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Politik

Die Präsidentenmacher im Mittleren Westen

Der Weg ins Weiße Haus führt durch Maisfelder und Schweineställe: Seit Jimmy Carter gilt Iowa als der US-Bundesstaat, in dem über die nächsten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl entschieden wird.

Bauren in Garrison, Iowa (Archiv), Foto: AP

Iowa: Weißer und älter als der US-Durchschnitt - aber einflussreich

"Nein, Iowa ist nicht der repräsentativste Bundesstaat", sagt der US-Politikwissenschaftler Andrew Denison. In dem landwirtschaftlich geprägten Staat im Mittelwesten der USA gibt es die fünftgrößte Pensionärsdichte, 90 Prozent der Menschen sind weiß, "und außerdem sind sie religiöser und ländlicher", fügt er hinzu. Und trotzdem gilt Iowa, das mit seinen 3 Millionen Einwohnern gerade einmal ein Hundertstel der US-Bevölkerung darstellt, als einer der wichtigsten Schauplätze im Kampf ums Weiße Haus.

Der Iowa-Effekt

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter 1977, Foto: AP

Mit "Jimmy Who?" Carter begann 1976 der "Iowa-Effekt"

Es begann mit "Jimmy Who?" Carter, der sich 1976 überraschend bei der Vorentscheidung in Iowa durchsetzte. "Hi, ich bin kein Rechtsanwalt, und ich komme auch nicht aus Washington", stellte sich der Erdnussfarmer aus Georgia vor - und zog direkt durch bis ins Weiße Haus. Seitdem betrachten sich die Menschen in Iowa als Präsidentenmacher. 2004 verwiesen sie den demokratischen Favoriten Howard Dean auf Platz zwei, verhalfen John Kerry zur Kandidatur und George W. Bush begann 2000 mit seinen Siegeszug ebenfalls in Iowa. Zwar gab es auch Kandidaten, die trotz einer Wahlschlappe im Mittleren Westen noch ins Rennen zogen, wie etwa 1992 Bill Clinton oder George Bush 1988, trotzdem gilt: "Wer Iowa gewinnt, gewinnt die Vorwahlen."

Gerangel in Iowa


Darum stürzen sich jetzt alle Kandidaten in spe auf Provinznester wie Urbandale, Estherville oder Oskaloosa: Der Demokrat John Edwards betont gerne, dass er sämtliche 99 Counties besuchte. Sein Konkurrent Barack Obama richtete 33 lokale Wahlbüros ein und gab bisher sechs Millionen Dollar für seinen politischen Werbefeldzug aus. Christopher Dodd, demokratischer Senator aus Connecticut mit minimalen Siegchancen, hat sogar seine Familie nach Des Moines verpflanzt, seine Tochter besucht dort jetzt den Kindergarten.

Der Republikaner Fred Thompson in Iowa, Foto: AP

Politische Überzeugungsarbeit zwischen Strohballen: Der Republikaner Fred Thompson auf Stimmenfang in Iowa

Rechnerisch betrachtet findet in Iowa am 3. Januar nur die erste von vielen Vorwahlen statt: Wer die meisten Siege davonträgt, erhält das Mandat seiner Partei für die eigentliche Präsidentschaftswahl im November 2008. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesstaaten findet die Kandidatenkür hier jedoch in einer Art Bürgerversammlung statt - dem "Caucus": "Ganz Amerika schaut nach Iowa: Wer hier siegt, kommt in die Schlagzeilen, dann fließen die Gelder und die Freiwilligen machen mit", erklärt Denison den "Iowa-Effekt": "Diese Aura des Siegers wirkt in die nächsten Vorwahlen hinein, denn: Nichts ist erfolgreicher als Erfolg!"

Doch die Wahlen seien nicht nur eine Imagefrage, betont er: "Man gewinnt in Iowa, wenn man politisch fähig und klug ist." Es gebe dort städtische Bereiche, wo man mit gut organisierten Fernsehkampagne arbeiten könne, ebenso wie eine vielfältige Wählerschaft auf dem Land, wo man von Tür zu Tür gehen und schwierige Überzeugungsarbeit müsse, so Denison. Daher ist für ihn der Iowa-Effekt kein Mythos: "Es ist politisch relevant, was da in Iowa passiert - und ganz Amerika schaut zu!"

Jeder will der erste sein

Bauer in Council Bluffs, Iowa, Foto: AP

Iowa: landwirtschaftlich geprägt - aber politisch wichtig

Das hat erst kürzlich zu einem Wettrennen im Wahlkalender geführt: In South Carolina verlegten die Republikaner ihre Wahl vom 2. Februar auf den 19. Januar, um sich nicht von Florida überholen zu lassen. Dort hatte nämlich der Kongress unlängst beschlossen, seine Vorwahlen auf den 29. Januar vorzuziehen und damit insbesondere Kalifornien und New York den Rang abzulaufen, die zusammen mit fast 20 anderen Staaten am 5. Februar ihre Vorwahlen abhalten wollen. In Iowa wiederum besagt ein Gesetz, dass dort die Caucuses mindestens acht Tage vor jeder anderen Vorwahl stattfinden müssen.

Politische Experten wie der Geschichtsprofessor Alan Lichtman von der American University in Washington betrachten diesen Wettlauf um die frühen Wahltermine mit Argwohn: Die Wähler seien angesichts des vorverlegten Wahlkampfs schon jetzt wenig inspiriert, zitiert ihn die "Washington Post". Bill Carrick, ein demokratischer Politanalytiker, warnt, dass dieser Wahlkampf zu einer Farce werden könnte. Wenn das so weitergehe, "dann haben wir im Wahlkampf 2012 die erste Vorwahl am Unabhängigkeitstag im Vorjahr", sagte er der "Los Angeles Times". Dieser Feiertag ist der 4. Juli.

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