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Kultur

Die neuen Waffen

Das US-Verteidigungsministerium startet eine Propagandaoffensive. Auch mit Desinformation soll die öffentliche Meinung im Krieg gegen den Terror für die USA eingenommen werden.

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US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld

Amerika hat ein Problem. Im weltweiten Feldzug gegen den internationalen Terror steht die öffentliche Meinung nur selten an der Seite Washingtons. Besonders in der arabischen Welt, aber auch in der veröffentlichten Meinung befreundeter Staaten in Westeuropa, finden sich immer häufiger antiamerikanische Positionen und Argumente. Doch das soll sich nun ändern.

Ein nach dem 11. September neu geschaffenes "Amt für strategischen Einfluss", das dem Verteidigungsministerium angegliedert ist, soll mit offenen und verdeckten Methoden für Unterstützung der US-Militärpolitik bei ausländischen Medien sorgen. Während US-Gesetze Falschpropaganda im eigenen Land streng untersagen, sollen die 15 Mitarbeiter der neuen Pentagonabteilung künftig zumindest lockerer mit der Wahrheit umgehen dürfen, wenn es dem übergeordneten Ziel, der Terrorismusbekämpfung, dient.

Beraterfirma soll aggressive Informationskampagnen entwickeln

Auch wenn derzeit Pentagonjuristen noch prüfen, was genau zulässig ist und in den Führungsetagen noch nichts entschieden ist, scheint das Verteidigungsministerium dazu überzugehen, Informationspolitik im Ausland vor allem unter propagandistischen Vorzeichen zu sehen. Auch wenn die Aktivitäten der neuen Propagandaabteilung natürlich der Geheimhaltung unterliegen, wurde zumindest bekannt, dass man die internationale Beraterfirma Rendon beauftragt hat, aggressive Informationskampagnen für ausländische Medien und das Internet auszuarbeiten, mit denen die öffentliche Meinung zugunsten der USA beeinflusst werden soll. Rendon hatte in der Vergangenheit nicht nur die CIA beraten, sondern auch die kuwaitische Königsfamilie und die irakische Opposition.

Anonyme Informationen als Teil der Strategie

Eine Strategie mit der die US-Militärs künftig im Ausland auch die Meinungshoheit gewinnen wollen, sieht die Lancierung von Meldungen vor, in denen sich das Pentagon als Informant nicht zu erkennen gibt. Dot.com statt Mil.com - wie es ein Beobachter in der Sprache des Internets formulierte.

Desinformation als Mittel der psychologischen Kriegsführung, oder gar bewusste Täuschung der Öffentlichkeit? Danach gefragt antwortet Pentagonchef Donald Rumsfeld Journalisten ausweichend. "Täuschung wäre das falsche Wort, es sei denn man verwendet es im taktischen oder strategischen Sinne".

Zum Beispiel, so Rumsfeld, könne man aus taktischen Gründen die Al Kaida glauben machen, US-Spezialkräfte würden einen Angriff aus östlicher Himmelsrichtung planen, in Wirklichkeit dann aber von Norden aus angreifen. Wer könnte da schon etwas gegen haben?

Wer gewinnen will muss siegen

Rumsfeld nannte als Beispiel eine derzeit im US-Argumentationsarsenal sehr beliebte historische Analogie. General Eisenhower habe im Zweiten Weltkrieg die Deutschen strategisch getäuscht, indem er sie glauben ließ, die Alliierten würden in Calais landen, während die Invasion dann in Wirklichkeit in der Normandie stattfand.

Mitglieder der Bush-Regierung haben es immer schon gesagt: der Krieg gegen den Terror muss an verschiedenen Fronten geführt werden. Und wer gewinnen will muss siegen - nicht nur an der militärischen Front.