Zoo von Jakarta (Foto: Ulrike von Mengden)

Deutschland bleibt ihr Vaterland. Indonesien ist ihr "Mutterland", ihre Heimat, geworden.

Zweimal am Tag fährt die 91-jährige Preußin mit einem Fahrer durch den 140 Hektar großen Zoo. Sie kontrolliert, ob die Orang-Utans und die anderen Tiere genug zu fressen bekommen. Sie verfüttert Früchte, die sie jeden Morgen selber kauft. "Mein ganzes Geld, wie viel kann ich - glaube ich - nicht sagen, alles habe ich hier ausgegeben. Nur für Tiere" erzählt Ulrike von Mengden mit ihrer tiefen Stimme. "Ich werde eher verhungern, als dass einem Tier etwas passiert." Die Kosten für Autoreparaturen, Fahrer, Helfer und Obst bestreitet sie mit ihrer Rente. Ihr selbst reicht ein Teller einfache Nudelsuppe.

Ein Leben zwischen zwei Welten

Wenn die finanziellen Mittel es zulassen, werden die Orang-Utans in Kalimantan oder auf Sumatra ausgewildert. Doch bis dahin muss Ulrike von Mengden zusehen, wie die Tiere oft über Jahre in engen, dunklen Käfigen im Zoo ausharren müssen. Vor zwei Jahren hatte der Gouverneur von Jakarta versprochen, diese Missstände zu beheben. Doch Ulrike von Mengden wartet heute noch auf die Einlösung des Versprechens. Sie fordert endlich Taten statt Worte und macht fehlende Tierliebe in Indonesien und die allgegenwärtige Korruption für die Probleme verantwortlich.

Orang-Utan im Zoo von Jakarta (Foto: Ulrike von Mengden)

Sicherheit hinter Gittern: Orang-Utan im Zoo von Jakarta

Trotz dieser Schwierigkeiten will sie ihren Kampf für die Orang-Utans fortführen, auch im hohen Alter. "Man lebt hier auf einem Zwischen-Ding, ja-nein, grausam-gut, warm-kalt, es ist immer irgendetwas", beschreibt sie selbst ihr Leben in Indonesien. "Aber man kann glücklich sein." Deutschland bleibt ihr Vaterland. Indonesien ist ihr "Mutterland", ihre Heimat, geworden.

Ein Leben ohne Tiere kann sich Ulrike von Mengden nicht mehr vorstellen. Ihr Kampf für die Menschenaffen ist das Wichtigste für sie, viel wichtiger als das deutsche Bundesverdienstkreuz erster Klasse, das ihr für ihre Verdienste im Tierschutz verliehen oder die Bronze-Statue im Zoo, die ihr gewidmet wurde. Wirklich glücklich macht Ulrike von Mengden allein der Dank ihrer Tiere.

Autorin: Anggatira Gollmer

Redaktion: Sybille Golte-Schröder