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Deutschland

Die Märchenerzählerin

Der Weltgeschichtentag (20.3.2009) und der Tag der Poesie (21.3.2009) sollen an die Tradition des Erzählens erinnern. Hannelore Rehm hält diese am Leben - als Märchenerzählerin.

Hannelore Rehm und der Froschkönig (DW/Catrin Möderler)

Hannelore Rehm und der Froschkönig

Hannelore Rehm erzählt. Sie spricht vom König und seinen drei Söhnen. Zwei sind klug, einer ist dumm. Scheinbar. Denn während die weniger klugen, als vielmehr überheblichen Söhne an den Herausforderungen des Lebens scheitern, gewinnt keineswegs der dumme, sondern bescheidene und besonnene Sohn am Ende das Königreich und die Hand der schönen Prinzessin.

Große Kinderaugen und offene Münder - Hannelore Rehm fesselt ihre Zuhörer (DW/Catrin Möderler)

Große Kinderaugen und offene Münder - Hannelore Rehm fesselt ihre Zuhörer

Fünfzig Paar Kinderaugen sind gebannt auf die sympathische Mitfünfzigerin gerichtet. Goldrandbrille, langer schwarzer Rock, lila Bluse mit Rosenmuster. Wie auf einer Theaterbühne spricht sie. Ohne Manuskript, mit nuancenreicher Stimme und ausdrucksvollen Gesten. Perfekte Anregung für die Phantasie. Und den Verstand. Hannelore Rehm weiß, was Märchen erreichen können: Die Kinder bekämen ohne erhobenen Zeigefinger Lösungsvorschläge für das eigene Leben. "Am Anfang eines Märchens steht ja meistens eine Mangelsituation. Der alte König ist krank, oder die Eltern sind arm, oder was auch immer. Dann kommt die Geschichte - und am Ende hat sich die Sache aufgelöst.“

M ä rchen f ö rdern das Verst ä ndnis f ü r andere Kulturen

Hannelore Rehm hat ihre Erzählkunst durch Sprecherziehung, Schauspielunterricht und Erzähltraining bei der Europäischen Märchengesellschaft erlernt. Dies ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern, Künstlern und Märchenliebhabern, die sich ganz der Pflege der Kunstform Märchen verschrieben haben.

Schatztruhe der Phantasie (DW/Catrin Möderler)

"Schatztruhe der Phantasie"

Auch Hannelore Rehm kennt die Kraft der Märchen: „Erst einmal fördert es natürlich die Phantasie. Dann ist es natürlich sprachfördernd, denn die Märchen sind ja in einer sehr schönen Sprache geschrieben", sagt die Erzälerin. "Und wenn ich Märchen aus anderen Ländern höre und merke, ach, die sind auch schön, dann fördert das vielleicht auch so ein bisschen das Verständnis füreinander.“

Hannelore Rehm ist spezialisiert auf unbekannte Märchen. Geschichten, die für alle Zuhörer neu und daher ganz besonders spannend sind. Das Motto des diesjährigen Weltgeschichtentages lautete Nachbarn. Die Märchenerzählerin trägt ihm Rechnung durch ein Märchen aus der Türkei - dem Land, das im Märchen nach Rosenöl, Kardamom, Pfefferminz und Zimt duftet. In der Geschichte schickt eine arme Frau ihre schöne Tochter auf den Basar, um selbst gesponnenes Garn zu verkaufen.

Frau Rehm verrät, wie es weiter geht: "Eines Tages, als die Tochter das Garn verkauft hatte, da ging sie noch über die Töpferstraße. Da entdeckte sie ein Töpfchen, das war so schön, das gefiel ihr so gut, dass sie es kaufte. Sie gab alles Geld her, das sie hatte, und kaufte das Töpfchen." Wie sich herausstellt, ist es ein Wundertöpfchen. Es bringt der schönen Tochter erst Essen, dann Schmuck und schließlich den Sohn des Sultans als Ehemann.

M ä rchen vermitteln Grundvertrauen ins Leben

Diesmal genießen die Erstklässler der Grundschule Düsseldorf-Urdenbach die Märchenstunde. Sie sind ausnahmslos begeistert. Ebenso ihre Lehrerinnen, allen voran Konrektorin Doris Kissmann: "Ich bin begeistert. Jemand, der so schön Märchen erzählt – man erlebt es nicht mehr. Es passiert nicht mehr in der Form. Ich bin selbst völlig fasziniert."

Kinder wie Erwachsene lieben Märchen. Auch im Zeitalter von Fernsehen, Videos und Computerspielen. Weil sie etwas einzigartiges vermitteln: Sicherheit. Hannelore Rehm kennt die tiefste Bedeutung dieser uralten Kunstform: "Dieses Grundvertrauen ins Leben, das ist wichtig für Kinder. Und das können Märchen auch vermitteln. Weil sie durch alle Schwierigkeiten, die in den Märchen geschehen, dann am Ende doch immer zu einem guten Ende kommen!"

Autorin: Catrin Möderler
Redaktion: Wolfgang Dick

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