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Politik

Die pakistanische Finanzkrise ist das Erbe Musharrafs

Pakistan hat wegen seiner akuten Zahlungsschwierigkeiten internationale Finanzhilfe angefordert, darunter auch von Deutschland und den USA. Doch eine Geldspritze allein wird nicht helfen, meint Thomas Bärthlein.

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Pakistans Wirtschaft hat strukturelle Probleme: Die Importe übersteigen regelmäßig die Exporte. Die Exportwirtschaft im Textilsektor etwa ist der chinesischen Konkurrenz seit langem nicht mehr gewachsen. Infrastruktur-Engpässe wie stundenlange Stromausfälle täglich selbst in den großen Metropolen behindern nicht nur die Bürger, sondern auch die Industrie. Die wirtschaftliche Entwicklung ist über die letzten Jahre im Machtkampf zwischen Politikern und der Armee vernachlässigt worden. Bürgerkrieg und beinahe tägliche Terror-Anschläge schrecken ausländische Investoren ab.

Verfehlte Politik unter Musharraf

Thomas Bärthlein

Thomas Bärthlein

Das pakistanische Establishment argumentiert nun dem Ausland gegenüber, dass Pakistan unter seiner "Frontstellung" im "Krieg gegen den Terror" leide und dafür finanziell kompensiert werden müsse. Die Regierung vertraut außerdem darauf, dass die internationale Gemeinschaft keinen ohnehin schon instabilen Atomstaat pleite gehen lassen wird. Damit folgt sie ganz der Linie des früheren Präsidenten und Armeechefs Musharraf, der nach dem 11. September 2001 vor allem bei den USA abkassierte und sich so seine Solidarität im "Krieg gegen den Terror" versilbern ließ.

Aber die Erklärung greift zu kurz: Letzten Endes sind Pakistans Zahlungsprobleme – genauso wie die Probleme mit militanten Aufständischen und Terroranschlägen – das Erbe einer verfehlten Politik. Musharraf und das Militär haben sich in den vergangenen Jahren vor allem um den eigenen Machterhalt gekümmert. Um diesem übergeordneten Ziel zu dienen, konnte man alle möglichen taktischen Winkelzüge unternehmen: Ausländische Hilfe annehmen, islamistische Parteien und die Taliban aktiv fördern und bei Gelegenheit auch immer wieder einmal mit einer spektakulären Aktion zerschlagen, vor allem aber die demokratische Opposition nach Kräften schikanieren. Mit einer verantwortungsbewussten Entwicklung des Landes hatte all das wenig zu tun.

Zu wenig Investitionen in Bildung und Infrastruktur

Das Ausland ist insofern mit schuld an der Misere, als sich praktisch niemand je beschwerte, da der Diktator Musharraf ja als "unentbehrlicher Verbündeter" galt. Finanzspritzen helfen jedoch nicht automatisch weiter: Nach dem 11. September hat Pakistan zwar einen kleinen Boom erlebt mit beinahe indischen oder chinesischen Wachstumsraten. Die Börse von Karachi erlebte einen Höhenflug und hatte zwischenzeitlich sogar einmal die weltweit höchsten Zuwächse zu verzeichnen. Aber es gab kein entsprechendes Wachstum bei den Investitionen, bei der Bildung und in der Infrastruktur. Stattdessen sind nur die ausländischen Bankkonten von Pakistans Eliten und die Waffenbestände des Militärs gewachsen.

Die akute Finanzkrise zeigt anschaulich, wie abhängig Pakistan von der internationalen Gemeinschaft ist – und umgekehrt. Zu hoffen wäre, dass diese Erkenntnis nicht nur dazu führt, dass in der Not ein paar Milliarden zusammengekratzt werden. Jetzt, in der Krise, gäbe es wieder einmal eine Chance, die Beziehungen auf eine neue Grundlage zu stellen: Echte Kooperation für gemeinsame Ziele. Zunächst müssten alle Beteiligten dafür aber bereit sein, ihre Fehler zuzugeben und ehrlich miteinander umzugehen. Derzeit sieht es eher allerdings eher so aus, dass das gegenseitige Misstrauen zwischen Washington und Islamabad wächst und nicht abnimmt.

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