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Afrika

Die Machenschaften der Mugabes in Fernost

Die neue Übergangsregierung unter Ministerpräsident Morgan Tsvangirai steht vor unlösbaren Aufgaben. Das Land ist ökonomisch ruiniert, die Menschen hungern. Präsident Mugabe sichert sich aber schon mal seine Rente.

Bereitet Mugabe seinen Alterssitz in Hongkong vor?

Bereitet Mugabe seinen Alterssitz in Hongkong vor?

Am Anfang steht eine filmreife Szene: Involviert sind ein Fotograf, die Gattin des Präsidenten von Simbabwe, Grace Mugabe, und ein Bodyguard. Schauplatz ist Hongkong, Mitte Januar 2009. Der Fotograf von der "Sunday Times" beobachtet, wie die 43-jährige Grace Mugabe aus einem Luxushotel tritt. Sie ist bereit für eine Shopping-Tour durch das Einkaufsviertel Tsim Sha Tsui. Er fotografiert sie. Daraufhin entsteht ein Handgemenge. Frau Mugabe schreit los und schickt ihren Bodyguard vor. Als dieser den Fotografen festhält, schlägt sie mit den Fäusten zu, mehrfach ins Gesicht des Reporters. Wenig später flüchtet sie sich zurück ins Hotel. Das Ergebnis der Attacke: Neun Gesichtsverletzungen, verursacht durch Grace Mugabes Brillant-Ringe, berichtet die "Sunday Times".

Grace Mugabe

Aggressive First Lady: Grace Mugabe

Seit diesem Vorfall dämmert es den Hongkongern: Familie Mugabe ist mitten unter uns. Vielen ist das egal. Den Bürgern Simbabwes in Hongkong aber nicht. Shawn lebt als Asylbewerber in der Stadt. Er floh vor zweieinhalb Jahren aus Angst vor politischer Verfolgung aus Simbabwe, berichtet er im Hongkonger Radio. Es habe ihn sehr aufgeregt, als er gehört habe, dass Mugabes Frau einen Reporter geschlagen hat, sagt er. "Das sind die Dinge, vor denen ich weggelaufen bin. Und jetzt sind diese Leute hier und machen genau das Gleiche, was sie mit den Menschen in Afrika tun."

Immunität für Grace Mugabe?

Unklar ist noch, ob Grace Mugabe wegen der Brillantring-Attacke rechtlich belangt werden wird oder ob sie diplomatische Immunität besitzt. Jedenfalls kommen seither immer mehr Details ans Licht. Es wurde bekannt, dass Robert Mugabes Tochter Bona an einer Hongkonger Universität studiert. Und jüngst konnten die Hongkonger in der Zeitung die Fotos einer dreistöckigen Luxusvilla im Stadtteil Tai Po bewundern. Ihr Wert: vier Millionen Euro. Die Besitzer: Robert Mugabe und Familie. Auch hier wurden Fotografen von Bodyguards angegriffen.

Robert Mugabe Präsident Zimbabwe

Hongkong, wir kommen?

Es sieht ganz danach aus, als habe sich der Diktator aus Simbabwe ein Standbein in Hongkong aufgebaut, vielleicht auch gedacht als Zufluchtstätte, sollte er einmal die Macht in Harare verlieren. Und als Investment, glaubt Shawn. Das mache ihn traurig, sagt er, aber er sei nicht überrascht. "Traditionell verstecken Robert Mugabe und die meisten Führer Afrikas ihr Vermögen in Ländern wie der Schweiz. Aber diese sicheren Häfen stehen jetzt unter Veröffentlichungsdruck. Deshalb bringen sie ihr Vermögen nach Asien, vor allem nach Singapur und Hongkong. Das ist unrechtmäßiges Geld. Die Leute in meinem Land leiden. Und trotzdem bringt unser Führer das Geld auf, sich ein Luxusdomizil hier in Hongkong zu kaufen."

Studentenproteste

Ginge es nach Shawn, sollte die Hongkonger Regierung den Mugabes die Einreise verweigern, so wie es etwa die Europäische Union tut. Mugabe und seine Familie sind in Europa unerwünscht. Auch aus Simbabwe selbst kommt Protest von studentischer Seite. Die Nationale Studenten-Union ZINASU verlangt von der Hongkonger Regierung die Ausweisung von Mugabes Tochter. Sie solle in Simbabwe unter denselben schlechten Bedingungen studieren wie ihre Landsleute, heißt es in einer Erklärung. Das Hongkonger Establishment aber zeigt sich unbeeindruckt von solchen Forderungen. In der politischen Diskussion spielt das Thema bislang keine Rolle. Dass Hongkong zum Fluchtort für Diktatoren werden könnte, scheint nur wenige zu beunruhigen. Die Regierung verweigert auf Anfrage ein Interview. Ein Sprecher teilt schriftlich mit, individuelle Fälle ausländischer Studenten oder des Eigentumserwerbs würden nicht kommentiert. Hier scheint die Hongkonger Regierung der festland-chinesischen Linie zu folgen. Die Regierung in Peking sieht nichts Falsches an Mugabes Standbein in Hongkong: Die Stadt sei ein Freihafen. Dort dürften ja schließlich sogar Falun-Gong-Mitglieder Eigentum erwerben.

Markus Rimmele, Hongkong

Redaktion: Christine Harjes

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