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Politik

Die "Minuten-Männer" gehen um

Es brodelt im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet: Trotz verschärfter Einreisebedingungen gelangen immer mehr so genannte Illegale ins Land. Die Bürger rüsten zur Gegenwehr.

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Daniel Scheschkewitz

Tausende Mexikaner versuchen Woche für Woche, im Schutze der Dunkelheit und mit Hilfe von Schleuserbanden den Grenzzaun zu überwinden, um ins für sie gelobte Land USA zu kommen. Die amerikanischen Grenzposten sind hoffnungslos damit überfordert, die rund zweitausend Kilometer lange Landgrenze nahtlos zu kontrollieren - auch wenn sie in Teilbereichen schon jetzt einem "Eisernen Vorhang" gleicht.

Seit Anfang April bekommen die offiziellen Grenzwächter unerbetene Unterstützung: Eine Bürgerwehr, die sich nach dem Vorbild amerikanischer Milizionäre aus Bürgerkriegzeiten als "Minute-Men" bezeichnen, hat für einen Monat lang die Wacht am Grenzzaun übernommen.

Nun sitzen die selbsternannten Grenzschützer, ein paar Hundert Männer und Frauen, auf mitgebrachten Klappstühlen und mit Walkie Talkies, der eine oder andere aber auch mit Gewehren bewaffnet, am Grenzzaun in der Wüste Arizonas, wild entschlossen, jeden unerwünschten Eindringling von Amerika fernzuhalten.

Offiziell heißt es von Seiten der Organisatoren, man wolle den US-Grenzern helfen. Bei der "US Border Patrol" schlägt man jedoch die Hände über dem Kopf zusammen. Die selbst ernannten Grenzwächter stiften nämlich mehr Unheil, als dass sie eine Unterstützung sind. Nicht nur verwischen sie die Fußspuren der illegalen Grenzgänger, die im Gelände unkundigen "Minute-Men" lösen des öfteren auch Sensoren aus, die die Behörden auf den Grenzübertritt von Illegalen aufmerksam machen sollen.

Zweifel gibt es auch an der Verfassungstreue der "Minute- Men". Unter die Grenzwächter haben sich auch Rassisten und Neonazis gemischt. So enthält etwa die Webseite der Minuten-Männer einen Link zu einer Organisation , die sich die "Arische Nation" nennt. Auch die Rhetorik der öffentlichen Verlautbarungen der Bürgerwehr ist vielsagend. In einem ihrer Pamphlete steht zu lesen, dass Amerika von "zehntausenden illegaler Fremdlinge verschlungen und geplündert" werde. An anderer Stelle wird dem Schmelztiegel Amerika der sichere Untergang prophezeit, sollte die illegale Einwanderung weiterhin "für politisches, soziales und ökonomisches Chaos" sorgen.

Dabei verschweigen die Anti-Einwanderungs-Aktivisten, dass weite Teil der US-Wirtschaft inzwischen auf die billige Arbeitskraft der lateinamerikanischen Einwanderer angewiesen sind. Ihr illegaler Status zwingt die Latinos nicht selten dazu, ihre Arbeitskraft unter dem gesetzlichen Mindestlohn anzubieten, wovon vor allem das amerikanische Dienstleistungsgewerbe und die Baubranche profitieren.

Bis jetzt ist es bei dem auf einen Monat begrenzten Projekt der "Minute Men" friedlich zugegangen. Doch das muss nicht so bleiben. Obwohl die Organisatoren den friedlichen Charakter ihrer Aktion betonen, haben zahlreiche Grenzwächter ihr Gewehr mitgebracht , was ihnen aufgrund der Waffengesetze Arizonas auch niemand verbieten kann. Ein Minuten-Mann wird darüber hinaus in einem Artikel der örtlichen Zeitung mit den Worten zitiert: "Ich trage kein Gewehr mehr, seit ich weiß, dass ich einen Menschen auch mit der bloßen Kraft meiner Hände töten kann".

Die Gewaltbereitschaft ist nicht auf die Bürgerwehr allein begrenzt. Eine mittelamerikanisches Verbrechersyndikat soll seine Mitglieder angewiesen haben, den Minunten-Männern eine "Lektion zu erteilen". Im Weißen Haus übt man sich unterdessen in Schuldzuweisungen. Obgleich niemand bestreitet, dass die Grenze zu Mexiko seit den Anschlägen des 11.Septembers nicht etwa sicherer, sondern nur poröser geworden ist, verspricht Bush: "Ich werde mich des Problems weiterhin annehmen. Was ich nicht versprechen kann, ist, dass der Kongress handeln wird. Schließlich bin ich kein Mitglied der Legislative".

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