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Asien

Die Macht der Massen - Chinas Siedlungspolitik in Tibet

50 Jahre nach der Flucht des Dalai Lama: Peking zweifelt immer noch an der Loyalität der Tibeter. Trotz aller Härte, die Chinas Regierung gegenüber den Tibetern zeigt - und trotz angeblicher Wohltaten.

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Polizei kontrolliert den Jokhang Platz im Zentrum von Lhasa

Hu Jintao, der Mann der heute an der Spitze des chinesischen Staates steht, war vor 20 Jahren Parteisekretär in Tibet. Damals, 1989, hat er bei den Protesten zum 30 Jahrestag des Aufstandes der Tibeter das Kriegsrecht ausgerufen. Und die Proteste brutal niederschlagen lassen. An der Unterdrückung der Tibeter hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten nichts geändert. Aber weil die Maßnahmen zur Umerziehung der Tibeter nichts gefruchtet haben, versucht Peking mit einer anderen Methode seinen Griff auf dem Dach der Welt zu festigen.

Gezielte Überfremdungspolitik

Hu Jintao

Chinas Staatspräsident Hu Jintao

Der Bonner Tibetologe Dieter Schuh jedenfalls wertet die massive Ansiedlung von Chinesen in Tibet als gezielte Überfremdungspolitik. Laut Schuh werden die Tibeter zu einer Minderheit im eigenen Land. China misstraue den Tibetern zutiefst, bezweifele deren Loyalität. Trotz aller zur Schau gestellten Fortschritte und angeblichen Wohltaten. In diesem Zusammenhang ist auch die verkehrstechnische Erschließung des ehemaligen Eremitenstaates zu sehen. Seit 2006 fährt sogar eine Eisenbahn aufs Dach der Welt. Über weite Strecken führt die Strecke über Permafrostboden - eine technische Meisterleistung. Die Bahn erleichtert den Abtransport tibetischer Bodenschätze ebenso wie den Zuzug chinesischer Siedler oder den Transport größerer Truppenkontingente. Die offiziellen Statistiken erfassen allerdings nur die fest angesiedelten Chinesen. Auf dem Papier bilden die Tibeter noch die deutliche Mehrheit der Bevölkerung. Aber Dieter Schuh glaubt diesen Statistiken nicht. Denn er hat viele der sogenannten temporären Siedler gesehen. Menschen, die jahrelang in Tibet bleiben, dort ihre Existenz aufbauen, Kinder bekommen. Es sind im Grunde zwei Funktionen, die Chinesen in Tibet ausfüllen, erläutert Schuh: "Sie regulieren und kontrollieren die Verwaltung. Sie stellen das Militär. In großer Zahl sind dort chinesische Soldaten stationiert. Und die Hauptmasse ist damit beschäftigt, die tibetischen Bodenschätze auszubeuten."

Pufferzone und Schatzkammer

China Eisenbahn nach Tibet

Tibetische Bauern an der Trasse der Tibet-Bahn

Tibet ist eine Schatzkammer voller Bodenschätze und Ressourcen. Beispielsweise gibt es hier das wichtigste Chrombergwerk Chinas. Und: Hier entspringen die bedeutendsten Ströme Asiens. Dazu kommt die strategische Bedeutung: Tibet ist ein Puffer zum südlichen Nachbarn und Rivalen Indien. Immerhin hat China mit der heutigen Atommacht in den 60er Jahren sogar Krieg geführt. Bodenschätze und strategische Bedeutung – das dürften auch die Gründe für das chinesische Interesse an Tibet sein. Der Hamburger Asienwissenschaftler Oskar Weggel kann deshalb auch nichts mit der chinesischen Propaganda anfangen, die immer wieder den Aspekt der Befreiung der Tibeter von einem Feudalregime betont. Zuletzt hat sie sogar den 28. März sogar als "Tag der Befreiung" zum Feiertag erklärt, jenen Tag, an dem vor 50 Jahren die Regierung des Dalai Lama offiziell für aufgelöst erklärt wurde. Weggel gesteht zu, dass Tibet die alten Strukturen abschütteln und den Sprung vom Mittelalter in die Neuzeit schaffen musste. Nur, so Weggel, wollten die Tibeter auf keinen Fall von den Chinesen "befreit" werden.