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Deutschland

"Die Mauer ist weg!"

Der Fall der Berliner Mauer vor 15 Jahren markierte eine tiefgreifende Zäsur in der deutschen und europäischen Geschichte. Die damit verbundenen Probleme waren am 9. November 1989 kein Thema.

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Wahnsinn und Freudentaumel

Bis um 18.53 Uhr (MEZ) ist der 9. November 1989 in Deutschland ein relativ unspektakulärer Tag: Bundeskanzler Helmut Kohl ist zu Gesprächen in Warschau, im Bonner Bundestag entscheiden sich die Abgeordneten für eine Diätenerhöhung um 3,2 Prozent und in Ost-Berlin denkt das Zentralkomitee der "Sozialistischen Einheitspartei" (SED) über Maßnahmen zur Beschwichtigung des sich immer deutlicher und lauter manifestierenden Unmuts der Bevölkerung nach.

Glasnost und Perestroika

Galerie Berliner Mauer Militärparade

Die Ehrentribüne auf der Karl-Marx-Allee während der Militärparade am 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin

Knapp ein Monat ist seit den gespenstisch-pompösen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR vergangen, auf denen der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow orakelte: "Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren." Inzwischen ist der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker von einem Mann namens Egon Krenz gestürzt und ersetzt worden, und die "Abstimmung mit den Füssen" geht weiter: massenhafte Ausreise von DDR-Bürgern, immer gewaltiger anschwellende Großdemonstrationen.

Die Machthaber in Ost-Berlin können sich auf die "Schutzmacht" Sowjetunion nicht mehr verlassen, Glasnost und Perestroika erschüttern den gesamten Ost-Block, und nun sucht auch noch das eigene Volk das Weite. Ein Ventil muss her. Man findet es in Form einer "Reiseverordnung", die dann hastig noch einmal überarbeitet wird, um den DDR-Bürgern das zu ermöglichen, was in demokratischen Gemeinwesen gar kein Thema ist: das ungehinderte Verlassen ihres Staates.

Überfällige Reformen

Galerie Berliner Mauer: Schabowski öffnet die Grenze

Der Journalist und frühere Politiker, Mitglied des Politbüro des ZK der SED 1984-1989, gibt am 9. November 1989 während einer Pressekonferenz in Ost-Berlin (DDR) die Öffnung der innerdeutschen Grenze bekannt.

Als Günter Schabowski, Ost-Berliner Bezirkssekretär der SED, am Abend die Presse über die Tagung des Zentralkomitees (ZK) informiert, verliest er auf die Frage des Korrespondenten der italienischen Nachrichtenagentur ANSA eine Pressemitteilung, die eigentlich erst für den nächsten Tag, Freitag, den 10. November, bestimmt war:" Und deshalb haben wir uns entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen."

Es ist 18.53 Uhr. Was das DDR-Fernsehen live sendet, alle Nachrichtenagenturen um die Welt tickern, ist die Nachricht vom Fall der Mauer. Sie läutet den Anfang vom Ende der DDR ein. Noch

Kohl und Gorbatschow

Michail Gorbatschow und Helmut Kohl - Freunde und Weggefährten

sind die ersten Reaktionen vorsichtig. So auch die von Bundeskanzler Helmut Kohl in Warschau: "Was jetzt die Konsequenz dieser Entscheidung sein wird, welche überfälligen Reformen wirklich vollzogen werden, das kann zur Stunde niemand beurteilen."

Die Lage wird prekär

In Bonn unterbricht der Bundestag seine Sitzung für kurze Erklärungen, unter anderem ergreift der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel das Wort: "Diese Entscheidung bedeutet, dass die Mauer nach 28 Jahren ihre Funktion verloren hat!" Und die Abgeordneten singen - ergriffen - die Nationalhymne. Bald kennen die Nachricht alle - nur die DDR-Spitze nicht. Das ZK-Plenum tagt hinter verschlossenen Türen. Wenn es stimmt, was Teilnehmer später berichteten, hat keiner von ihnen Schabowskis Pressekonferenz gesehen oder gehört oder ist informiert worden.

Unmittelbar nach dem Fernsehauftritt Schabowskis erscheinen die ersten Ost-Berliner an den Übergängen nach West-Berlin, begehren Durchlass, werden auf den nächsten Tag vertröstet. Um 20.00 Uhr sind es Hunderte, schnell Tausende. Die Lage

Der Fall der Berliner Mauer

Ostberliner erklettern den "Antifaschistischen Schutzwall" in Berlin

wird prekär. Ost-Berlin ist ein einziges Verkehrschaos. An den Schlagbäumen spielen sich tumultartige Szenen ab. Um 21.00 Uhr wird der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, von Staats-und Parteichef Krenz angewiesen, die Grenzübergänge öffnen zu lassen.

Freudentaumel

Um Mitternacht sind alle Berliner Übergänge offen, eine Stunde später auch alle zur Bundesrepublik. Berlin versinkt im Freudentaumel. "Es ist einfach ein Wahnsinn! Man kann´s überhaupt nicht fassen - ein Wahnsinn." Mit dieser Einschätzung spricht ein Passant allen Beteiligten aus der Seele.

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