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Kultur

Die Macht der Sucht

Drogen und Sucht sind seit Jahren ein Dauerthema. An gesellschaftlicher Brisanz fehlt es jedoch nicht und der Konsum wird verharmlost.

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Immer mehr Jugendliche haben ein Problem mit Alkohol

Zigarettenautomaten locken und Supermarktregale sind prallgefüllt mit Bier und Wein. Werbespots verführen zum Griff nach der Flasche und dem Glimmstengel. Außerdem demonstrieren die Erwachsenen oft genug, wie das geht mit dem Rauchen und Trinken – negative Vorbilder für den Nachwuchs.

Cannabis schmeckt nicht überall

"In den Medien standen in den letzten 20 bis 30 Jahren die illegalen Drogen im Vordergrund. Alkohol oder Nikotin wurden da eher vernachlässigt", kritisiert Christa Mefert-Diete von der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahr im Gespräch mit DW-WORLD. Dabei würden bei Jugendlichen diese so genannten weichen Drogen die häufigsten Probleme verursachen. Ein geläufiges Beispiel: Alkohol am Steuer.

Internationale Vergleichsstudien zum Alkoholkonsum von Jugendlichen fehlen jedoch. So beschränkt sich auch der Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle in Lissabon auf illegale Drogen wie Cannabis, Kokain und Heroin. Zwischen den EU-Länder gibt es dabei große Unterschiede. Cannabis zum Beispiel – die meist konsumierte illegale Droge in Europa – haben in Finnland zehn Prozent der Erwachsenen schon mal ausprobiert, in Dänemark und England sind es bis zu 30 Prozent. Deutschland liegt mit 20 Prozent im Mittelfeld.

Die Macht der Tradition

Dass es sich aber auch bei Alkohol und Nikotin um Rauschmittel handelt, die gefährlich werden können, dringt nur langsam in das Bewusstsein der Bevölkerung vor. Zu langsam, findet Mefert-Diete. In Deutschland gäbe es seit Tausenden von Jahren eine Alkoholkultur – Alkohol trinken sei daher gesellschaftlicher Standard, so Mefert-Diete. Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Drogenaffinität von Jugendlichen in Deutschland zeigt, dass Jugendliche schon sehr früh Erfahrungen mit Alkohol machen. Nur acht Prozent der 12 bis 25-jährigen in Deutschland haben noch nie Alkohol getrunken, knapp ein Viertel trinkt regelmäßig, also mindestens ein Mal pro Woche. Das Lieblingsgetränk: Bier.

Aufklärungskampagnen greifen jedoch nur bedingt. In der Regel sitzt die Getränkeindustrie finanziell am längeren Hebel. Deren Werbebudgets übersteigen die Gelder, die für Kampagnen zur Verfügung stehen, um ein Vielfaches. Im Jahr 2000 verpulverte die Getränkeindustrie fast 600 Millionen Euro, um für alkoholische Getränke zu werben.

Starke Wirtschaftslobby

Zudem ist die Forderung, Alkoholkonsum zu reduzieren und zu erschweren im Land der vielen Brauhäuser nicht besonders populär. Politiker würden sich aus Sorge um ihre Wiederwahl gerne vor öffentlichen Forderungen, den Alkoholkonsum einzuschränken, drücken, hat Mefert-Diete beobachtet. Lobby-Arbeit der Industrie verhindere zusätzlich international vergleichende Studien zum Thema Alkohol.

Doch eine gute Nachricht gibt es: Die langfristige Tendenz des Alkoholkonsums unter Jugendlichen zeigt nach unten. So ist die Anzahl der Jugendlichen, die mindestens einmal pro Woche Bier trinken, seit Mitte der 80er Jahre von knapp 40 Prozent auf 23 Prozent im Jahr 2001 gefallen. Beim Rauchen sieht der Trend jedoch anders aus. Der Nikotinbedarf junger Menschen hat in den letzten zehn Jahren zugenommen, vor allem unter Mädchen und jungen Frauen. Genug Arbeit also für die Suchtexperten, die sich dieses Wochenende in Berlin zum Kongress der deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin treffen. Ihr Ziel: professionelle medizinische Standards zu etablieren.

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