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Kultur

Die Ophüls: Memoiren von Vater und Sohn

"Meines Vaters Sohn" heißen die Erinnerungen des Filmemachers Marcel Ophüls. Auch sein Vater Max hatte seine Erinnerungen einst zu Papier gebracht. Beide Regisseure warten in ihren Büchern mit Überraschungen auf.

Es ist wohl kein Zufall, dass kurz nach den Erinnerungen des Sohnes, "Meines Vaters Sohn", nun auch die des Vaters wieder zugänglich sind. Marcel Ophüls' Buch über sein Leben ist ein Ereignis, weil der inzwischen 87-Jährige ein großes Werk geschaffen hat, vielen berühmten Menschen begegnet ist und auch, weil es ein so schönes Buch über den berühmten Vater geworden ist. Dem Filmregisseur Max Ophüls, der 1957 starb, war kein so langes Leben wie dem Sohn vergönnt, er wurde nur 54 Jahre alt.

Auch Max Ophüls hatte sich einst erinnert, "Spiel im Dasein. Eine Rückblende" hieß das Buch, das er 1945 im amerikanischen Exil schrieb. Es erschien dann erst kurz nach Max Ophüls' Tod. Das Buch gab es in den letzten Jahren nur antiquarisch, nun hat es der Alexander-Verlag wieder aufgelegt. Das Vorwort für die Neuausgabe schrieb niemand anderes als Sohn Marcel. Beide Bücher zusammen ergeben ein unvergleichliches Panorama deutscher und Exil-Kulturgeschichte.

Berühmt über Generationen

Marcel Ophüls, dem die Berliner Filmfestspiele gerade noch eine Berlinale-Kamera verliehen haben, ist vor allem als herausragender Dokumentarfilmregisseur bekannt geworden. Sein Film "Hotel Terminus" über den Nazi-Verbrecher Klaus Barbie erhielt 1988 einen Oscar. Vater Max Ophüls gilt dagegen als einer der bedeutensten deutschsprachigen Spielfilm-Regisseure. Werke wie "Liebelei", "Pläsier" oder "Lola Montez" schrieben Kinogeschichte.

Filmliebhaber wissen das. Liest man aber nun beide Bücher, so warten sowohl Marcel als auch Max mit überraschenden Einblicken auf. Denn Marcel Ophüls' Erinnerungen sind nicht auf die großen Dokumentationen fokussiert, so wie Max Ophüls Buch nicht zuallererst um seine so berühmten Spielfilme kreist. Beide setzen andere Akzente.

Marcel Ophüls schreibt, der Titel seiner Erinnerung "Meines Vaters Sohn" deutet es an, vor allem über seinen Vater Max und die eigenen Träume und Sehnsüchte. Und die kreisten in erster Linie um Spielfilme. Den größten Teil von Max Ophüls Erinnerungen nimmt hingegen das Theater ein. Beides ist leicht zu erklären.

Liebe zum Theater

Max Ophüls arbeitete zunächst lange und erfolgreich an deutschsprachigen Bühnen. An einer Stelle schreibt er über all die Stücke, die er einst liebte und inszenierte: "Ich finde mich in ihnen wahrscheinlich mindestens so gut zurecht wie im richtigen Leben. Und weil ich mehr Zeit mit dem gespielten Dasein verbracht habe als mit dem wirklichen, kommen mir die tatsächlichen Momente meiner Existenz und der Existenzen um mich herum oft nur vor wie nicht ganz gelungene Kopien des gespielten Daseins."

Max Ophüls (Foto: imago/United Archives)

Ein Gentleman auf dem Regiestuhl: Max Ophüls, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1954

Marcels Berufswunsch war später nicht etwa Dokumentarfilmregisseur. Er wollte Spielfilme inszenieren. Nicht zuletzt, weil er die des Vaters so überaus schätzt: "Der Sohn eines Genies gewesen zu sein - präzise gesagt, der Sohn eines Genies namens Max Ophüls - ist etwas Wundervolles. Es ist das vollkommene Glück und zugleich auch ein immenses Privileg."

Ungeplante Karrieren

War Max Ophüls also ein verhinderter Theaterregisseur so wie sein Sohn Marcel ein verhinderter Spielfilmregisseur? Die Antwort ist verzwickt und hängt bei Max mit historischen Zeitläufen zusammen, bei Marcel hingegen mit einem Talent, zu dem der Sohn erst spät fand.

Max Ophüls Film Liebelei, Filmstill (Foto: imago/United Archives)

Früher Erfolg auf der Leinwand: Max Ophüls' Spielfilm "Liebelei"

Max Ophüls musste Deutschland verlassen: Er war Jude, und die Nazis hätten ihn, wenn er 1933 nicht so schnell reagiert hätte, kaum ungeschoren davonkommen lassen. Für die große Leinwand hatte er bis dato schon inszeniert, sein bezaubernder Film "Liebelei" brachte ihm große Anerkennung: "Am Morgen nach der Premiere wachte ich auf und war berühmt", schreibt er in seinen Erinnerungen. Direkt nach der Berliner Premiere verließ Max für viele Jahre sein Vaterland, drehte in Frankreich und Italien, in Holland und schließlich in Hollywood. Doch die geliebte Arbeit am Theater ließ sich im Ausland aufgrund der Sprachbarriere natürlich nicht fortsetzen.

Der Sohn lernt beim Vater

Sohn Marcel, geboren 1927, der aufgrund der Flucht der Eltern die Welt schon früh kennenlernte, bewunderte den Vater vor allem wegen seiner Filme. Die Theaterarbeiten konnte er aus naheliegenden Gründen nicht kennen. Auch Marcel wollte fiktive Stoffe auf die Leinwand bringen, als Regieassistent lernte er bei "Lola Montez", dem letzten Film des Vaters, das Handwerk von der Pike auf. Es gelang ihm dann auch tatsächlich mit Stars wie Jeanne Moreau, Jean-Paul Belmondo und Eddie Constantine eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Doch Marcels Spielfilme sind heute vergessen, seine berühmten Dokumentation aus späteren Jahren dagegen Legende.

Max Ophüls Film Lola Montez, Filmstill (Foto: picture-alliance/KPA Copyright )

Bei "Lola Montez" assistierte Sohn Marcel Vater Max bei der Regie

So überraschen die beiden Erinnerungsbücher von Max und Marcel Ophüls mit unvermuteten Eindrücken. Sie zeigen, wie wenig planbar künstlerische Karrieren sind. Max Ophüls hätte, wenn es die politischen Gegebenheiten erlaubt hätten, wahrscheinlich noch einiges am Theater inszeniert. Marcel dagegen sattelte nach seinen ersten, nur wenig erfolgreichen Spielfilmen, nicht ganz freiwillig um, orientierte sich zunächst in Richtung Journalismus, setzte dann auf längere Formate. Für die Geschichte des Dokumentarfilms war das im Nachhinein eine glückliche Fügung.

Marcel Ophüls Erinnerungen "Meines Vaters Sohn" sind im Propyläen Verlag erscheinen, ISBN 978-3-549-07458-9. Max Ophüls "Spiel im Dasein - Eine Rückblende" wurde jetzt vom Alexander Verlag neu aufgelegt, das Vorwort schrieb Marcel Ophüls. ISBN 978-3-89581-352-8.

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