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Deutschland

Die Mauer als Exportschlager

Nachdem am 9. November 1989 die deutsch-deutsche Grenze geöffnet wurde, dauerte es nur gut ein Jahr, da war von der Berliner Mauer kaum noch etwas zu sehen. Doch rund um den Globus wurden Einzelteile wieder aufgestellt.

Mauerspecht an der Berliner Mauer am Potsdamer Platz (Foto: AP)

Mauerspecht an der Berliner Mauer

Die deutsch-deutsche Grenze war gerade ein paar Tage offen, da fingen tausende Bürger damit an, die Berliner Mauer zu zerlegen. Mauerspechte wurden die Menschen liebevoll genannt, die mit Hammer und Meißel kleine Teile aus der 160 Kilometer langen Betonwand schlugen, um ein Souvenir zu haben oder die Bruchstücke zu verkaufen. "Ich habe sie mitbezahlt", sagte damals ein DDR-Bürger während er mühsam an der Mauer meißelte, "und da will ich mir mal ein Stückchen mitnehmen". Auf diese Weise wurden unzählige Mauersplitter in alle Winde verstreut und endeten beispielsweise als Briefbeschwerer auf fernen Schreibtischen.

Der Verkauf der Mauer wird zum Geschäft

Aber auch ganze Teile der Mauer wurden abgebaut und woanders wieder aufgestellt. Schon kurz nach der Wende fing die DDR-Regierung selbst damit an, Segmente ihres einstigen antifaschistischen Schutzwalls zu verkaufen. Teils wurden die fast drei Tonnen schweren Betonplatten - ganz profan - als Baumaterial verwendet. So nutzten unter anderen landwirtschaftliche Betriebe Reste der Mauer als Wände für Futtersilos.

Auch nach der Wiedervereinigung wurde weiterverkauft. Verantwortlich war der Bundeswehr-Offizier Rolf Ocken. Er hatte bereits im Herbst 1990 am Abriss der Mauer maßgeblich mitgewirkt. Am 12. Dezember desselben Jahres bekam er eine neue Order: "Sie werden hiermit beauftragt, die Teile der Mauer und der Grenzanlagen zu verkaufen, die sie abreißen", hieß es in einem Schreiben aus dem Bundesverteidigungsministerium in Bonn. Von da ab habe er begonnen, die Mauerelemente in Deutschland zu verkaufen, erinnert sich Ocken. "Ich habe sie ins europäische Ausland verkauft, aber auch nach Übersee."

Mauerstücke weltweit

Klaus Wowereit übergibt Usain Bolt ein Stück Berliner Mauer (Foto: AP)

Klaus Wowereit übergibt Usain Bolt ein Stück Berliner Mauer

Unbeschädigte Teile der Mauer sind heutzutage als Gedenksteine oder Raritäten rund um den Globus zu finden. So steht ein Abschnitt vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York. Aber auch vor dem CIA-Hauptquartier in Langley, in den Vatikanischen Gärten in Rom oder bei einem Maschinenbauer in Nagasaki kann man die Mauerreste bewundern. Ronald Reagan bekam ein Teil, ebenso Städte wie Tallin, Kapstadt und Jerusalem.

In Berlin stehen heute die letzten Reste der Mauer unter Denkmalschutz. Von offizieller Seite ein Stück davon zu bekommen, ist daher eine große Ehre. Und die wurde am 23. August 2009 dem jamaikanischen Sprinter Usain Bolt zu teil. Für seine herausragenden Leistungen bei der Leichtathletik-WM übergab Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit dem Sportler ein Originalstück. Es wurde von einem Künstler bemalt und zeigt Bolt bei seinem Rekord-100-Meterlauf in Berlin.

Mauer unter Palmen

Die Mauer auf dem Wilshire Boulevard in Los Angeles (Foto: DPA)

Die Mauer auf dem Wilshire Boulevard in Los Angeles

Das angeblich längste Stück der Berliner Mauer außerhalb Deutschlands steht in Los Angeles. Auch dort wird der Jahrestag des Mauerfalls gefeiert. Justin Jampol, Direktor des Wende-Museums in der kalifornischen Metropole, lies dazu acht der 3,60 Meter hohen Segmente aufstellen. Aus seiner Sicht ist die Mauer ein Symbol, dass man sowohl als Sieg über den Kalten Krieg interpretieren kann, als auch als Friedenszeichen - ganz wie es der Betrachter sieht. Die Mini-Mauer von Los Angeles wurde unter Palmen auf dem Wilshire Boulevard errichtet, gegenüber dem Museum für moderne Kunst, wo sie von Künstlern neu bemalt wurde.

Der größte Teil der ehemaligen Mauer ist aber weiterhin - wenn auch unscheinbar - in und um Berlin zu finden. Insgesamt 45.000 Segmente wurden im Herbst 1990 innerhalb weniger Wochen abgerissen, geschreddert und als Baustoff benutzt. Geschätzte 500.000 Tonnen kleiner Betonbrocken landeten als Schotter auf Baustellen und sorgen nun für stabilen Untergrund auf Golfparcours, bei S-Bahnen und Parkplätzen.

Autor: Arnd Riekmann
Redaktion: Kay-Alexander Scholz