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Wirtschaft

Die Porsche-Story

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wollte den viel größeren Volkswagen-Konzern übernehmen. Die Pläne sind gescheitert. Die Hintergründe im Machtkampf zwischen Porsche und VW.

Wendelin Wiedeking (Foto: AP)

Wendelin Wiedeking

Die Geschichte vom Kampf um die Macht bei Volkswagen und Porsche ist die Geschichte einer Familie. Und wie die meisten Familiengeschichten ist auch diese nicht frei von Streit.

Der Gründer

Der Automobil-Konstrukteur Ferdinand Porsche (1875-1951). Foto: dpa

Der Automobil-Konstrukteur Ferdinand Porsche (1875-1951).

Ferdinand Porsche ist der Patriarch dieser Familie. 1930 gründete der Ingenieur sein eigenes Konstruktionsbüro, aus dem später die Firma Porsche wurde. 1938 wurde er von den Nazis mit der Planung des Volkswagen-Werks beauftragt und entwickelte auch den VW-Käfer. Unter Leitung seines Sohnes Ferry wurden später die ersten Porsche-Autos gebaut.

Ferry erbt nach dem Tod seines Vaters 1950 die Hälfte des Unternehmens, die andere Hälfte geht an seine Schwester Louise. Die ist mit einem Mann verheiratet, der während des Zweiten Weltkriegs das Volkswagen-Werk in Wolfsburg leitete: Anton Piëch. Bis heute besitzen die Familien Porsche und Piëch 100 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien von Porsche.

Ferdinand Piëch

Ferdinand Piech, hinter ihm sein Cousin Wolfgang Porsche (Foto: dpa)

Ferdinand Piech, hinter ihm sein Cousin Wolfgang Porsche

Ferdinand Piëch, geboren 1938, ist der Sohn vom Werksleiter Anton und der Unternehmenserbin Louise. Als junger Ingenieur beginnt er seine Karriere bei Porsche, wo er es bis zum technischen Geschäftsführer bringt. Schon damals wird ihm ein kompromissloser Führungsstil vorgeworfen - eine Kritik, die ihn seine gesamte Laufbahn hindurch begleitet. Als Porsche Anfang der 70er-Jahre zu einer Aktiengesellschaft wird, verlässt Piëch das Unternehmen. Die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche hatten beschlossen, das Unternehmen nur durch familienfremde Manager führen zu lassen, somit ist Ferdinand Piëch der Weg nach oben versperrt.

Trotzdem geht es mit seiner Karriere unaufhaltsam aufwärts. Zunächst bei Audi, wo er 1988 den Chefposten übernimmt. Audi entwickelte sich prächtig unter seiner Leitung. Fünf Jahre später ist Piëch ganz oben angekommen und wird Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, Europas größtem Autobauer. 2002 wechselt er dann an die Spitze des Aufsichtsrats und gilt nach wie vor als der einflussreichste Mann bei VW. Dass er harte Auseinandersetzungen nicht scheut, hat Piëch mehrfach bewiesen. "Wenn es um Krieg geht, gibt es immer Gewinner und Verlierer. Und ich habe die Absicht, der Sieger zu sein."

Dem Unternehmen Porsche bleibt Ferdinand Piëch eng verbunden. Zum einen sitzt er bis März 2008 im Porsche-Aufsichtsrat. Zum anderen gehören ihm 13 Prozent der stimmberechtigen Anteile.

Wolfgang Porsche

Wolfgang Porsche, Chef im Aufsichtsrat und Familiensprecher (Foto: AP)

Wolfgang Porsche, Chef im Aufsichtsrat und Familiensprecher

Wolfgang Porsche, Piëchs Cousin, besitzt ebenfalls fast 13 Prozent an Porsche. 1943 als jüngstes Kind von Ferry Porsche geboren, studiert Porsche nicht Maschinenbau, sondern Wirtschaftswissenschaft. Schon früh hat er einen Sitz im Porsche-Aufsichtsrat, und seit 1981 gilt er als Sprecher der Familie Porsche. Bei Streitigkeiten spielte er Medienberichten zufolge oft eine vermittelnde Rolle. Das "Manager-Magazin" beschreibt ihn 2005 als "charmanten Possenreißer, der die Familienmitglieder bei hitzigen Debatten mit seiner lockeren Art wieder zusammenbringt". Seit 2007 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats von Porsche.

Wendelin Wiedeking

1993, im Alter von 41 Jahren, nimmt Wendelin Wiedeking auf dem Chefsessel von Porsche Platz. Gemäß der Tradition bei Porsche ist er mit den Eigentümerfamilien nicht verwandt, sondern ein angestellter Manager. Nach dem Studium hatte er bei Porsche angefangen, zwischendurch kurz bei einem Automobilzulieferer gearbeitet.

Als er 1991 zu Porsche zurückkehrt, befindet sich der Sportwagenbauer am Rande der Pleite. Wiedeking gelingt es, die Firma grundlegend zu sanieren, die Modellpalette zu verändern und Porsche innerhalb weniger Jahre zum profitabelsten Autohersteller weltweit zu machen. Diese Erfolge lohnen sich auch für Wiedeking persönlich. Nach einer Rangliste des "Manager-Magazins" ist er 2008 der bestbezahlte Manager Europas - mit Bezügen von rund 77 Millionen Euro.

Das liegt vor allem an den prächtigen Gewinnen aus Finanzgeschäften, die Porsche inzwischen macht. 2008 weist Porsche einen Nettogewinn von 6,4 Milliarden Euro aus, obwohl mit dem Verkauf von Autos gerade mal 7,4 Milliarden Euro umgesetzt werden. Spötter sagen, Porsche sei jetzt ein Hedgefonds, der nebenbei Autos baue. Doch Wiedeking behauptet, die Gewinne seien für ihn zweitrangig: "Wir wollen zu abgesicherten Kursen VW übernehmen. Das ist das einzige Ziel, nicht irgendwelche Kursgewinne."

David gegen Goliath

Die Übernahme von Volkswagen durch Porsche - die Idee soll von Wiedeking stammen. Fest steht, dass er dieses Ziel hartnäckig verfolgt hat. Der Porsche-Aufsichtsrat gibt am 3. April 2008 grünes Licht für die Übernahme-Pläne.

Es muss eine stürmische Sitzung gewesen sein, denn am selben Tag gibt Ferdinand Piëch seinen Sitz im Präsidium des Aufsichtsrats von Porsche auf. Kurz darauf, im September 2008, rächt er sich auf seine Art. Bei einer Sitzung des VW-Aufsichtsrats enthält sich der Vorsitzende der Stimme und ermöglicht so den Beschluss, dass zukünftige Geschäfte zwischen Porsche und Audi nur mit Genehmigung des Aufsichtsrats gemacht werden dürfen. Die Porsche-Vertreter schäumen, schließlich sind sie an einer Zusammenarbeit mit der sportlichen VW-Tochter interessiert. So kommt es zu einem weiteren Streit zwischen den Eigentümerfamilien.

Dabei war es Ferdinand Piëch selbst, der ein paar Jahre zuvor den Einstieg von Porsche bei VW orchestriert hat. Porsche stieg zunächst mit 18 Prozent bei VW ein und stockte seinen Anteil bis Ende 2006 auf 27 Prozent auf. Anfang 2009 ist Porsche am Ziel: Der Sportwagenbauer besitzt nun fast 51 Prozent an Volkswagen - obwohl VW fast 20 Mal größer ist. Porsche-Chef Wiedeking klingt wie berauscht: "Das muss man sich vorstellen: Mit 7,4 Milliarden Umsatz hat man Einfluss auf 140 bis 150 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Das ist unglaublich." David im Kampf gegen Goliath - "in dieser Rolle fühlen wir uns wohl", strahlt Wiedeking.

Die Politik

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (rechts) mit Ferdinand Piech (Foto: AP)

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (rechts) mit Ferdinand Piech

Porsche ist nun größter VW-Aktionär, hat aber dennoch weniger Macht als das Bundesland Niedersachsen, das 20 Prozent an VW hält. Ein spezielles VW-Gesetz stellt sicher, dass niemand mehr Stimmrechte haben darf als das Land, selbst wenn er mehr Aktien hält. Die EU-Kommission hat diese Regelung mehrfach scharf kritisiert und schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof dagegen geklagt. Das Gericht entschied: Die Bundesregierung muss das Gesetz entweder abschaffen oder ändern.

Der Bundestag beschließt Ende 2008 eine Änderung, hält aber an Niedersachsens umstrittener Sperrminorität von 20 Prozent fest. Die EU-Kommission fordert eine erneute Änderung, voraussichtlich wird sie eine weitere Klage anstrengen. Solange das Gesetz besteht, kann Porsche VW nicht wirklich kontrollieren.

Die Finanzkrise

Die Finanzkrise hätte für Porsche zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Porsche hat sich für die VW-Übernahme mit rund zehn Milliarden Euro verschuldet und braucht nun dringend frisches Geld. Doch in der Krise ist es fast unmöglich, neue Kredite zu erhalten.

Da dreht VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Spieß um: Im Mai 2009 einigen sich die Porsche-Eigentümer, die Familien Porsche und Piëch, auf eine Fusion mit Volkswagen. Der Plan einer Übernahme wird aufgegeben. Wie genau die Fusion ablaufen soll, ist noch offen. Doch Piëchs Ziel ist klar: Porsche soll eine der vielen eigenständigen Marken in seinem Volkswagen-Reich werden. Seitdem wurde spekuliert, wann Wiedeking entlassen wird - als klares Zeichen für Piëchs Sieg.

Autor: Andreas Becker

Redaktion: Klaus Ulrich

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