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Kultur

Die Muppets kommen nach Hause

Drei Jahre lang gehörte die Jim Henson Company dem deutschen Kinderprogramm-Vermarkter EM.TV. Nun gehen die Rechte an Kermit, Miss Piggy & Co. zurück an die Erben ihres Schöpfers.

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Kermit und Miss Piggy - zwei der Kinder von Jim Henson

Monatelang war spekuliert worden, wer das einstige Familienunternehmen der angeschlagenen deutschen Medienfirma EM.TV abkaufen wird. Dass die Rechte an den "Muppets" jetzt wieder bei der amerikanischen Henson-Familie liegen werden, bedeutet das Ende eines relativ kurzen europäischen Zwischenspiels - das der weltweiten Bekanntheit von Miss Piggy und Kermit freilich nicht schaden konnte. EM.TV braucht den Gesamterlös von umgerechnet rund 78 Millionen Euro, um einen Kredit abzuzahlen. Mit dem Kaufpreis von, zum damaligen Kurs, umgerechnet 690 Millionen Euro hatte der einstige Star des Neuen Marktes 2000 alle anderen Interessenten ausgestochen - unter anderem Disney, den ewigen Nebenbuhler um die Gunst der Kinderherzen.

Das Non-Profit-Imperium

Firmengründer Jim Henson begann seine Karriere in den 1950er-Jahren als Puppenspieler. Kermit, den Frosch, bis heute seine bekannteste Figur, bastelte Henson noch aus einem alten Regenmantel und zwei Tennisbällen zusammen. Nach ersten Auftritten mit seinen Puppen in Fernsehshows gelang Henson 1969 der eigentliche Durchbruch: Er brachte seine Muppets in die Kinderfernsehserie "Sesamstraße" ein. Die Vorschulsendung läuft heute in 124 Ländern, unter anderem auch in Russland, der Türkei und mehreren arabischen Staaten.

Ernie mit quitsche Entchen Sesamstrasse

Hensons Figuren haben der "Sesamstraße" einen beispiellosen Erfolg beschert. Dabei wurde die Kinderserie gar nicht von Jim Hensons Firma produziert, sondern von Children's Television Workshop. Die US-amerikanische Non-Profit-Organisation ist heute auch Lizenzgeber - hat diese Rechte aber erst unter der Ägide von EM.TV erworben. Frank Elsner, zuständig für Unternehmenskommunikation bei EM.TV, trennt davon aber im Gespräch mit DW-WORLD den jetzigen Verkauf der Jim Henson Company: Gerade wegen der Einnahmen aus dem Verkauf der "Sesamstraße"-Rechte sei der jetzige Verlust "gar nicht so groß ist wie es auf den ersten Blick aussieht". Und der deutsche "Sesamstraße"-Lizenznehmer zum Beispiel, der Norddeutsche Rundfunk, bleibt von den neuen Entwicklungen deshalb ebenfalls unberührt - obwohl die Merchandisingrechte an der "Sesamstraße" für den deutschsprachigen Raum weiterhin von EM.TV vertrieben werden.

Puppen für Erwachsene

Neben den Figuren aus der "Sesamstraße" ist die "Muppet Show" die bekannteste Erfindung Hensons. 1975 fiel die erste Klappe für das Puppen-Programm für Erwachsene. Nach nur drei Jahren hatte die Show mit den prominenten menschlichen Gästen weltweit 235 Millionen Zuschauer. Das Muppet-Repertoire umfasst heute Hunderte von Puppen-Charakteren. Und aus deren Vermarktung wuchs ein Imperium, zu dem heute außer der Filmproduktion für Familienunterhaltung und diversen Vermarktungsfirmen auch Puppenwerkstätten und ein Studio für Spezialeffekte gehören. Zumindest beim Merchandising wurde die Hanson Company Disney also gar nicht so unähnlich.

Die sich scheinbar unaufhaltsam in alle Welt verbreitenden Disney-Epen, die die bestehende Ordnung nie in Frage stellten, sind für manche Muppet-Freunde das "Reich des Bösen". Jim Hensons anarchischen Figuren waren dazu stets ein klarer Gegenentwurf. Mit dem großen Konkurrenten gab es dennoch immer wieder Verhandlungen über eine Übernahme, zuletzt nach dem Tod Jim Hensons 1990. Der Familie gelang es lange Zeit, die Firma zu halten.

Der Rückkauf begrüßen nun nicht nur die Fans. Auch Henson.com zeigt sich "entzückt über die Ankündigung, dass Brian, Cheryl, Heather, John and Lisa Henson einen Vertrag zum Rückkauf der Henson Company geschlossen haben!". Zwar bleibt die Firma auch im Familienbesitz ein Imperium. Aber verglichen mit den Euphorie-Käufen zur Zeit des New-Economy-Booms wirkt die Rückkehr "nach Hause" ein bisschen wie ein Sieg der Guten über die Bösen.

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