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Die Natur der Natur

Die Natur ist das Echte, die Natur ist das Ursprüngliche, die Natur ist alles, was der Mensch nicht gemacht hat. Die Natur ist das Wesen, die Natur ist der Charakter und die Natur ist natürlich.

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Die Natur der Natur

„nasci“ heißt im Lateinischen „geboren werden“, und geboren heißt „natus“. Daraus entstanden in den letzten zwei Jahrtausenden diverse Begriffe und Bedeutungen, die alle um das kreisen, was ursprünglich ist. „Natur“ ist das Gegenteil von „Zivilisation“, „natürlich“ ist das Gegenteil von „künstlich“. Und je nachdem, ob man nun meint, dass die Natur gezähmt werden sollte, oder dass der Mensch die Natur zerstört, war und ist Natur ein höchst emotional aufgeladener Begriff – mal für die Welt, wie sie sein sollte, mal für die Welt, die erst durch den Menschen vollkommen wird. Aber, es geht hier nicht nur philosophisch zu, denn die Natur ist auch im sprachlichen Alltag immer wieder präsent.

Naturfreunde und naturtrüber Apfelsaft

Ein älteres Paar mit Gehstöcken auf einer Wiese (Patrizia Tilly/Fotolia)

Naturfreunde trifft man oft beim Wandern

Wer das Wort „Natur“ bemüht, der möchte oft mehr ausdrücken als nur das Wort selbst. Natur ist ein höchst symbolischer Begriff. Ein Naturfreund trägt vielleicht Kleidung aus Naturfasern, trinkt naturtrüben Apfelsaft und glaubt an die natürliche Ordnung der Dinge. Die Natur ist hier vor allem ein Wort der Abgrenzung. „Natürlich“ ist „nicht künstlich“, Natur ist unverfälscht und unbearbeitet.

Natur ist auch das Gegenteil von Zivilisation. Natur, manchmal auch „Mutter Natur“,  klingt nach Stille, nach Grün und nach frischer Luft. Es heißt auch: „Wir gehen heute raus in die Natur.“ Doch auch Naturgewalten wie Erdbeben sind Natur. Eine Überschwemmung kann ebenso ein Naturschauspiel sein wie ein Sonnenuntergang, in einem Naturkostladen gibt es auch jede Menge künstlicher Produkte, und naturidentische Aromen sind alles andere als natürlich.

Das liegt in der Natur der Sache

Mozart 14-jaehrig / (picture-alliance / akg-images / Erich Lessing)

Wolfgang Amadeus Mozart galt als Wunderkind. Er war eben ein Naturtalent

Natur ist aber nicht nur der von Menschen unbeeinflusste Urzustand der Welt, sondern auch – allgemeiner gesprochen – der Normalzustand, das, wie es eigentlich ist. Eine Person kann ein „Naturtalent“ sein, wenn sie etwas kann, ohne dafür üben zu müssen. Dann beherrscht sie etwas „von Natur aus“ und zeigt ihre „natürliche Begabung“. Dinge wie Geschicklichkeit oder Musikalität gehören dann zu ihrem „Naturell“. 

Natur kann aber auch etwas Schicksalhaftes sein. Wer das Verhalten eines Menschen, zum Beispiel Geldgier, entschuldigen will, der sagt schon mal: „Das liegt in der Natur des Menschen“ – will heißen: „Das ist eben so, da kann man nichts machen“. Auch der „natürliche Lauf der Dinge“ muss immer dann herhalten, wenn man meint, etwas nicht beeinflussen zu können.

Natürlich – und natürlich

Frau riecht an Apfel (picture alliance/Bildagentur-online/Tetra Images)

Die Natur hat viel zu bieten: Wer beißt nicht gern in einen frischen Apfel?

Das Wort „natürlich“ hat sich von der Natur, von der es abstammt, allerdings ziemlich emanzipiert. Es gibt einmal das Adjektiv. Dessen Bedeutung hat noch ziemlich viel mit „Natur“ zu tun. Wenn etwas „natürlich“ ist, dann ist es nicht künstlich oder es ist so, wie es ursprünglich mal gemeint war.

Was „natürlich ist“, kommt in der Natur vor: Ein Apfel kann natürlich schmecken, es gibt natürliches Wasser oder den natürlichen Verlauf eines Flusses. Allgemeiner bedeutet das Wort auch so etwas wie „normal“ oder „angeboren“. Jemand kann eine „natürliche Schönheit“ besitzen oder Ereignisse folgen dem „natürlichen Lauf der Dinge“. Ein Mensch kann aber auch natürlich sein: Sie oder er ist dann ungekünstelt und ungezwungen, folgt keinen starren Regeln.

Aber natürlich!

Das Adverb „natürlich“ ist dagegen ziemlich abstrakt – und es hat viele verschiedene Bedeutungen. Wer sagt: „Du hast damit natürlich recht“, der meint, das etwas selbstverständlich ist. Wer meint: „Das ist natürlich ein gutes Buch, …“, der könnte im zweiten Teil des Satzes einschränkend sagen: „… aber mir gefällt es nicht“. Hier ist „natürlich“ eine Einschränkung – ähnlich wie „eigentlich“.

Dann gibt es noch das vorwurfsvolle „Natürlich!“, das wohl jeder kennt, der in einer unglücklichen Beziehung lebt: „Natürlich hast du mal wieder vergessen, den Müll runterzubringen!“ Hier bedeutet „natürlich“, dass man etwas genau so erwartet hat, wie es dann eingetreten ist. „Natürlich“ kann aber auch Bestätigung bedeuten: „Hast du den Müll runtergebracht?“ – „Natürlich!!“

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