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Musik

Die menschliche Stimme ist das direkteste Instrument

Der Bariton Thomas Quasthoff zählt zu den profiliertesten Sängerpersönlichkeiten in Deutschland. Seinen künstlerischen Druchbruch erlebte er 1988. Seitdem tritt er in allen Konzertsälen der Welt auf.

Thomas Quasthoff singt (Foto: dpa)

Thomas Quasthoff

In den letzten Jahren hat Thomas Quasthoff sich auch die Opernbühne erobert, obwohl er aufgrund einer Conterganschädigung an Armen und Beinen behindert

ist. Quasthoff hat ausschließlich bei privaten Lehrern studiert. Die Musikhochschule Hannover lehnte ihn 1977 ab. Begründung: durch seine Behinderung sei er ja nicht in der Lage, Klavier zu spielen. Was zunächst ein akutes Problem war, stellte sich im Nachhinein als großer Vorteil heraus. Denn bis heute ist Quasthoff der Meinung, dass viele Dinge, die an Hochschulen gelehrt werden, für diesen Beruf nicht unbedingt wichtig sind und dass statt dessen mehr Gesangsunterricht für die Studenten sehr viel sinnvoller wäre.

Der Lehrer Quasthoff

Die möglichst gute Ausbildung des Sängernachwuchses ist ihm ein besonderes Anliegen. Von 1996 bis 2004 war er Professor für Gesang in Detmold, seit 2004 lehrt er an Berliner Hanns-Eisler-Musikhochschule. Zufrieden mit den Regularien des Studiums dort ist Quasthoff jedoch nur teilweise. So bemängelt er, dass zum Beispiel keine Bach-Kantaten oder -Oratorien aufgeführt werden. Das sei deshalb aber besonders wichtig, weil viele junge Menschen, die die Hochschule verlassen, doch eher im Konzertbereich ihren Weg finden müssen, was viel schwerer sei als in der Oper.

Das Lied

Thomas Quasthoff in einer TV-Sendung (Foto: dpa)

Thomas Quasthoff in einer TV-Sendung

Neben dem Oratorium ist dem Lehrer Thomas Quasthoff vor allem das Kunstlied wichtig. Dessen Pflege komme im deutschen Musikbetrieb zu kurz: "Wenn ich nur mal das Beispiel gebe, dass einer der renommiertesten Konzertveranstalter hier in Berlin dieses Jahr das allererste mal, solange ich diese Agentur kenne, keine Liederabende im Programm hat, dann finde ich das ganz furchtbar", sagt der Sänger. Um das Genre bei Gesangsstudenten populärer zu machen, hat Thomas Quasthoff kürzlich den internationalen Wettbewerb "Das Lied" ins Leben gerufen.

Soziales Engagement

Neben den Konzert- und Opernauftritten und seiner Lehrtätigkeit engagiert sich der Sänger auch sozial. So ist er beispielsweise seit sechs Jahren Schirmherr der Stiftung "Kinder von Tschernobyl" des Landes Niedersachsen. Darüber hinaus ist er regelmäßiger Gast verschiedener Galas und Talkshows im deutschen Fernsehen.

Familie wichtiger als Beruf

2005 lernte er seine heutige Ehefrau Claudia, eine Journalistin, kennen. "Ich glaube, dass jeder Mensch anders musiziert, der eine große innere Balance hat. Claudia gibt meinem Leben eine unheimliche Stabilität und Balance. Ich bin freier, wesentlich entspannter als früher, ausgeglichener als früher, und ganz, ganz selten schlecht gelaunt."

Till Brönner und Thomas Quasthoff bei einr Preisverleihung (Foto: dpa)

Till Brönner und Thomas Quasthoff bei einer Preisverleihung

Thomas Quasthoff ist heute einer der gefragtesten Sänger weltweit. Sein beruflicher Weg war aufgrund seiner Behinderung alles andere als leicht. Das Wort "Kampf" möchte der Künstler jedoch in diesem Zusammenhang nicht gebrauchen, zumal die Sängerkarriere für ihn längst nicht mehr den einzigen Lebensinhalt darstellt. Familienleben, so betont er, ist ihm inzwischen wichtiger als sein Beruf. Aber: seine große musikalische Liebe gilt neben dem Konzertgesang seit einger Zeit auch dem Jazz - und hier überzeugt er nicht weniger.

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