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Politik

Die neuen Herausforderungen für die Friedensmissionen

Die neuen Kriege stellen Friedenstruppen vor neue Herausforderungen. Die Verbindung von Krieg, organisierter Kriminalität und der Zugriff auf globale Wirtschaftskreisläufe machen den Eingriff externer Akteure schwierig.

UN-Soldaten während einer Demonstration gegen RUF Rebellenführer Foday Sankoh, Sierra Leone. Quelle:AP

UN-Soldaten während einer Demonstration in Sierra Leone

"Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen", so die Kernaussage von Carl von Clausewitz in seinem Buch "Vom Kriege". Vor dem Hintergrund der "neuen" Kriege scheint diese Aussage jedoch hinfällig. Die heutigen neuen Konfliktgeschehen sind nur noch zu einem geringen Teil ideologisch oder politisch motiviert. "Das neue an den Kriegen ist die Ökonomie, die ihren Ursprung in der Globalisierung hat", so Anna Geis von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). "Diese Entwicklung trägt dazu bei, dass Rohstoffe, wie Diamanten und Öl auf dem Weltmarkt leichter abzusetzen sind, wie das Beispiel Sierra Leone zeigt", erklärt Anna Geis (HSFK) weiter. In Sierra Leone standen zwar zu Beginn ideologische Interessen im Vordergrund; mit fortschreitender Kriegsdauer ist jedoch die Kontrolle des Diamantenhandels zum eigentlichen Ziel geworden. Diese zunehmende Verbindung von Bürgerkrieg, organisierter Kriminalität und der Zugriff auf die globalen Wirtschaftskreisläufe bilden daher neue Herausforderungen für die Konfliktbearbeitung.

Stabile Netzwerke und mögliche Sanktionen

Das Eingreifen in ökonomische Prozesse ist schwierig: Die Netzwerke scheinen zu stabil und undurchsichtig und Sanktionen treffen in erster Linie die verarmte Bevölkerung. Im Zuge des schleichenden Staatszerfalls bilden die grenzüberschreitenden Schwarzmärkte, auch Schattenglobalisierung genannt, für die Bevölkerung eine wichtige und oftmals die einzige Einnahmequelle. "Um ein erfolgreiches Gelingen der Missionen zu erreichen und in den so genannten 'failed-states' nachhaltige Strukturen aufzubauen, muss in erster Linie die Triebfeder – der ökonomische Aspekt - des Krieges angegangen werden", sagt Anna Geis. "Mit der derzeitigen Konzeption der friedenskonsolidierenden Maßnahmen ist dies jedoch nicht möglich, da diese vornehmlich militärische Aspekte abdecken", erklärt sie weiter.

Wenn Gewaltakteure auch nach Kriegsende über finanzielle Ressourcen zur Unterstützung ihrer Kampfverbände verfügen, können sie sich den friedenskonsolidierenden Maßnahmen widersetzen, wie das Beispiel Afghanistan zeigt. Mit dem Einmarsch der amerikanischen Soldaten wurde zwar das Taliban – Regime gestürzt, aber der Wiederaufbau und die Absicherung des Landes stocken. Vor allem die Taliban und Kriegsfürsten in den Provinzen stören mit ihren Privatarmeen den Wiederaufbau massiv. Ermöglicht wird ihnen dies durch den Kokaanbau und den weltweiten Vertrieb des hieraus gewonnenen Heroins. Vor allem die Unterbindung dieser Bewegung bildet ein verlässliches Fundament für nachfolgende Konsolidierungsmaßnahmen. Darüber hinaus erachtet Monika Heupel in ihrem Buch "Friedenskonsolidierung im Zeitalter der 'neuen' Kriege" den Abbau sozialer Ungleichheiten und materielle Ausgleichszahlungen für die Kämpfer als geeignete Mittel, um die privaten Gewaltakteure in den Friedenskonsolidierungsprozess einzubinden. Doch neben dem Einsatz dieser Mittel zur Schwächung kriminalisierter Gewaltökonomien dürfen die Maßnahmen zur Bearbeitung der Konfliktursache nicht vernachlässigt werden.

Michelle Mühlhauser, Studiengang Online-Journalismus, Hochschule Darmstadt

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