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Sport

Die "Olympiasiegerin aus dem Fernsehen"

Lena Schöneborn hofft bei der anstehenden Europameisterschaft im Modernen Fünfkampf in Leipzig auf eine Platzierung unter den besten zehn. Seit ihrem Olympiasieg ist Schöneborn nicht zur Ruhe gekommen.

Lena Schöneborn, lächelnd bei einer Fernsehsendung. Foto: dpa

Lena Schöneborn, Olympiasiegerin von Peking

Der Pförtner weiß schon Bescheid. Seit dem letzten Sommer kommen immer wieder Journalisten und möchten mit Lena Schöneborn sprechen. "Da vorne an dem Schild nach rechts und dann immer geradeaus auf die Säule mit dem Adler zu", erklärt er den Weg. Zwischen dem Olympiastadion und dem Trainingsgelände der Fußballer von Hertha BSC liegt die Anlage des Berliner Olympiaparks. Hier bereiten sich die Modernen Fünfkämpfer auf die Europameisterschaften in Leipzig vor. Lena Schöneborn ist ihre bekannteste Athletin. Als Goldmedaillengewinnerin sorgte sie für eine der großen positiven Überraschungen aus deutscher Sicht bei den Olympischen Spielen in Peking.

Lena Schöneborn mit deutscher Flagge nach dem abschließenden 3000 Meter-Lauf in Peking. Foto: dpa

Jubel über Gold nach dem abschließenden 3000 Meter-Lauf in Peking

Fast ein Jahr ist seitdem vergangen und noch immer ist das öffentliche Interesse an der 23-Jährigen groß. Damit habe sie nicht gerechnet, sagt Schöneborn. "Ich habe erwartet, dass es zum Jahreswechsel ausklingt. Es ist aber nur ein bisschen geringer geworden." Nicht nur das Medieninteresse sei noch vorhanden, auch Sponsoren und Autogrammjäger meldeten sich noch. Auf der Straße werde sie aber höchstens als "die Olympiasiegerin aus dem Fernsehen" erkannt. Welche fünf Disziplinen nun genau zum Modernen Fünfkampf gehören, bekommen die meisten Leute aber immer noch nicht zusammen.

'Sommerbiathlon' als letzte Disziplin

Lena Schöneborn beim Fechten in Peking. Foto: dpa

Vielseitigkeit ist ihre Stärke

In Peking setzte sich Schöneborn noch in den fünf von einander getrennten Disziplinen Schießen, Fechten, Schwimmen, Reiten und Laufen durch. Nach den Spielen wurde jedoch der Modus des Modernen Fünfkampfs geändert. Um den achtstündigen Wettkampf für die Zuschauer ein wenig aufzulockern, wurden Schießen und Laufen als letzte Disziplin zusammengelegt – zu einer Art Sommerbiathlon. 'Combined' heißt die neue Disziplin, die ein ganz neues Training erfordert. "Ich habe mir vorher beim Schießen für jeden Schuss sehr viel Zeit genommen. Jetzt muss ich mich zwingen, das Ganze auch noch schnell abzuwickeln.“ Die Abläufe müssen wie automatisiert kommen: das Laufen zum Schießstand, das schnelle Nachladen der Waffe und das konzentrierte Zielen mit hohem Puls. "Es ist eine komplett neue Sportart", erklärt Schöneborn.

Obwohl sie das 'Combined' von allen Disziplinen am wenigsten mag, sorgt es auch bei der Olympiasiegerin für neue Motivation. "Alle starten bei Null. Da muss ich mich jetzt erst wieder etablieren, wie ich das beim alten Format auch gemacht habe. Das ist die Herausforderung." Durch die Regeländerung entscheidet sich erst kurz vor Schluss, wer den Wettbewerb gewinnt. "Bei jedem Schießen kann man relativ viel verlieren. Das Feld ist dadurch sehr eng zusammen gerückt", sagt Schöneborn. Trotzdem habe sie sich damit angefreundet, "weil es für die Zuschauer spannender ist."

Das große Geld ist nicht zu verdienen

Lena Schöneborn beim Reiten in Peking. Foto: dpa

Reiten auch auf fremden Pferden

Um ihre Olympia-Medaille zu vermarkten, hat sich Schöneborn im Winter professionelle Hilfe besorgt. Petra Behle, die Ex-Biathletin, steht der 23-Jährigen als Managerin zur Seite. "Ich habe gemerkt, dass ich mich neben Studium und Training nicht auch noch darum kümmern kann." Einen neuen Sponsorenvertrag hat Behle schon vermittelt. Schöneborn hofft, dass noch weitere dazukommen, damit "ich mal ein bisschen zur Seite legen kann." Das große Geld ist, trotz Olympia-Sieg, mit ihrem Sport nicht zu verdienen. Neben ihrem Sponsor ist die Mehrkämpferin auf die Stiftung Deutsche Sporthilfe angewiesen. "Ich werde wohl nie komplett ausgesorgt haben", weiß Schöneborn schon jetzt.

Damit sie nach dem Sport nicht mit leeren Händen dasteht, studiert Lena Schöneborn nebenbei Business Administration. "Ich wollte noch ein bisschen was konträr zum Training machen." Das zweite Standbein sei ihr sehr wichtig: "Ich will mich auch über andere Dinge unterhalten können." Wenn sie Klausuren schreibe, fielen auch schon mal Trainingseinheiten weg. "Man muss Prioritäten setzen", sagt Schöneborn. Deshalb hat sie auch nach Peking ein Praktikum in der Sportmarketing-Agentur von Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk absolviert. Im olympischen Zyklus sei das die beste Zeit gewesen, den Schwerpunkt auf die berufliche Ausbildung zu legen. Über das Thema 'Prioritäten setzen' hat Lena Schöneborn auch schon Vorträge vor Bankangestellten gehalten und so ihre Einnahmen etwas aufgebessert. "Im Sport ist es wichtig, dass man sich Zwischenziele setzt und diese mit viel Disziplin verfolgt. Davon kann man auch im Arbeitsleben ganz gut profitieren."

Ziel: Platz unter den Top Ten Europas

Lena Schöneborn hält ihre Goldmedaille in die Kameras. Im Hintergrund deutsche Fahne. Foto: dpa

Auf ein neues: in London

Ein aktuelles Zwischenziel der Saison steht in dieser Woche an: die Europameisterschaft vor heimischem Publikum in Leipzig. Nach einem etwas verhaltenen Saisonstart bei den Weltcups überzeugte Schöneborn bei den Deutschen Meisterschaften in ihrer Heimatstadt Bonn. Auf einen Sieg bei der EM will sie sich nicht festlegen lassen. "Eine Top-Ten-Platzierung sollte aber drin sein - wenn ich denn gut durchs Combined komme." Erfolgsdruck versucht Lena Schöneborn auszublenden. Es solle eine Saison "zum Ausprobieren werden." Das eigentliche Fernziel steht erst 2012 an: der Olympiasieg in London im neuen Modernen Fünfkampf.


Autor: Julian Rohn

Redaktion: Stefan Nestler

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