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Kultur

Die Mutter der "Nanas" ist tot

Die "Nanas" machten sie berühmt. Die Künstlerin Niki de Saint Phalle ist nun im Alter von 71 Jahren nach langer schwerer Krankheit in den USA gestorben.

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Schrill, umstritten und berühmt: Niki de Saint Phalle

Jedermann kennt ihre knallbunten, üppigen Nanas.
Die Künstlerin Niki de Saint Phalle machte seit Mitte der 60er Jahre mit den unförmig-erotischen Matronen von sich reden. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Lebenspartner Jean Tinguely und dem schwedischen Künstler Olov Ultvedt schuf sie die berühmt gewordene liegende Riesendame von 27 Metern Länge für das Moderna Museet in Stockholm.

Überdimensionale Frauen und eingeschlossene Farbbeutel

Ihre künstlerische Betätigung hatte Niki de Saint Phalle 1950 unter dem Einfluss einer psychotherapeutischen Behandlung begonnen. Eine erste Ausstellung ihrer so genannten "Tir"-Malerei zeigte Niki de Saint Phalle 1961 in Paris - in Gips modellierte Bilder, in die Farbbeutel eingeschlossen waren. Bei Vernissagen wurden die Farbbeutel zerschossen, so dass die Farbe sich über die Bilder ergoss. In den 60er und 70er Jahren reiste sie von Ausstellung zu Ausstellung, Stationen waren unter anderem München, London, Brüssel, Genf, Paris, New York, Stockholm, Hannover und Kassel.
Weltberühmt wurde die Künstlerin durch ihre Nanas. Ferner versuchte sich die Künstlerin als Dramatikerin und Filmemacherin: Ihr Stück "Ich" wurde zur documenta 1968 in Kassel uraufgeführt, mit Peter Whitehead drehte sie den Streifen "Daddy". Zwischen Ende der 70er Jahre und 1990 richtete sie gemeinsam mit Tinguely, der seit 1971 auch ihr Ehemann war, einen Skulpturenpark in der Toskana ein, für den die Figuren des Tarot-Spiels als Vorlage dienten. Zuletzt lebte Niki de Saint Phalle in Kalifornien, wo sie an Kunstobjekten für den öffentlichen Raum arbeitete.

Weltweite Trauer - vor allem in Hannover

Blue Nana

"Blue Nana" von Niki de Saint Phalle

Die Trauer um die Jahrhundertkünstlerin, die am 29. Oktober 1930 im französischen Neuilly-sur-Seine geboren und neun Jahre später amerikanische Staatsbürgerin wurde, ist weltweit groß. In Deutschland zeigt man sich vor allem in Hannover betroffen. Mit der niedersächsischen Landeshauptstadt war die Künstlerin eng verbunden, seit die Stadt ihr bereits 1969 die erste Werkausstellung ermöglicht hatte. Im Jahr 2000 wurde ihr als erste Frau die Ehrenbürgerschaft verliehen. Vor dem Hannover Rathaus wehten am Mittwoch (22. Mai 2002) die Fahnen auf Halbmast. Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg will in den nächsten Wochen eine Gedenkveranstaltung für Niki de Saint Phalle stattfinden lassen. "Wir sind sehr traurig. Niki hat für immer einen festen Platz in den Herzen aller HannoveranerInnen," so der Bürgermeister betroffen.

Dabei hatte die Beziehung zwischen der Künstlerin und der Stadt gar nicht so herzlich begonnen. Als 1974 am Ufer der Leine einige ihrer farbenfrohen, voluminösen Polyester-Damen aufgestellt wurden, löste dies noch Stürme des Protestes einiger Entrüsteter aus. Mittlerweile sind die Nanas zum Wahrzeichen Hannovers avanciert. Im November 2000 schenkte die Künstlerin der Stadt mehr als 360 ihrer Werke aus allen Schaffensphasen für dieses Museum. Schätzwert: über 15 Millionen Euro. Damit ist das Museum weltweit das einzige, das über eine umfassende Werksammlung der Künstlerin verfügt.

Unvollendete Projekte werden dennoch weitergeführt

Blauer Raum von Niki de Saint Phalle

Der "Blaue Raum" in Hannover

Zuletzt hatte Niki de Saint Phalle für die Stadt an der Neugestaltung der "Grotte" gearbeitet, ein historisches Gewölbe aus dem Jahr 1676 im Barockgarten Herrenhausen. Das Projekt sollte im Frühjahr 2003 eröffnet werden. Zwei der drei Räume sind bereits nach ihren Entwürfen mit Spiegeln, Glasmosaiken und Figuren gestaltet. Die Arbeiten nach den fertigen Plänen der Künstlerin werden fortgesetzt, kündigte der Bürgermeister Schmalstieg an. (ddp/pt)

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