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Musik

Die magische Rhythmuskiste

Eigentlich stammt das Cajón aus Peru, doch seit einigen Jahrzehnten wird es von Schlagzeugern und Perkussionisten aus aller Welt gespielt.

Cajonspieler auf dem Flamenco Festival Berlin (Foto: Jens Kalaene dpa/lbn)

Scheinbar gehört es zum Flamenco wie die Gitarre und der leidenschaftliche Gesang: das Cajón. Doch bei diesem All in One-Schlagzeug handelt es sich um einen Importartikel. Die unscheinbare Holzkiste, die auch Geschwister hat in anderen Afro-Kulturen, z.B. der kubanischen Rumba, wurde vor gerade mal 30 Jahren von Ruben Dantas nach Spanien eingeführt. Der Perkussionist des Gitarristen Paco de Lucia war während einer Lateinamerika-Tour Ende der siebziger Jahre in Peru für dieses Instrument entflammt. Seine Einführung in den Flamenco kommt der Erfindung des Rads gleich. Denn diese Musik würde heute ungleich ärmer klingen ohne das Cajón, das wie gemacht scheint für die Liaison mit der Gitarre und dem im Flamenco so unabkömmlichen Händeklatschen, den Palmas. Das Cajón kann, lautstark oder sanft gespielt, wie eine Snare- oder Bassdrum klingen und auch schon mal für die Congas einspringen. Für den speziellen, metallisch-schnarrenden Sound sorgen die im Inneren der Box angebrachten Saiten. Die hatte das peruanische "Urmodell" noch nicht.

Holzkisten statt Trommeln

Dessen Erbauer und Spieler, afrikanische Sklaven verschiedener Ethnien, kamen ab dem 16. Jahrhundert mit den Schiffen der spanischen Kolonisatoren an Perus Pazifikküste an. Das Verbot von Trommeln durch die katholische Kirche umgingen sie unter anderem mit dem Spiel auf selbstgebauten Holzkisten. Die Folgen des bis 1845 andauernden Sklavenhandels bekommt Perus schwarze Minderheitenbevölkerung heute - mehr oder weniger subtil – nach wie vor zu spüren. Das Gute dieser unguten Historie ist allerdings eine großzügige Hinterlassenschaft vieler Rhythmen und Tanzstile sowie diverse scheinbar simple aber kunstvolle Instrumente: Das Cajón, die kleinere Cajita mit Deckel, die man sich umhängen kann und die etwa beim Karnevalsumzug gespielt wird, sowie die Quijada de Burro, der schnarrende preparierte Eselskiefer.

Nationales Kulturerbe

Pionier der aktuellen afroperuanischen Musikbewegung ist die Band Novalima aus Lima. In diesem Kollektiv aus DJs, Instrumentalisten und Sängern wirkt auch Juan Medrano Cotito, Latin-Grammy-Gewinner und langjähriger Cajonero von Susana Baca. Die Sängerin weiß, was sie an diesem versierten und experimentierfreudigen Spieler hat. Er vermag – wie sie es ausdrückt – mit seinen Händen Lieder zu singen, so wie sie mit ihrer Stimme. Den Gesang oder die Gitarre hält die prominenteste Botschafterin des schwarzen Peru sogar für entbehrlicher als das Cajón selber, jenes für sie fundamentale, zentrale Instrument der afroperuanischen Musik. Das Cajón wurde auf Grund seiner Geschichte zum Symbol für den Widerstand der Sklaven und des Überlebens der Afrokultur in Peru überhaupt. Diese Meinung des Cajoneros und Musikforschers Rafael Santa Cruz dürfte heutzutage das Gros seiner Landsleute, egal welcher Herkunft und Hautfarbe, teilen. Immerhin wurde das Cajón 2001 offiziell zum nationalen Kulturerbe erklärt, und ein Jahr darauf der 4. Juni zum "Tag der afroperuanischen Kultur". Das ist der Geburtstag des Sängers, Dichters und Journalisten Nicomedes Santa Cruz, der auch 17 Jahre nach seinem Tod als die Schlüsselfigur der afroperuanischen Kultur und ihrer Emanzipation gilt.

Autorin: Katrin Wilke
Redaktion: Matthias Klaus

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