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Kultur

Die Manga-Generation

Schmuddelige Geschichten aus Japan über Mädchen mit großem Busen und kurzen Röckchen: Dieser Stempel wird den Manga in Deutschland aufgedrückt. Aber in den Comics geht es nicht nur um Sex.

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Voll im Trend: Manga-Comics

Zunächst ist Manga einfach nur das japanische Wort für Comic – doch es ist ein Comic der ganz besonderen Art: Wenig Text, viel Action, einzelne Ereignisse werden im Taschenbuchformat seitenlang bebildert: "Das ganze hat was von filmischem Lesen," erklärt Wolfgang Strzyz, der Organisator des Comic-Schwerpunkts auf der Buchmesse.

In Japan gehören Manga zum Alltag – es gibt sie millionenfach für jede Altersgruppe und zu jedem Thema: für Mädchen und Jungs, für Kinder und Jugendliche, Hausfrauen, Manager und Senioren, als Kochbücher und Gebrauchsanweisungen. Und es gibt erotische, homoerotische und pornografische Manga.

Zauberei, Fußball und Erotik

Dragonball

Durchbruch mit Dragonball

In Deutschland ist man noch nicht ganz so weit. Hier haben zunächst Kinder und Jugendliche die Manga entdeckt und den Boom ausgelöst – vor allem, seit die Figuren auch in Zeichentrickserien über den Fernseher flimmern. Der Verlag Carlsen Comics macht mittlerweile fast 80 Prozent seines Umsatzes mit Manga. Den Durchbruch brachte die Serie Dragonball, in der ein kleiner Junge mit ungewöhnlichen Kräften viele fantastische Abenteuer besteht.

Die Kinder lesen die Geschichten über Verwandlung und Zauberei, junge Fußballspieler und Detektive mit großer Begeisterung. Sie mögen die schnellen Bildfolgen und actionreichen Geschichten. Einen Manga zu lesen, dauert nicht länger als ein bis zwei Stunden. Besonders die Mädchen, die sich bisher kaum für Comics interessierten, stürmen die Buchhandlungen und lesen auch gerne mal die homoerotischen Geschichten mit den hübschen Jungs. Die Buchhändler freuen sich über die neue, jüngere Käuferschicht, die auch auf der Buchmesse zu finden ist.

Helden wie du und ich

Manga: Wedding Peach

"Wedding Peach" von Nao Yazawa: Es geht um Schwärmerei und Liebe

Kinder und Jugendliche können sich mit den Manga-Helden identifizieren, denn die sind genauso alt wie sie, haben auch mal Pickel oder Liebeskummer. Überhaupt wird mit dem Thema Sexualität und Liebe wesentlich freizügiger umgegangen, als es bisher in Comics der Fall war. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, dass die Handlungen aus einem ganz anderen Kulturkreis kommen.

Denn, so Michael Schweitzer vom Verlag Carlsen Comics, "die Grundwerte, die die Geschichten vermitteln, sind auf jede Gesellschaft übertragbar: Bei Mädchen Romantik, Liebe, Freundschaft, bei Jungs Teamgeist, Zusammenhalt, Abenteuer". Die japanischen Figuren entsprechen dabei auch dem europäischen Schönheitsideal. Manga kann also durchaus als Mittel der Völkerverständigung angesehen werden, bestätigt Wolfgang Strzyz. Die Jugendlichen würden sich durch die Manga auch mit der japanischen Kultur beschäftigen.

Manga bringen japanische Kultur näher

Meimu: Gasaraki

Manga-Comics werden von hinten gelesen

Oft werden in den Manga-Büchern japanische Zeichen und kulturelle Eigenheiten erklärt, manchmal in einem Extra-Glossar am Ende – das heißt für uns Europäer: am Anfang. Denn die meisten Manga werden mittlerweile in der japanischen Lesart gedruckt. Sie müssen von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen werden.

Die japanischen Partner-Verlage von Carlson Comics hatten darauf bestanden – der Schlüssel zum Erfolg, wie sich heraus stellte. Denn dadurch wird der Reiz des Neuen und Anderen erhöht. Manga bieten so auch eine Möglichkeit, sich von den Eltern abzugrenzen, die mit den klassischen Comics aufgewachsen sind und Manga als "Schund" abtun.

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  • Datum 29.11.2002
  • Autorin/Autor Christina Bergmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2jwl
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