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Wirtschaft

Die Post erfindet sich ein bißchen neu

Die Anfänge der Deutschen Post sind datiert auf das Jahr 1490. Heute ist das Bonner Unternehmen ein weltweit agierender Logistikkonzern. Jetzt macht der neue Chef den Laden wetterfest für harte Zeiten.

Paketbote und Paketstapel an einem DHL-Fahrzeug (Foto: dpa)

Briefe und Pakete - wichtiges Standbein der Deutschen Post DHL

Briefe werden auf Bändern sortiert einem Briefzentrum der Deutschen Post.(Foto: AP)

In den Briefzentren der Post muss noch immer viel sortiert werden.

Die Deutsche Post bleibt gelb, ändert aber den Namen. Konzernchef Frank Appel verkündete auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (11.03.2009) im Bonner Post-Tower, dass das Unternehmen ab sofort nicht mehr Deutsche Post World Net heiße, sondern Deutsche Post DHL. Dadurch sollen die zwei tragenden Säulen für die Deutsche Post zum Ausdruck gebracht werden: das Briefgeschäft und die internationale Logistik. "Wir bleiben die Post für Deutschland", betonte Frank Appel und beendete damit Spekulationen, dass sich die Post von ihrem Briefgeschäft trennen würde.

Der Vorstandschef als Professor

Post-Chef Frank Appel (Foto: AP)

Seit einem Jahr im Amt: Postchef Frank Appel

Die Namensänderung gehörte zu den wenigen klaren Aussagen während der 45minütigen Rede des Konzernchefs. Dass die Dauer der Rede exakt einer Unterrichtsstunde entsprach, war sicherlich nicht geplant. Aber die meiste Zeit erinnerte Frank Appel die etwa 100 anwesenden Journalisten tatsächlich an einen Philosophieprofessor: "Die Menschen müssen eine Sinnhaftigkeit über das eigentliche Tun in ihrem Geschäft haben." Oder: "Das Management wird daran gemessen, die Mitarbeiter werden daran gemessen, ob sie eine Balance finden zwischen Respekt und Resultaten."

Respekt und Resultate sind für den Konzernchef keineswegs nebulöse Begriffe: Die zwei Schlagwörter bilden das neue Leitbild der Deutschen Post DHL. Mitarbeitern soll mehr Respekt entgegengebracht werden. Auch Entlassungen können laut Appel mit Respekt abgewickelt werden. Manager werden stärker leistungsorientiert bezahlt werden. Sie werden innerhalb des Unternehmens öfter die Bereiche wechseln, um eine engere Verzahnung der einzelnen Divisionen zu erreichen. "Nur so bekommen wir eine einheitliche Kultur", so der 47-jährige Vorstandschef.

Neue Kultur – neue Strategie

In einer neuen Kultur sieht der Konzernlenker, der seit einem Jahr im Amt ist, die Chance zum Erfolg. "Was wir brauchen, ist eine kulturelle Revolution." Das ist die Kernbotschaft seiner Strategie bis 2015. Die neue Strategie ist nötig, weil die Deutsche Post nach Ansicht ihres obersten Chefs bisher nicht in der Lage war, aus ihrer einzigartigen Situation ein einzigartiges Unternehmen zu formen. Im Briefgeschäft hat die Deutsche Post in Deutschland einen Marktanteil von 90 Prozent. Im Bereich Luft- und Seefracht ist der gelbe Riese Nummer Eins auf der Welt. Vor allem in den strukturell stark wachsenden Märkten weltweit ist die Deutsche Post gut aufgestellt.

Der Post-Turm in Bonn (Foto: AP )

Das Hauptquartier der Deutschen Post in Bonn

Aber warum ist daraus kein herausragendes Unternehmen geworden? Frank Appel lieferte die Antwort: "Diese Firma hat das Potenzial bis heute noch nicht gehoben. Das liegt nicht daran, weil wir die falschen Akquisitionen haben, weil wir die falschen Märkte haben, weil wir die falschen Marktposition haben, weil wir keine vernünftigen Programme haben, sondern es liegt daran, weil wir nicht systematisch ein klares Versprechen gegenüber unseren Kunden, kein klares Versprechen für die Mitarbeiter und kein klares Versprechen für unsere Investoren haben."

Paketstation als leuchtendes Vorbild

Den Kunden verspricht er besseren Service und nachhaltige Lösungen, was bereits praktiziert werde. Als Beispiel für besseren Service nannte Appel die Paketstation. Dort kann man rund um die Uhr Paketen abholen und aufgeben. Als nachhaltig gilt eine Lösung, wenn sie auf andere Prozesse und Kundensituation übertragbar sei.

Mehr Kundenorientierung und Mitarbeiterzufriedenheit plus die vorhandenen "Juwelen" Märkte und Marktposition. Von dieser Zauberformel verspricht sich Frank Appel bis 2015 aus dem ehemaligen Staatsmonopolisten ein Hochleistungsunternehmen zu machen.

Startendes DHL-Frachtflugzeug (Fotos: Deutsche Post)

Aufwärts soll es mit der Post gehen.

Die schöne Vision kann aber nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen. Denn die Wirtschaftskrise hat auch die Deutsche Post nicht verschont. Mit 1,7 Milliarden Euro Minus im vergangenen Jahr fuhr der Konzern den größten Verlust seit der Privatisierung 1990 ein. Hier gab Frank Appel den Investoren sein Versprechen: "Wir werden unser Cash so eng managen wie es irgendwie geht. Wir werden versuchen, unsere Marktposition in den Geschäften auszubauen. Wir glauben, dass wir eine Chance haben, gestärkt aus dieser Krise hervor zu gehen. Und daran werden wir alles setzen."

Mittelfristig will der Konzern mit dem neuen Namen zwei Prozent schneller wachsen als der Markt.

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