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US-Wahl 2016

Die Nominierung der Präsidentschaftskandidaten

Vor der Präsidentenwahl müssen die Demokratische und die Republikanische Partei ihre Kandidaten nominieren. Jede Partei hält dafür im Wahljahr von Februar bis Juni einen Wettbewerb ab.

Der Kandidat, der diesen Wettbewerb gewinnt, wird von der jeweiligen Partei nominiert. Republikaner und Demokraten auf Bundesebene teilen jedem der 50 Bundesstaaten Delegierte zu, ungefähr entsprechend der Bevölkerungszahl.

Die Parteien auf Ebene des jeweiligen Bundesstaates entscheiden, welches Wahlsystem sie nutzen. Das verbreitetste System ist die Primary Election. Einige Staaten haben Open Primaries, andere Closed Primaries.

Bei einer Open Primary können alle Bürger sowohl einen demokratischen als auch einen republikanischen Kandidaten wählen - unabhängig davon, zu welcher Partei sie gehören. Bei einer Closed Primary können nur Demokraten demokratische Kandidaten und Republikaner republikanische Kandidaten wählen.

Es gibt noch ein weiteres Wahlsystem, den so genannten Caucus. Der bekannteste wird im Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen abgehalten. Bei einem Caucus treffen sich Parteimitglieder in ihrem lokalen Bezirk und diskutieren darüber, warum sie welchen Kandidaten unterstützen wollen. Dann erst beginnt die Wahl.

"Es ist für Amerikaner geschweige denn für Ausländer schwer zu verstehen, dass die Bundesstaaten unterschiedliche Regeln für die Nominierung der Kandidaten haben", sagt Robert Schmuhl, Experte für den Nominierungsprozess an der University of Notre Dame.

Bildergalerie Able Archer Jimmy Carter in 1979

1976 gab ein Sieg bei der Vorwahl in Iowa dem relativ unbekannten Jimmy Carter Schwung. Am Ende wurde er Präsident

Frühe Schlüsselstaaten

Das derzeitige Nominierungsverfahren wurde in den 1970ern zunächst von den Demokraten und dann von den Republikanern angenommen, um den Prozess offener und demokratischer zu machen. Zuvor hatten die jeweiligen Parteiführungen den größten Einfluss darauf, wer ins Rennen für die Präsidentschaft ging. Jetzt spielen die Wähler eine größere Rolle.

In Iowa geht es los. Der Caucus des Bundesstaates ist komplex und kann sich in die Länge ziehen, deshalb wird hier besonders früh abgestimmt. Kurz danach finden in New Hampshire die Primaries statt.

Seit den 1970er Jahren fahren die Kandidaten beider Parteien besondere Wahlkampfstrategien für Iowa, New Hampshire und andere Staaten, die früh wählen. Wer dort stark abschneidet nimmt Schwung mit in das erschöpfende Rennen um die Nominierung.

1976 gewann der recht unbekannte Gouverneur von Georgia, Jimmy Carter, völlig überraschend die Vorwahlen in Iowa. Dies war eine Initialzündung: Anschließend gewann Carter die Nominierung seiner Partei und wurde schließlich Präsident.

2008 rechnete niemand damit, dass der Senator von Illinois, Barack Obama, eine Chance gegen Hillary Clinton haben könnte. Obamas Wahlkampfteam konzentrierte sich auf die Staaten, die Caucuses abhielten, Hillary Clinton fokussierte sich auf die Bundesstaaten mit Primaries. Obama gewann schließlich in Iowa gab damit seiner Kampagne den Schwung, die ihn am Ende ins Weiße Haus brachte.

"Wer seit 1972 einen der drei ersten Plätze in Iowa belegt hat, ist am Ende immer Präsidentschaftskandidat geworden, sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern", sagt Steffen Schmidt, Experte für das Caucus-System an der Iowa State University.

"Die Amerikaner sind frustriert"

Im Sommer treffen sich Demokraten und Republikaner dann zu ihrem bundesweiten Parteikongress. Dann kommen die Delegierten aus allen 50 Bundesstaaten zusammen und nominieren den Präsidentschaftskandidaten ihrer Parte.

"Die Demokraten haben fast zweimal so viele Delegierte auf ihrem Kongress wie die Republikaner", sagt Schmidt. "Bei den Demokraten gab es Parteireformen, wodurch die Staaten mehr Delegierte haben, um Frauen, Minderheiten oder Jugendliche besser zu repräsentieren."

USA Vorwahlkampf Florida Republikaner

Zu kompliziert: Nur rund 20 Prozent der Amerikaner nehmen an den Vorwahlen teil.

Einige Staaten haben ein "Winner-takes-all"-System. Der Kandidat, der die Mehrheit einer Vorwahl in einem Bundesstaat bekommt, erhält die Unterstützung aller Delegierten des Staates beim Parteikongress. Andere Staaten wiederum haben ein proportionales System. Kandidaten erhalten Delegierte basierend auf dem Anteil der Wahlstimmen.

Meistens wählen die Delegierten den Nominierten beim ersten Wahlgang des Parteikongresses. Doch dieses Jahr könnte es komplizierter werden. Weil für die Republikaner so viele Kandidaten ins Rennen gehen, ist möglicherweise eine Vermittlungsvereinbarung nötig. In diesem Szenario gibt es im ersten Wahlgang keinen Gewinner und das Tauziehen zwischen den Delegierten beginnt.

In den meisten Staaten nehmen laut Schmidt nur etwa 20 Prozent der Bürger an Primaries und Caucuses teil. "Es ist völlig intransparent und daher ist es kein Wunder, dass die Amerikaner von der Politik frustriert sind. Der Prozess ist zu kompliziert", sagt Schmidt. "Jemand muss hingehen und sagen, das geht so nicht. Die Menschen haben sich von der Politik entfremdet wegen dieses ganzen Hokuspokus."