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Alltagsdeutsch – Podcast

Die Nase

Sie hat keine Beine und kann doch laufen. Mit ihren Flügeln kann sie nicht fliegen. Auf ihrem Rücken kann sie nicht liegen. Die Nase ist ein bemerkenswertes Organ. Vielleicht drehen sich daher viele Redensarten um sie.

Sprecherin:

Zunächst einmal hörte ich mich nach den verschiedenen Formen der Nase um. Bei meiner kleinen Umfrage kam schon eine ganze Menge an Nasen zusammen.

Umfrage:

"Es gibt lange Nasen, kurze Nasen, dicke Nasen, spitze Nasen. / Es gibt auch Nasenbären, es gibt Knubbelnasen. / Kleine Nasen, große Nasen, Stupsnasen. / Die Stupsnase ist ja so ‘ne kurze, knubbelige, süße Nase, oft bei Kindern zu sehen. / Und dann fällt mir noch die Hakennase ein, sehr charakteristisch, wo die Nasenwurzel so ein bisschen hoch steht. / Rote Nase, verschnupfte Nase, Schnoddernase, Näschen, kleines Näschen."

Sprecher:

Die Physiognomiker versuchten, aufgrund der Nase den Charakter ihres Besitzers zu interpretieren. So schrieb Paracelsus, eine spitze Nase beispielsweise sei das Merkmal eines listigen und spöttischen Menschen. In diesem Sinne wird die Nase als "pars pro toto" in literarischen Darstellungen wie auch in Karikaturen verwandt. Ein berühmtes Beispiel ist die hölzerne Nase der Marionette Pinocchio, die beim Lügen wächst.

Sprecherin:

So glaubt die Mutter aus Gesichtszügen ihres Kindes begründen zu können, ob es sich einer Missetat schuldig gemacht hat oder nicht. Vielleicht sieht die Mutter dem Kind wirklich an, ob es lügt, wahrscheinlich jedoch kaum an der Nase allein. Selbst wenn es heißt:

Umfrage:

"Ich seh‘ es dir an deiner Nase an, dass du was angestellt hast, du gibst es nur nicht zu, aber ich seh‘s dir an der Nase an. / Wenn einer die Unwahrheit sagt oder flunkert. / Man sieht ziemlich deutlich, ob irgendwas ‘ne faule Ausrede ist oder ob irgendjemand die Wahrheit sagt. Und da gehört dann der Spruch jemandem was an der Nasenspitze ansehen zu."

Sprecher:

Bei manchen Krankheiten lässt sich ja tatsächlich aus der Färbung der Nasenspitze auf bestimmte körperliche Gegebenheiten schließen. So hat der Ohnmächtige eine weiße Nasenspitze.

Umfrage:

"Dann fällt mir noch die Trinkernase ein, ist immer schön zu beobachten bei den lieben Verwandten. Wenn die da sind und zu viel getrunken haben, kriegen die immer so ’ne rote, schwitzige Nase von zu viel Schnaps. / Schnapsnasen, rot und sehr geädert."

Sprecher:

Um feinere Unterschiede oder klitzekleine Details einer Nase zu entdecken, muss man diese aus nächster Nähe betrachten. Der deutsche Schriftsteller Joachim Ringelnatz hat die Nase in seinem gleichnamigen Gedicht einmal "Genau besehn":

Gedicht:

"Wenn man das zierlichste Näschen

Von seiner liebsten Braut

Durch ein Vergrößerungsgläschen

Näher beschaut,

Dann zeigen sich haarige Berge,

Dass einem graut."

Sprecherin:

Ringelnatz wollte mit dem Blick durch die Lupe aber nicht wie die Physiognomiker aufgrund der Nase den Charakter bestimmen, sondern eher andeuten, dass jeder, selbst die Verehrteste, kleine Fehler hat. Im Gegensatz zur Intention des Dichters steht die weniger tolerante Redewendung:

Umfrage:

"Mir passt seine Nase nicht. Dass mir eine Person nicht zusagt, die Nase gefällt mir nicht, das wäre eigentlich dasselbe wie: Ich mag jemanden nicht leiden. Da sagt man dann halt auch, die Nase passt mir nicht."

Sprecherin:

Dabei spielt das Aussehen der Nase wohl kaum eine Rolle, wenn jemand mir aus unerklärlichen Gründen unsympathisch ist. Übrigens gibt es auch Bezeichnungen für die Nase, die mit ihrem wirklichen Aussehen gar nichts zu tun haben. Zum Beispiel:

Umfrage:

"Da fällt mir die Rotznase ein. Rotznase ist halt zum einen die Nase, die läuft, oder Rotznase im übertragenen Sinn ist halt ‘ne freche Person einfach, die immer Widerworte gibt. / Rotznasen sind ganz vorlaute Kinder. / Naseweise gibt es: Leute, die neugierig sind, die sind naseweis oder altklug. / Naseweis, ich glaub‘, da kommt das ‚weis‘ eher von Weisheit, dass halt jemand sehr vorlaut ist und altklug, ‘n kleiner Naseweis, der so auch immer alles besser weiß."

Sprecher:

Das Wort Naseweis geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Jagdhund zurück. Wenn dieser mit der Nase die Spur weisen kann, wird er gelobt. Für den Menschen gilt es als Tadel, naseweis zu sein.

Sprecherin:

Will man hingegen einen Menschen für sein Gespür loben, so sagt man, er habe ein gutes Näschen. Näschen ist zwar auch die Verniedlichung von Nase. Wenn man aber ein gutes, feines oder scharfes Näschen für etwas hat, bedeutet dies, dass man ein Gespür für etwas hat, beispielsweise einen Sinn dafür, wann, wo und wie ein lukratives Geschäft zu machen ist.

Sprecher:

Mein Gespür sagt mir übrigens, dass es nicht besonders glaubwürdig ist, dass das Jucken der Nase die Ankunft, einen Kuss oder den Brief des Geliebten ankündigt - steht ja schließlich auch im "Handwörterbuch des Aberglaubens". Und auch folgende Redewendung könnte darin stehen:

Umfrage:

"An der Nase eines Mannes erkennt man die Größe seines Johannes. Der Johannes, das ist so ‘n Körperteil, was beim Mann normalerweise von der Hose verborgen ist, und das soll angeblich bei ‘ner besonders großen Nase auch besonders groß ausgeprägt sein. Ob das wirklich so ist, ist nicht wissenschaftlich erwiesen."

Sprecherin:

In der Tat ist diese Redewendung sehr verbreitet, ohne dass man genau weiß, wie viel Wahrheit sie birgt. Sehr aufschlussreich ist es hingegen zuweilen, sich einmal an die eigene Nase zu fassen. Meistens muss man dazu erst einmal aufgefordert werden:

Umfrage:

"Fass‘ dich doch an die eigene Nase, oder pack‘ dich doch an die eigene Nase, betrachte dich mal, was du machst. / Pack‘ dich mal an die eigene Nase - dass du halt noch unordentlicher bist als ich und dass du deswegen Maßstab bei deinen eigenen Sachen suchen sollst, bevor du meine kritisierst."

Sprecher:

Diese Redewendung geht auf eine altdeutsche Rechtspraxis zurück: Wer sich übler Nachrede schuldig gemacht hatte, musste sich als Eingeständnis seiner Schuld vor den Richtern an die Nase fassen. Während diese Redewendung eher mit Selbsterkenntnis zu tun hat, dreht es sich in der folgenden eher um das Erkennen eines Sachverhalts:

Umfrage:

"Mit der Nase drauf stoßen - ‘n anderes Synonym wäre auch, mit dem Zaunpfahl winken. / Jemanden mit der Nase auf etwas stoßen ist, wenn etwas so offensichtlich ist, derjenige es aber gar nicht gesehen hat, dass man es ihm klar einfach nur zeigen muss, und dann kommt auch sofort der Aha-Effekt: Ja, klar, so war es, warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen. / Wenn er irgendwas verbrochen hat und das nicht zugibt, dann - dann stoße ich ihn mit der Nase da drauf."

Sprecherin:

Wenn man jemanden mit der Nase auf etwas stößt, gibt man ihm etwas unmissverständlich zu verstehen, was er vorher nicht erkannte oder erkennen wollte. Die sprachliche Wendung ist von der Erziehungsmaßnahme übertragen, die bei noch nicht stubenreinen Katzen angewandt wird. Den vom jungen Mann eben so bezeichneten Aha-Effekt hat man auch, wenn man etwas lange Zeit gesucht hat und dann bemerkt, man hatte es die ganze Zeit unmittelbar vor der Nase. Das bedeutet:

Umfrage:

"Dass man‘s bis jetzt übersehen hat, dass es direkt vor‘m Gesicht ist, dass man’s direkt im Auge hat sozusagen, aber man den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hat. / Manchmal renn‘ ich durch die ganze Wohnung und such‘ den blöden Schlüssel, und er liegt direkt vor meiner Nase."

Sprecherin:

Vor der Nase können etliche auch unangenehme Dinge passieren. Wenn man jemandem beispielsweise einfach etwas vor die Nase setzt, heißt das:

Umfrage:

"Ja, dann bekomm‘ ich den Chef vor die Nase gesetzt, also ich habe keinen Einfluss darauf, und die Vorgesetzten geben mir halt einen neuen Chef, ohne dass ich etwas dagegen tun kann./ Das heißt, dass er nicht unbedingt damit einverstanden sein muss, was er da jetzt vor seiner Nase stehen hat, aber dass er das einfach akzeptieren muss, dass er da vor vollendete Tatsachen gestellt worden ist./ Das heißt, wenn ich im Kino sitze, und es setzt sich einer vor meine Nase, dann kann ich doch den Film gar nicht sehen – dann sitzt der direkt vor meiner Nase, und dann reg‘ ich mich auf, der soll sich woanders hinsetzen oder soll sich kleiner machen."

Sprecher:

Ob im übertragenen oder wörtlichen Sinne, in allen drei Fällen bedeutet das, was "vor der Nase" ist Unannehmlichkeiten, nämlich entweder dass die Beförderung vereitelt wird und der Arbeitsbereich durch einen Vorgesetzten beschränkt wird oder dass einem, wie der Dame, die Sicht versperrt wird.

Sprecherin:

Auch folgende umgangssprachliche Wendung bedeutet nichts Gutes: Eine Frau erklärte mir, was es bedeutet, mit etwas auf die Nase zu fallen:

Umfrage:

"Ja, wenn man zum Beispiel die falschen Aktien gekauft hat, wenn man denkt, oh, die steigen ganz, ganz, ganz bestimmt, und dann passiert leider genau das Gegenteil. Und dann hat man Pech gehabt und ist auf die Nase gefallen."

Sprecher:

Man hat also einen Misserfolg erlitten. Erfolg hingegen hat oft der, der seine Nase vorn hat. Diese Wendung ist vom Pferderennen übertragen. Das Pferd, das seine Nase an der Spitze hat, ist das Überlegene.

Sprecherin:

Derjenige, von dem gesagt wird, er sei immer mit der Nase vorn, der gilt hingegen als naseweis. Und mit folgender Formel droht man etwaige Strafen für ein zu forsches Verhalten an:

Umfrage:

"Ich geb‘ jeder Frau einen auf die Nase, die mit meinem Freund flirtet. / Das heißt, man kriegt einem rein, also einen auf die Nase geben, also man bekommt einen auf die Nase, das ist jemand, der einen schlagen will."

Sprecherin:

Eine etwas sanftere Form, jemanden zurecht zu weisen, ist der so genannte Nasenstüber:

Umfrage:

"Also, Nasenstüber, das ist Folgendes: Wenn zum Beispiel ich ausschlafen kann, weil ich frei habe und meine Katzen Hunger bekommen, dann geben die mir permanent Nasenstüber. Das sieht dann folgendermaßen aus: Die kriechen an mein Bett und stupsen mich mit der Nase so lange an, bis ich aufstehe und ihnen was zu fressen gebe."

Sprecherin:

Wenn die junge Dame ihren Katzen zu oft nachgibt, muss sie damit rechnen, dass sie ihre Gutmütigkeit missbrauchen – dass ihr die Katze auf der Nase herum tanzt.

Umfrage:

"Dann hat sie ihren Willen durchgesetzt, und sie macht das, was sie möchte, und das heißt dann, sie tanzt mir auf der Nase rum. / Jemand respektiert mich nicht und versucht, seinen Willen durchzusetzen, obwohl es mir nicht recht ist. / Wenn man ihn ärgert, wenn man ihn provoziert und sich nicht darum schert, was er will oder was er nicht will."

Sprecher:

Diese Redewendung ist wohl hergeleitet von kleinen Kindern, die den Erwachsenen ungestraft das Gesicht betasten oder den Finger auf der Nase tanzen lassen. Wenn man seine Handlungen von vornherein auf die Wünsche eines anderen ausrichtet, so tanzt man nach dessen Nase.

Umfrage:

"Wenn meine Mutter zum Beispiel denkt, ich sollte die und die Schuhe kaufen und ich dann einwillige, obwohl ich eigentlich diese Schuhe gar nicht haben will, dann tanz‘ ich nach ihrer Nase. / Dass der keine Meinung hat, dass der nur das macht, was die anderen sagen. Das nennt man eben halt, dass er immer nach der anderen Nase tanzt."

Sprecherin:

Man kann jemanden auch an der Nase herumführen. Diese Redewendung ist hergenommen vom Tanzbären, der am Nasenring vorgeführt wurde und damit ganz in der Gewalt des Tierbändigers war. Und was drückt sie heutzutage aus?

Umfrage:

"Jemanden an der Nase herumführen bedeutet, dass ich ihm einen Bären aufbinde, dass ich jemandem etwas weis zu machen versuche, was nicht den Tatsachen entspricht. / Ja, dies‚ an der Nase herumführen‘, das bedeutet, dass man jemanden – ja, auf gut Deutsch: verarscht, dass man den hereinlegt oder täuscht."

Sprecher:

Die Formel "jemandem etwas auf die Nase binden" geht von der Bedeutung her in eine ganz ähnliche Richtung: Wenn man jemandem etwas auf die Nase bindet, kann das einerseits bedeuten, dass man ihn etwas wissen lässt oder eben, dass man ihn verspottet. Dazu passt das Bild, von dem diese Redewendung im 16. Jahrhundert übertragen wurde: Die Narren setzten sich früher eine lange, wächserne Nase auf. Auch der Ausdruck "jemandem eine lange Nase" machen geht auf dieses Bild der Narrennase zurück:

Umfrage:

"Man kann jemand anderem eine lange Nase zeigen, das heißt, man hält beide Hände vor die Nase, um ihn damit zu verspotten. / Und jemandem die Nase lang machen, das sagt man, wenn man weiß, jemand anderes wünscht sich was ganz doll, und man selber hat das und demonstriert das dann offensichtlich. Das heißt, jemand anderem die Nase lang machen."

Sprecherin:

Unter die Nase reibt man jemandem etwas, wenn er etwas getan oder angestellt hat, was er nicht wieder tun soll. Dahinter steht das Bild, dass das, was man unter die Nase reibt, stinkt. Bei dem Geruch soll die Lust vergehen, es nochmals zu tun. Auch die folgende Redewendung basiert auf diesem Gedanken an üblen Geruch:

Umfrage:

"Die Nase rümpfen bedeutet, ich bin mit etwas nicht einverstanden und geb‘ so meinen Unwillen bekannt. Das kann also verschiedene Gründe haben: Das kann sein, dass mir etwas nicht gefällt, das kann sein, dass etwas übel riecht, das kann sein, dass ich jemanden nicht leiden mag. Ich rümpfe über irgend etwas, was mir nicht zusagt, halt die Nase./ Das heißt, dass man die Nase hochzieht, so ‘ne Bewegung macht mit der Nase. Ja, und dann sehen andere, dass man so ‘n bisschen angewidert ist, oder vielleicht ist man auch ‘n bisschen arrogant und rümpft die Nase über andere."

Sprecherin:

Wenn man 15 Minuten von Nasen gehört hat, dann kann man auch sagen: Jetzt hab‘ ich die Nase voll.

Sprecher:

Und wir haben jetzt die Nase voll.

Fragen zum Text

Im übertragenen Sinne ist eine Rotznase

1. ein freches Kind.

2. ein krankes Kind.

3. ein weinendes Kind.

Wer auf die Nase fällt, …

1. tut sich weh.

2. erlebt eine Überraschung.

3. erlebt einen Misserfolg.

Wenn man eine Handlung auf die Wünsche eines anderen

ausrichtet, …

1. tanzt man nach dessen Nase.

2. tanzt man auf dessen Nase.

3. gibt man ihm einen auf die Nase.

Arbeitsauftrag

Die Nase rümpfen, jemandem auf der Nase tanzen, eine lange Nase machen – suche Sie sich eine Redewendung aus dem Text aus. Spielen Sie sie Ihrer Klasse pantomimisch, also ohne etwas dabei zu sagen, vor. Derjenige, der die Redewendung errät, muss sie erklären und ist als nächster an der Reihe. Viel Spaß!

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