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Kultur

Die New Economy sah 2001 ganz alt aus

Wenn Anleger und Börsianer am Neuen Markt das Wort des Jahres wählen müssten, stünde ein Begriff mit großem Abstand an der Spitze: Vertrauensverlust.

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Angesichts handfester Skandale, undurchsichtiger Unternehmenspleiten, unbefriedigender Bilanzen und erdrutschartiger Kursverluste stellen viele die Frage, ob der einst gefeierte Marktplatz der "New Economy" überhaupt noch eine Existenzberechtigung habe.

Deutsche Börse in Frankfurt

Starke Kursverluste am Neuen Markt

Der NEMAX 50 hatte sich mit einem Stand von 2.869,01 Punkten vom Jahr 2000 verabschiedet - weit entfernt vom Höchststand der Spekulationsblase bei 9.694,07 Punkten. Kein Wunder also, dass sich wohl so mancher Privatanleger zu Silvester wieder steigende Kurse am Neuen Markt für 2001 gewünscht haben mag. Doch zum Jahresende dümpelt der Leitzindex unter 1.200 Punkten.

Intershop löst Panik aus

Schon der Start ins Börsenjahr 2001 begann mit einem Paukenschlag. Während die Börsianer noch das neue Jahrtausend mit Sekt begrüßten, brachte das Jenaer Software-Unternehmen Intershop völlig unerwartet eine Gewinnwarnung heraus. Die Seenot des Flaggschiffs der "New Economy" löste regelrechte Panik aus.

Im Boomjahr 2000 hatte fast jede fünfte gehandelte Aktie am Neuen Markt "Intershop" geheißen. Jetzt stürzte das Wertpapier binnen Stunden um 70 Prozent ab, die Intershop-Anleger verloren etwa vier Milliarden Euro - und der NEMAX 50 gut 227 Punkte. "Da werden Depots schnell zu Deponien", war das Fazit eines Aktienhändlers. Selbst die Anteilsscheine des DAX-Unternehmens SAP stürzte am Tag des Offenbarungseides der Neuen Wirtschaft zeitweilig um 17 Prozent.

Der Medienrechtehändler EM.TV stolperte schließlich über horrende Verluste, überteuerte Unternehmenskäufe und ein gescheitertes Geschäftsmodell. Unternehmenschef Thomas Haffa schaffte es mit seinem Rücktritt noch ein Mal auf die Titelseiten der Wirtschaftspresse, allerdings auch in die Akten der Staatsanwaltschaft. Während ein neues Management die schwierige Rettung des Unternehmens probt, haben bei Brokat, Infomatec, Biodata, und Metabox inzwischen die Insolvenzverwalter das Sagen. Und auch die seit Jahren bei den Kinogängern etablierte Kinowelt muss trotz eines Rekordjahres an den Kinokassen um ihre Existenz kämpfen.

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