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Wirtschaft

Die neuen Zugmaschinen der Weltwirtschaft

In fast jeder Diskussion in Davos kommen sie vor: Die Schwellenländer. Denn ihre Rolle hat sich fundamental geändert - aus krisenanfälligen Staaten sind Länder geworden, die die Welt aus der Krise holen sollen.

Blick auf die dunstige Skyline von Shanghai (Foto: dpa)

Shanghai - löst es einmal New York ab?

Azim Premji von Wipro - wer ist das, und was zum Teufel ist Wipro? Selbst erfahrene Wirtschaftsjournalisten hier in Davos tun sich schwer mit der Zukunft und kennen sie nicht, die Manager, die wohl schon jetzt die Weltwirtschaft stärker dominieren als ein Siemens- oder Daimler-Chef.

Wipro-Chef Azim Premji (Foto: AP)

Das ist Azim Premji - Sie sollten ihn besser kennen

Azim Premji ist Gründer und Chef von Wipro. Und das ist das zweitgrößte IT-Unternehmen Indiens mit 100.000 Mitarbeitern und mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz jährlich. In Zukunft wird wohl kaum ein Wirtschaftsjournalist umhin kommen, sich mit Leuten wie Premji zu beschäftigen, denn Länder wie Indien, Brasilien oder Malaysia werden immer wichtiger, vor allem seit der Wirtschaftskrise. In Schwellenländern ist der Anteil der jungen Bevölkerung sehr groß. "Das birgt für die Wirtschaft dieser Länder große Chancen", sagt Premji.

Unterschätzt die Schwellenländer nicht!

Premji ist in diesem Jahr einer der Mit-Veranstalter des Forums und gab als solcher in Davos dieses Jahr die Eröffnungs-Pressekonferenz. Neben ihm saß einer, den man in deutschen Journalistenkreisen sehr gut kennt, Joseph Ackermann. Und auch er sagt klar und deutlich: Unterschätzt die Schwellenländer nicht. Denn dort würden wir ein starkes Wachstum erleben, das uns Industriestaaten noch helfen werde.

Glastür mit dem Logo des Internationalen Währungsfonds (Foto: dpa)

Glaubt an die Kraft der Schwellenländer: Der Internationale Währungsfonds

Das prognostiziert auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Er geht ebenfalls davon aus, dass es die Schwellenländer sind, die die Weltwirtschaft aus der Krise ziehen werden. Für China prognostiziert der Fonds in diesem und im nächsten Jahr ein Wirtschaftswachstum von um die zehn Prozent, für Indien von jeweils knapp acht Prozent. Im Vergleich: Für Deutschland geht der IWF 2010 von einem Wachstum von unter zwei Prozent aus.

Aus Krisen gelernt

Während unter früheren Krisen die Volkswirtschaften der Schwellenländer besonders gelitten haben, ist es jetzt genau umgekehrt. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Einerseits ist in Ländern wie Indien oder Malaysia der Bankensektor nicht ansatzweise so wichtig wie in Großbritannien oder den USA. Andererseits haben die Regierungen dieser Länder aus vorangegangenen Krisen gelernt und sind deswegen krisenfester. Und so könnte diese Wirtschaftskrise die wirtschaftliche Macht in der Welt schnell verlagern, sagt Peter Sands, führender Manager der britischen Standard Chartered Bank. "Zugespitzt formuliert: von West nach Ost", erläutert Sands, also weg von denen, "die konsumieren und sich verschulden, hin zu denen, die sparen und produzieren". Sprich: von den hoch verschuldeten importierenden USA hin zu Indien und China.

Denn es hat sich auch im Außenhandelsverhältnis dieser Staaten etwas geändert: Haben die Schwellenländer in der Vergangenheit vor allem vom Export ihrer Billig-Produkte in den Westen gelebt, steigt nun die Nachfrage zuhause. Wie in Indien beispielsweise. Der Automarkt boomt, der Immobilienmarkt ebenso. Und selbst aus ländlichen Regionen gibt es mehr Nachfrage, sagt Finanz-Professor Raghuram Rajan von der Universität Chicago, "seit diese durch staatliche Programme unterstützt werden".

Mumbai in Indien: Das Börsengebäude steht in einer Fotomontage neben Slums (Grafik: DW)

Indien - eine bessere Umverteilung tut Not

Aufbruch in ein goldenes Zeitalter?

Möglicherweise steht den Schwellenländern eine goldene Zukunft bevor - vorausgesetzt sie lösen noch einige grundlegende Probleme. Der Wachstumsmotor Jugend kann natürlich auch zu sozialen Unsicherheiten führen: Wenn all die jungen Männer und Frauen keine Jobs finden, von denen sie leben können. Indien beispielsweise müsste dafür seine Infrastruktur massiv ausbauen, sagt Raghuram Rajan. Und außerdem müsste aus dem Agrar- endlich ein Industriestaat werden.

Und dann gibt es nicht nur in Indien noch das große Problem der sozialen Ungleichheit. Trotz der neuen Mittelschicht ist die soziale Realität nach wie vor die: Eine große Masse sehr armer Menschen steht wenigen Superreichen gegenüber. Diese sozialen Unterschiede zu reduzieren ist wohl die größte Aufgabe der Regierungen in den boomenden Schwellenländern.

Autor: Manfred Götzke, zurzeit in Davos
Redaktion: Rolf Wenkel