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Kultur

Die närrischen Deutschen

Narrenfeste sind im deutschsprachigen Raum seit Jahrhunderten beliebt. Im Mittelalter gab es meist wilde Umzüge, mit Schlägereien und sogar Morden. Inzwischen hat sich der Karneval einen zivilisierteren Ruf erworben.

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Kölle Alaaf! Köln gilt als Hochburg des deutsche Karnevals

Jedes Jahr im Februar erreicht die närrische Zeit ihren Höhepunkt. Städte zwischen Köln und Konstanz verwandeln sich in wilde Feierstätten. Narren, Jecken und Mummen erobern die Straße. Karneval heißt der Brauch im Rheinland, Fasching oder Fastnacht im süddeutschen Raum.

Ursprung in der Römerzeit

Der Ursprung ist für alle Traditionen der gleiche: Die alten Römer feierten früher Lichtfeste zum Ende der Winterzeit. Mit dem Winter wollten sie Dämonen austreiben. "Diese Feste sind erst durch das Christentum umgedeutet worden in die heutige Fastnacht, den Vorabend der Fastenzeit", sagt der Kölner Karnevalsexperte Wolfgang Oelsner. Heute gibt es in so ziemlich allen Karnevals- oder Fastnachts-Zentren einen Umzug. Der bekannteste findet im Rheinland statt - der Rosenmontagszug.

Nächtlicher Umzug der Narrenzünfte in Rottweil

Die schwäbische Fastnacht: Fortsetzung alter germanischer Tradition

Aber auch in Schwaben in Süddeutschland gibt es große Umzüge. "Da gibt es Holzmasken, die Schellen, die bemalten Leinengewänder. Die Narren sind voll vermummt", sagt Jochen Schicht, Kenner der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Die schwäbische Variante lehnt sich stark an die mittelalterlichen Umzüge an. Die Fastnacht sei die direkte Fortsetzung alter germanischer Traditionen, behaupten die Schwaben.

Karnevalshochburg Köln

Dennoch gilt das westdeutsche Köln als das Zentrum des deutschen Karnevals. Dort gab es 1823 den ersten modernen Karnevalsumzug. Mit einem Helden Karneval - dem heutigen Prinzen, einem Funkenmariechen, dem Bauern und der Jungfrau. Und einem Heer von Gardisten in schicken Uniformen mit ihren bunt geschmückten Wagen.

Johann Wolfgang von Goethe in Kampanien

Goethe machte den Karneval gesellschaftsfähig

Karneval war lange nur in den unteren Schichten Brauch. Dann schrieb der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe 1825 das Gedicht "Vom Kölner Mummenschanz". Ein Knaller sei dieses Gedicht gewesen, sagt Wolfgang Oelsner. "Er hat den Kölnern damit bescheinigt: Ihr macht auch Kultur und nicht nur billiges Trallala."

Das war die Initialzündung für die feinen Herrschaften. Was Goethe gut fand, das konnten auch sie ohne Ansehensverlust machen. Reiche Bürger der Stadt Köln nahmen fortan an den Umzügen teil. In zwei Jahrhunderten hat sich der Karneval in Köln so zu einem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis entwickelt. Fast alle einflussreichen Persönlichkeiten der Stadt spielen eine Rolle im Karneval. Mehrere Tausend Euro lassen sich die Jecken ihre Kostüme kosten.

Alkohol und Schweinereien

"Sauber" ist der deutsche Karneval trotzdem nicht immer, sagt Wolfgang Oelsner: Gerade der Kölner Karneval ist für Alkoholexzesse an Weiberfastnacht bekannt. Der organisierte Karneval wolle das nicht, so Oelsner. Aber beim Kneipenkarneval gehöre das dazu, da gäbe es auch mal "Schweinereien unter der Gürtellinie".

Es waren auch die organisierten Karnevalisten, die dem Brauch den neuesten Erfolg einbrachten. Beim Umzug der deutschen Regierung von Bonn nach Berlin nahmen sie ihre Tradition mit in die neue Hauptstadt mit. Seit vier Jahren hat Berlin einen Rosenmontagszug. Organisator ist Harald Grunert. "Der Berliner hakt sich natürlich nicht so schnell ein und schunkelt mit", sagt er, "aber es gibt da eine positive Entwicklung".

Im vergangenen Jahr kamen eine halbe Million Menschen zum Umzug in Berlin. In diesem Jahr sollen es noch mehr werden. An Köln wird die deutsche Hauptstadt in absehbarer Zeit dennoch nicht heranreichen: Dort kommen jedes Jahr mehr als eine Million Menschen, um den Rosenmontagszug mit zu erleben.

Sehnsucht Karneval

Die Menschen projizierten ihre Sehnsüchte in den Karneval - deshalb sei der Brauch so erfolgreich, erklärt Karnevalsexperte Oelsner. Es ginge darum, mit der Obrigkeit abzurechnen. Aber auch um heimatliche Geborgenheit. "Und es gibt die Sehnsucht nach einer gewissen persönlichen Nähe. Dem Tanzen, Schunkeln und Küssen."

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