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Welt

Die Pilgerfahrt nach Mekka: der Hadsch

Der Hadsch ist der religiöse Höhepunkt im Leben eines Muslim. Sein Ablauf ist haarklein vorgeschrieben. Wir erklären, was die wichtigsten Stationen sind, und warum er eine Mammut-Aufgabe für die Organisatoren ist.

Die Kaaba in der Heiligen Moschee in Mekka Foto: Ammar Abd Rabbo +++(c) dpa - Report+++

Die Kaaba in der Heiligen Moschee in Mekka

Es ist heiß, es ist voll und es ist nicht ungefährlich. Rund zwei Millionen Gläubige besuchen binnen weniger Tage die heiligen Stätten in Mekka – aus logistischer Sicht sind Olympia und Fussball-WM dagegen ein Kinderspiel. Nahezu zeitgleich landen Millionen Pilger auf dem Flughafen in der nahe gelegenen Stadt Dschidda. 4.000 Shuttle-Busse sind im Einsatz. Die Entsalzungsanlagen rund um Mekka laufen auf Hochtouren, um aus dem Wasser des Roten Meeres 130 Millionen Liter Trinkwasser für die Pilger bereit zu stellen. Zwei Millionen Brote werden benötigt, um die Pilger zu versorgen – am Tag. Und das alles bei an die 40 Grad Celsius selbst mitten im November!

Das größte Problem ist aber die Sicherheit

Die Hauptstadt Riad, die Hafenstadt Dschidda und die heilige Stadt Mekka DW-Grafik: Per Sander

Die Hauptstadt Riad, die Hafenstadt Dschidda und die heilige Stadt Mekka

Rund 100.000 Sicherheitskräfte kümmern sich um die gläubigen Massen. Sie überwachen während des Hadsch ein Gebiet, das sich von Westen nach Osten über eine Distanz von rund 25 Kilometer erstreckt. Nadelöhr und größter Gefahrenpunkt ist die Dschamarat-Brücke. Bis vor wenigen Jahren drängten sich dort Hunderttausende auf engstem Raum, was immer wieder zu Massenpaniken mit Hunderten Toten führte, zuletzt kamen 2006 fast 400 Menschen ums Leben. Inzwischen ist die einstige Brücke zu einem komplexen Bauwerk auf 5 Etagen umgestaltet: Die Pilgerwege kreuzen sich nicht mehr, es gibt eine Art „Einbahnstraßensystem“ auf verschiedenen Ebenen, Rettungs- und Fluchtwege stehen zur Verfügung. Bei der Planung haben deutsche Ingenieure maßgeblich mitgewirkt.

Trotz aller Strapazen: Für gläubige Muslime, die gesundheitlich fit sind und es sich leisten können, ist der Hadsch oberstes Gebot. Denn der Hadsch gilt neben dem Fasten im Ramadan und den täglichen Gebeten zu den fünf Grundpflichten des Islam. Wer den Hadsch vollzogen hat, darf den Ehrentitel „Hadschi“ in seinem Namen führen.

Der Hadsch ist eine von fünf Grundpflichten des Islam. (AP Photo/Khalil Hamra, file)

Der Hadsch ist eine von fünf Grundpflichten des Islam.

Der Hadsch geht auf den Propheten Mohammad zurück, der im Jahr 632 nach Christus nach Mekka pilgerte. Er findet jedes Jahr zur selben Zeit statt. Er beginnt immer am 8. Tag im letzten Monat des islamischen Mondkalenders, dem Dhu l-Hidscha. Der Ablauf ist bis ins Detail vorgeschrieben. Das sind die wichtigsten Stationen:

1. Tag

1. Station: Die Vorbereitung

In Mekka angekommen bereitet sich der Pilger äußerlich und innerlich auf den Hadsch vor, indem er in den Weihezustand eintritt. Die Männer legen das Pilgergewand an, das aus zwei weißen, ungesäumten Tüchern besteht. Von nun an ist es verboten, sich zu rasieren, sich zu kämmen, Haare und Nägel zu schneiden. Frauen dürfen ihr Gesicht nicht mehr verschleiern.

2. Station: Die Heilige Moschee

Pilgeranstrom in Mekka EPA/ALI HAIDER +++(c) dpa - Report+++

Pilgeranstrom in Mekka

Nach dem Eintritt in den Weihezustand begibt sich der Pilger zur Heiligen Moschee, der Al-Haram-Moschee. In ihrer Mitte befindet sich die Kaaba, ein gemauerter Würfel mit einer Grundfläche von 12 mal 10 Metern und einer Höhe von 14 Metern. Die Kaaba ist während der Pilgersaison mit einem schwarzen Seidenvorhang geschmückt, in den ein Koranvers aus goldenen Fäden eingestickt ist. Die Kaaba ist der geografische Mittelpunkt des Islam: Die Muslime richten sich beim Beten in ihre Richtung aus. Der Überlieferung nach hat Adam die Kaaba erbaut, dann hat die Sintflut die Kaaba zerstört. Abraham und sein Sohn Ismael haben sie wieder aufgebaut.

In einer Ecke der Kaaba befindet sich ein schwarzer Stein. Abraham soll diesen Stein als Geschenk vom Erzengel Gabriel empfangen haben. Der Stein ist so groß wie eine menschliche Hand und in Silber eingefasst. Experten streiten, ob der schwarze Stein ein Meteorit aus dem Weltall oder aus einem irdischen Material wie Glas ist.

An diesem schwarzen Stein starten die Gläubigen mit der siebenmaligen Umrundung der Kaaba gegen den Uhrzeigersinn. Wer angesichts der Menschenmassen nahe genug heran kommen kann, küsst den schwarzen Stein.

3. Station: Aufbruch nach Mina

Nach der Umrundung der Kaaba begeben sich die Gläubigen in die nahe gelegene Stadt Mina. Dort stehen Zelte für die Pilger zur Verfügung, in denen sie übernachten.

2. Tag

Betende am Berg der Vergebung (AP Photo/Hasan Sarbakhshian)

Betende am Berg der Vergebung

4. Station: Der Berg Arafat

Von Mina aus geht es weiter in Richtung des Berges Arafat. Er liegt 25 Kilometer östlich von Mekka. Der Arafat gilt als Berg der Vergebung. Diese Station gilt als die emotionalste der Wallfahrt. Die Pilger verbringen hier den ganzen Tag mit Beten und Nachdenken. Sie bitten Gott um Vergebung ihrer Sünden.

5. Station: Aufbruch nach Muzdalifah

Am Abend brechen die Pilger zum heiligen Tal von Muzdalifah auf. Hier sammeln sie Steine, die sie für die spätere symbolische Steinigung des Teufels benötigen. In Muzdalifah verbringen die Pilger die Nacht unter freiem Himmel.

3. Tag

6. Station: Rückkehr nach Mina und Steinigung des Teufels

Die Dschamarat-Brücke aus der Luft betrachtet (UPI Photo /Landov +++(c) dpa - Report+++)

Die Dschamarat-Brücke aus der Luft betrachtet

Noch vor Sonnenaufgang kehren die Pilger zurück nach Mina. Dort begeben sie sich zur Dschamarat-Brücke, wobei das Wort „Brücke“ eine schlichte Untertreibung ist. Tatsächlich ist es ein fünfstöckiges, hochkomplexes Bauwerk mit zahlreichen Rampen und Türmen. Aus diesem Bauwerk ragen drei Säulen heraus, die den Teufel symbolisieren. Die Pilger bewerfen die größte der drei Säulen mit den aus Muzdalifah mitgebrachten Steinen. Damit steinigen sie symbolisch den Teufel.

7. Station: Das Opferfest

Jeder Pilger, der es sich leisten kann, kauft ein Schaf oder eine Ziege und schlachtet es noch am selben Tag. Binnen weniger Stunden werden so Hunderttausende Tieren getötet. Die Pilger spenden den größten Teil der Opfertiere an Bedürftige. Das Opferfest ist eines der höchsten islamischen Feste und wird von Gläubigen in aller Welt gefeiert.

8. Station: Die Aufhebung des Weihezustandes

Die Pilger dürfen den Weihezustand verlassen, indem sie sich symbolisch die Haare schneiden lassen. Die Frauen lassen sich lediglich eine Haarsträhne kürzen. Alle Pilger dürfen sich wieder ihre Alltagskleidung anziehen.

9. Station: Rückkehr nach Mekka

Die Pilger begeben sich wieder in die Heilige Moschee in Mekka und umkreisen die Kaaba sieben Mal.

Die Wandelhalle zwischen den Hügeln Al-Safa und Al-Marwa

Die Wandelhalle zwischen den Hügeln Al-Safa und Al-Marwa

10. Station: Die Laufzeremonie

Ebenfalls in Mekka laufen die Pilger sieben Mal zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa hin und her. Damit vollziehen sie die Szene aus dem Alten Testament nach, als Abrahams Frau Hagar verzweifelt nach Wasser für ihren verdurstenden Sohn Ismael sucht. Ein Engel erscheint ihr und weist ihr mitten in der Wüste den Weg zum rettenden Brunnen Zamzam.

11. Station: Rückkehr nach Mina

Anschließend übernachten die Pilger wieder in den Zelten von Mina.

4.- 6. Tag

12. Station: Steinigungen des Teufels in Mina

Die folgenden Tage bleiben die Pilger in Mina und nehmen weitere symbolische Steinigungen des Teufels vor.

13. Station: Abschied von Mekka

Zum Abschluss des Hadsch umkreisen die Pilger sieben Mal die Kaaba.

Autorin: Birgit Görtz
Redaktion: Rainer Sollich