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Politik

Die Museumsschwalbe

Eine Ausstellung über Thailands Politiker zeugt von den Schwächen des lokalen Kulturverständnisses und wirft dunkle Schatten auf eines der teuersten Prestigeprojekte des Landes.

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Dauerkorruption im Senat, kleinkarierte Techtelmechtel im Parlament, der Premier ein gewitzter Geschäftsmann und Reichster des Königreichs – da ist es kein Wunder, dass es flaut, das Interesse an Politik in Thailland.

Da trifft eine neue Ausstellung vielleicht genau den Nerv der Bürger. "Parlamentarier Thailands" greift tief in die recht junge Geschichte der Verfassung Thailands. Erst 1932 wandelte sich das Land von einer absoluten Monarchie zu einer konstitutionellen, und bis 1992 gab es unzählige Putsche, vor allem durch die Armee, seitdem existiert Wahlpflicht für alle Wahlberechtigten.

Die Ausstellung möchte, so sagt man, Thailändern zeigen, wie sehr sich der Parlamentarismus zum Guten verändert hat, wie offen und gradlining heutige Abgeordnete sind. Auf einigen Postern aus den Fünfziger Jahren versprechen Abgeordnete offen Barleistungen für jede Stimme. Auf anderen steht nicht viel mehr als ein prominenter, angesehener Familienname. Der galt im damaligen Thailand viel mehr als unbestimmte Wahlversprechen oder Programme.

Flaue Spiele

Die Kuratoren der Schau versprechen sich durch "eine Reihe von interaktiven Spielen" – so einer von ihnen – hohe Besucherzahlen. Als "unterhaltsam" wird da ein Quiz für Hardcore-Fans gepriesen: Besucher hören Stücke von Reden ab und sollen erraten, welcher Premier sie gehalten hat.

Ob die Ausstellung Vertrauen erwecken wird in die hiesigen Parlamentarier, bleibt dahingestellt – die Mehrheit der Besucher wird wahrscheinlich keine gravierenden Unterschiede zwischen damals und heute feststellen können. Fraglich ist eher, ob nun täglich Tausende die Schau stürmen werden, denn derer Qualitäten gibt es wenige. In anderen Ländern werden da gröβere Geschosse aufgefahren, um Besucher anzulocken. Aber die abgeschmackte Durchsetzung der "Parlamentarier Thailands" verwundert niemanden. Schlieβlich wurde sie von Leitern des zukünftigen Nationalen Discovery Museums organisiert.

Thailands Smithsonian?

Die sind in den nächsten anderthalb Jahren vollends mit dem Aufbau gerade eben dieses Museums beschäftigt, initiiert durch Thailands Premier Thaksin Shinawatra. 2007 wird das Prestigeprojekt eröffnet, in das rund 40 Milliarden Euro gepumpt werden. Die gesamte Geschichte Thailands soll gewissenhaft und informativ aufbereitet werden. Das Museumsgelände schmiegt sich an den Chao Phraya-Fluss, und es sind vier weitere Museen geplant. Die Museumsdirektorin scheut nicht vor einem Vergleich mit dem Smithsonian Institute in Washington, DC – immerhin der gröβte Museumskomplex der Welt. Gleichzeitig gibt sie zu, dass Thailand eine gewisse Expertise fehlt, was den Aufbau von thematischen Museen betrifft – derer gibt es wenige im Land, und alle sind sie veraltet und meistens langweilig. Daher kooperiert man mit einer ausländischen Firma, die aushilft, interessante Ausstellungen zu koordinieren. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Firma nichts mit der derzeitigen, flauen Schau über Thailands Abgeordnete zu tun hat, denn sonst sieht es übel aus für das neue Museum.