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Deutschland

Die Medien und der Fall Marwa

Die Berichterstattung deutscher und ägyptischer Medien im Fall Marwa El-Sherbini zeugt mitunter von gegenseitiger Fehlwahrnehmung, Ignoranz und mangelndem Verständnis in beiden Ländern. Eine Bestandsaufnahme.

Demo (Foto: AP)

Bleibende Erinnerung und Schrei nach Gerechtigkeit: Demonstration zum Prozessauftakt in Alexandria

Der Fall Marwa El-Sherbini steht exemplarisch für eine massenmedial verfehlte Kommunikation der Kulturen. Die Medien beider Länder waren nicht in der Lage, die Gratwanderung ohne gravierende Ausrutscher zu meistern und scheiterten ein weiteres Mal an der Aufgabe, Brücken zur Lösung des Konflikts zu bauen.

Dabei war gerade im Fall Marwa El-Sherbini interkulturelle Sensibilität in höchstem Maße gefragt, die den Medienmachern jedoch anscheinend fehlte. Dieser Fall steht außerdem exemplarisch für einen dringenden Reformbedarf der Strukturen der Mediensysteme weltweit.

So lässt sich beispielsweise ein negativer Tenor zum Thema Islam bzw. Muslime in westlichen Medieninhalten entdecken. Zahlreiche Beiträge belegen dies wissenschaftlich. Denn die Grundstruktur der Berichterstattung zum Thema Islam ist in den deutschen Medien meist verzerrt oder wird oft im Zusammenhang mit Gewalt gebracht.

Normalität und Alltag des Islams spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Diese Fehlwahrnehmung führt zu einem medial konstruierten Feindbild des Islams in der Öffentlichkeit.

Die Verantwortung der Medien

Vermummter (Foto: dpa)

Grenzenloser Hass: Der Angeklagte Alexander W. hatte die 31jährige Marwa al-Sherbini am 1. Juli während einer Gerichtsverhandlung im Landgericht mit 16 Messerstichen getötet

Betrachten wir die strukturellen Merkmale und Rahmenbedingungen der deutschen Medien, so ist die Berichterstattung zu diesem Fall von Politik-, Konflikt- und Krisenzentrierung sowie Personifizierung geprägt.

Ziffer 10 des deutschen Pressekodex besagt, dass Religionen, Weltanschauungen und moralische Anschauungen respektiert werden müssen: "Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen."

Doch statt Respekt zu bezeugen und sich um eine ausreichende Differenzierung zu bemühen, gehören Merkmale wie Terrorismus, Gewalt und Unterdrückung kumulativ zu einer Standard-Berichterstattung über den Islam in vielen Medien.

So verwundert es nicht, dass eine im Jahre 2006 durchgeführte Allensbacher Umfrage unter Deutschen ergab, dass 91 Prozent der Befragten den Islam mit einer Benachteiligung der Frau assoziieren und 83 Prozent den Islam für eine vom Fanatismus geprägte Religion halten.

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