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Die Paten

Fest verankert sind sie in der christlichen Kirchengeschichte: Paten. Eine Patenschaft zu übernehmen, ist verbunden mit Verantwortung und einer Vorbildfunktion. Ein besonderes „Paten“-Bild prägte ein Roman Mario Puzos.

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Die Paten

„Pate“: Das Wort klingt etwas angestaubt, so wie vielleicht auch das, was damit verbunden ist. Eigentlich es aber ein altehrwürdiges Wort, ein Begriff aus der Kirchengeschichte seit dem 9. Jahrhundert, also Grund genug, sich mit Begriff und Person etwas genauer zu befassen. Denn Paten spielen trotz allem in unserer modernen Welt immer noch eine wichtige Rolle.

Pate: der Begriff, die Aufgaben

Der Begriff „Pate“ leitet sich ab vom lateinischen Ausdruck „pater spiritualis“, „geistiger Vater“. Er beinhaltet auch schon die Aufgabe, die einem Paten übertragen wird: Er ist – neben den Eltern – für die christliche Erziehung eines Kindes mitverantwortlich. Der Begriff ist eng verbunden mit dem Wort „Taufe“. Denn Voraussetzung dafür, dass jemand als Pate auftritt, ist die Taufe eines Kindes, mit der es in die christliche Gemeinschaft aufgenommen wird.

Ein Baby wird übers Taufbecken gehalten. Der Priester gießt das Weihwasser über den Kopf des Kindes. (Dron/Fotolia)

Die Patenschaft ist eng verbunden mit der Taufe

Das geschieht in der Regel wenige Wochen nach der Geburt. Vor dem Tauftermin haben die Eltern sich auf die Personen verständigt, die die Patenschaft für das Kind übernehmen sollen. In der Regel sind das meist zwei sehr gute Freunde oder Familienangehörige.

Sie begleiten „ihr“ Patenkind bis zum 14. Lebensjahr – auch bei der religiösen Erziehung oder im Todesfall der Eltern. Bei der Taufe stehen sie zusammen mit den Eltern am Taufbecken in der Kirche.

Pate: die Voraussetzungen

Pate darf allerdings nur jemand werden, der selbst Mitglied einer christlichen Kirche und mindestens 16 Jahre alt ist. Soll jemand, der Protestant oder Mitglied einer anderen christlichen Religion oder Nicht-Christ ist, Taufpate eines katholischen Kindes werden, geht das im Prinzip. Nur tritt diese Person dann als „Taufzeuge“ auf. Anders als der Taufpate ist das kein Amt.

Die Namen des Taufzeugen beziehungsweise der Taufzeugen werden auch nicht in einem Kirchenbuch vermerkt, also dem Verzeichnis aller Taufen, Trauungen oder Todesfälle einer katholischen Kirchengemeinde.

Pate und Patenkind: eine besondere Beziehung

Die Beziehung des Paten zu seinem Schutzbefohlenen ist eine besondere. So wie er das Kind bei der Taufe gehalten hat, so wird er zeitlebens den ihm anbefohlenen Menschen schützend begleiten.

Symbolbild: Ein Mann hält ein in rotem Papier mit weißer Schleife verpacktes Geschenk hinter seinem Rücken versteckt. Ein Junge schaut mit einem Lächeln zu ihm auf. Im Hintergrund lächelt eine Frau, die neben einem Christbaum steht.(Colourbox)

Die Patengeschenke sind etwas Besonderes

Sein Geschenk anlässlich der Taufe, später das zu den Geburtstagen, der ersten Heiligen Kommunion, der Firmung oder Konfirmation, dann zur Hochzeit sind mit Bedacht ausgesucht. Die Patengeschenke haben den Nimbus, den Ruf, des Besonderen.

Bisher haben wir nur von dem Paten gesprochen. Längst gibt es auch die Patin, also die Patentante neben dem Patenonkel. Ob diese tatsächlich Familienmitglieder sind, wie die anderen Onkel und Tanten oder nicht: Patin oder Pate, das ist eine Person, die immer mit Familie zu tun hat. Vor allem in Italien.

Der Pate als Patriarch

In der „Pate“ schwingt inhaltlich ja so ein bisschen der „Patriarch“ mit, also eine Person, die autoritär meist über die eigene Familie herrscht. Und wenn es gar ein bedeutender und mächtiger Pate ist, gilt das gleich für mehrere Familien.

Das müssen nun wirklich keine richtigen Familien sein. Nein, es gibt Paten, die sind das Oberhaupt von Organisationen, die ähnlich wie Familien hierarchisch aufgebaut sind, die zusammenhalten wie Familien und ihre Interessen unerbittlich und mit allen Mitteln wahrnehmen.

DER Pate – und das Angebot, das man nicht ablehnen kann

Filmszene Der Pate Marlon Brando (picture-alliance/dpa)

„Der Pate“, verfilmt mit Marlon Brando in einer seiner Paraderollen

Mario Puzo, Sohn italienischer Einwanderer, hat die Geschichte einer solchen Familie und ihres Paten geschrieben: „The Godfather“ hieß das 1969 veröffentlichte Buch. Es war das erste einer eigenständigen Gattung: des Mafia-Romans.

„Der Pate“, so die deutsche Übersetzung, wurde 1972 von Francis Ford Coppola verfilmt. In der Hauptrolle des Don Vito Corleone war Marlon Brando zu sehen, eine seiner Paraderollen.

Viele Zitate aus dem Film finden sich auch in der Alltagssprache. Eines der beliebtesten: „Er macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“

Mächtige Wirtschaftsbosse

Ob sie nun Don Vito, Alberto, Daniele, Silvio, Umberto oder Vincente heißen: Die Paten sind mächtige Männer. Sie beherrschen mitunter ganze Wirtschaftszweige, kontrollieren Geschäfte aller Art, haben ihre Finger in der Politik und sind durchaus in der Lage, hier und da, Richter und Staatsanwälte entscheidend zu beeinflussen.

Paten lieben ihre Familien, sorgen für sie. Sie sind überwältigend großzügig. Ihre Geschenke sind Villen, Ämter, Jachten, keine Kleinigkeiten. Nur: Die Familien müssen parieren und zwar ohne Wenn und Aber.

Die Patenschaft im Sprachgebrauch

Dass in dem, was mit dem Begriff „Pate“ verbunden wird, allerdings die eher positiven Aspekte überwiegen, zeigen zwei Wendungen in der deutschen Sprache: Wer „eine Patenschaft übernimmt“ etwa eine Tierpatenschaft, eine Baumpatenschaft oder eine sogenannte „Grünpatenschaft“ in Städten – sich also um Blumen- und Gemüsebeete vor der eigenen Wohnungstür kümmert –, sorgt sich um deren Wohl. Und wer oder was „bei etwas Pate steht“ hat eine Vorbildfunktion, nimmt auf etwas entscheidenden Einfluss. So wie der eine oder andere Pate dem ursprünglichen Verständnis nach ja auch.

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