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Afrika

"Die Maschinen sind wundervoll"

Auch 15 Jahre nach der Apartheid hat sich für viele Schüler Südafrikas nicht viel verändert: Die meisten Schulen auf dem Land und in den Townships sind sehr ärmlich ausgestattet. Dort ist e-learning ein Quantensprung.

Nokukhanya Dube vor ihrem Computer (Foto: Leonie March)

Begeisterte Computerschülerin: Nokukhanya aus Durban

Nokukhanya Dube sitzt vor ihrem Computer. "Übernachten in Botswana" steht auf dem Monitor. Mit einem Klick hat die 17-jährige die Seite rot eingerahmt. Jetzt fehlt nur noch der Inhalt: Unterkünfte in Botswana und die Attraktionen in der Umgebung, erklärt Nokukhanya. Sie ist eine von rund 30 Schülern im Klassenzimmer. Durch die offene Tür sind die grünen Hügel KwaDabekas zu sehen: Rundhütten, Rinder, eine fast ländliche Gegend im Norden von Durban. Draußen scheint die Zeit fast stehen geblieben zu sein, doch in der Schule hat das digitale Zeitalter begonnen.

Begeisterung für neue Lernmethoden

Klassenzimmer in KwaDabeka bei Durban (Foto: Leonie March)

Konzentriertes Recherchieren im Unterricht

Im Computerraum herrscht eine konzentrierte Lernatmosphäre. Die Jungen und Mädchen der Abschlussklasse haben den Blick aufmerksam auf ihre Bildschirme gerichtet, arbeiten an Referaten rund um das Thema Tourismus. "Seit zwei Jahren lernen wir in diesem Kurs mit Computern", erzählt Nokukhanya stolz. Vorher hatte sie noch nie an einem Rechner gesessen. Textverarbeitung, Grafikprogramme, Internet – für sie war all das neu und ungewohnt. Inzwischen aber macht es ihr richtig Spaß. "Der Computer hilft mir dabei, eine ordentliche Arbeit abzuliefern. Ich stoße in meiner Recherche immer wieder auf interessante, neue Fakten. Ohne das Internet wäre das wahrscheinlich unmöglich für mich."

Nokukhanya wendet sich wieder ihrem Referat zu. Ihr Lehrer schaut über die Schulter, nickt ermutigend, geht von einem Schüler zum nächsten, korrigiert, kommentiert, gibt Hilfestellung. "Seit ich die Computer im Unterricht nutze, sind meine Schüler viel motivierter", sagt Nkosinathi Mthembu. "Die Veränderung ist dramatisch: die Schüler sind einfach interessierter und mit mehr Begeisterung dabei. Auch mein eigenes Leben hat der Computer etwas leichter gemacht. Ich brauche weniger Zeit für die Vorbereitung des Unterrichts. Was mich früher eine Stunde gekostet hat, erledige ich heute in 15 bis 20 Minuten."

Effizientere Informationssuche

Lernen mit Computern in einer Schule in KwaDabeka bei Durban (Foto: Leonie March)

Nokukhanya in ihrer Klasse

Auch im Klassenzimmer nebenan sitzen Schüler vor ihren Computern. Eine 10. Klasse. Die Lehrerin vermittelt grundlegende Computerkenntnisse – heute das Erstellen von Kopf- und Fußzeilen. Die Basis für e-learning im Fachunterricht. Das Lehrbuch auf dem Schoß, die Augen auf den Flachbild-Monitor gerichtet, strahlt der 15-jährige Mfundo Phoswa über das ganze Gesicht. Das Lernen am Computer ist für ihn neu und aufregend: "Diese Maschine ist wundervoll. Mir fehlen fast die Worte, um meine Gefühle zu beschreiben. Ich liebe es am Computer zu arbeiten, zum Beispiel im Internet zu surfen. Die Suche nach Informationen ist dadurch so viel einfacher und effizienter. In der Bücherei dauert es manchmal Tage, bis man sie gefunden hat, aber hier brauche ich weniger als eine Minute!"

Eigeninitiative gefragt

Im Türrahmen des Computerraums lehnt Bonginkosi Kati, der Direktor der Buhlebemfundo Secondary School. Mit einem Lächeln beobachtet er den Unterricht, begeistert vom Lerneifer der Schüler: "Wir versuchen deshalb die Computer in so vielen Fächern wie möglich einzusetzen. Allerdings kommt es dabei vor allem auf unsere eigene Initiative an, denn das Bildungsministerium hat uns auf diesem Weg bisher nicht großartig unterstützt."

Alle Computer in den beiden Klassenräumen und in der Bibliothek hat die Schule von privaten Unternehmen geschenkt bekommen. Sie übernehmen auch die Schulung der Lehrer und die Wartung der Geräte. "Ich denke wir werden von den meisten Schulen in unserer Nachbarschaft beneidet", sagt Bonginkosi Kati. Keine hat vergleichbare Computerräume. "Deshalb werden bei uns inzwischen auch mehr Schüler angemeldet. Sie haben hier einfach wesentlich mehr Möglichkeiten. Auch für die Zukunft. Ich bin besonders stolz auf zwei Absolventen, die sich online bei der Universität von Kapstadt beworben haben und nun dort studieren. Das wäre früher undenkbar gewesen. Es hat sich also Vieles verbessert".

Autorin: Leonie March

Redaktion: Katrin Ogunsade