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Aktuell Nahost

Die Opposition hält nicht still

Aus Protest gegen den Machtausbau von Präsident Mursi sind in Kairo hunderttausende Menschen zu einer Großkundgebung zusammengestömt. Ein Demonstrant kam bei Zusammenstößen ums Leben.

Knapp fünf Monate nach dem Amtsantritt von Mohammed Mursi als Staatsoberhaupt ist Ägypten gespalten in zwei Lager. "Betreten für Muslimbrüder verboten", steht auf einem Plakat am Rande des zentralen Tahrir-Platzes in der Hauptstadt. An dem symbolträchtigen Ort kamen am Dienstagabend hunderttausende Gegner des aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Präsidenten zusammen. Es war die größte Protestkundgebung seit dem Sturz seines Vorgängers Husni Mubarak Anfang 2011.

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Wieder viel Betrieb auf dem Tahrir-Platz

Die Menschen hielten Transparente mit Sprüchen wie "Die Muslimbruderschaft hat uns die Revolution gestohlen" und "Nieder mit dem Verfassungsrat", in dem die Islamisten die Mehrheit haben, in die Höhe. Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten kam ein Mann ums Leben. Er erstickte im von der Polizei abgefeuerten Tränengas.

Anwälte marschieren

Auch tausende Anwälte sammelten sich vor ihrem Gewerkschaftsgebäude zu einem Demonstrationszug zum Tahrir-Platz. Zahlreiche Richter erschienen den dritten Tag in Folge nicht zur Arbeit. Die Anhänger der säkularen und liberalen Oppositionsgruppen protestieren gegen die von Mursi am vergangenen Donnerstag erlassene Verfassungserklärung, mit der der Präsident seine ohnehin weitreichenden Befugnisse handstreichartig noch ausgebaut und die Justiz faktisch entmachtet hatte. Kritiker nannten ihn daraufhin den neuen Diktator Ägyptens.

Erste Zusammenstöße

In der 18-Millionen-Einwohner-Stadt hatten viele Geschäfte und Behörden in Erwartung möglicher Unruhen schon deutlich früher geschlossen. Bereits vor Beginn der Großdemonstration war es in Kairo zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Mursi-Gegnern gekommen. Demonstranten schleuderten Steine, Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, ein junger Mann wurde dabei getötet. Seit Freitag harren hunderte Regierungsgegner auf dem Tahrir-Platz aus. Auch in der Nähe der US-Botschaft lieferten sich zumeist Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei.

Ein Wasserwerfer der Polizei und Sicherheitskräfte (Foto: rtr)

Die Polizei zog Sondereinheiten zusammen

Die islamistische Muslimbruderschaft hatte ursprünglich auch für diesen Dienstag ihre Anhängerschaft zu einer Kundgebung nahe der Universität im Kairoer Stadtteil Gizeh aufgerufen. Sie sagte die Demonstration dann aber ab, um Gewalt zu vermeiden, wie es offiziell hieß.

Auch in mehreren Provinzstädten gab es Kundgebungen gegen Mursis umstrittene Erklärung. In der Hafenstadt Alexandria und in der Industriestadt Al-Mahalla kam es zu Schlägereien zwischen Islamisten und Demonstranten. Dutzende von Menschen wurden verletzt. Mursi will ungeachtet des Widerstands der Opposition und der mahnenden Worte aus den USA und europäischen Staaten, darunter Deutschland, die Gewaltenteilung zu achten, seine verfügten Dekrete nicht zurücknehmen.

se/wl/pg (dpa, afp, dapd)

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