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Kultur

Die Lust am Ekel

Sie verschlucken lebende Goldfische und lassen sich von Baby-Alligatoren in die Brustwarzen beißen - das sind die Stars von "Jackass". Jetzt kommt die Kult-Show ins Kino. Schlechter Geschmack oder witzige Unterhaltung?

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Die Stars des schlechten Geschmacks: Johnny Knoxville und sein Team

Sigmund Freud hätte es wohl als Rückfall in die anale Phase bezeichnet: Da amüsieren sich erwachsene Männer vor laufender Kamera, wenn einer von ihnen in Exkrementen badet. In einer anderen Szene fahren sie nackt auf der Motorhaube ihres Autos durch die Waschstraße. Oder sie schlingen die rohen Zutaten für einen Pfannkuchen herunter und würgen sie dann wieder hoch, um das Ganze in der Pfanne zu braten. "Don´t try this at home", heißt es (nicht nur) im Vorspann von "Jackass – The Movie". Aber wer will schon so etwas nachmachen?

Weltweit erfolgreiches TV-Format

Für die einen ist das eklig, peinlich, und vielleicht sogar der Untergang des Abendlandes. Doch für die Fans ist "Jackass", was auf Deutsch so viel heißt wie "Vollidiot", höchst witzige Unterhaltung. Die US-Show um Hauptakteur Johnny Knoxville und sein Team ist zu einem der weltweit erfolgreichsten Formate des Musiksenders MTV geworden. Nun gibt es diese zusammenhanglose Abfolge absurder Mutproben auch im Kino zu sehen.

Jackass Film Logo

Jackass Film Logo

Es sind vor allem jugendliche Männer zwischen 15 und 20 Jahren, die sich für "Jackass" begeistern. "Die Fans sind fasziniert von der scheinbaren Echtheit der Show", so der Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, im Gespräch mit DW-WORLD. Gemeinsam mit der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) hatte das Grimme Institut im Februar zu einer Podiumsdiskussion über das umstrittene TV-Format eingeladen.

Eindruck des Echten und Unmittelbaren

Ungeschminkt und ehrlich, so wirkt die Show nach Ansicht von Gäbler auf die jugendlichen Zuschauer. Wenn sich die Darsteller bei den gefährlichen Mutproben verletzen, wenn sie stürzen und schreien, dann scheint das eben nicht inszeniert zu sein, sondern real. "Obwohl die Aktionen natürlich geplant sind, aber das sieht man ja nicht", sagt Gäbler. Unterstützt wird der Eindruck des Echten und Unmittelbaren durch die amateurhafte Kameraführung.

Vier Faktoren machen aus dem TV-Format ein Erfolgsprodukt. "Das ist zum einen der Extremsport. Also die Stunts, bei denen die Darsteller dauernd hinfliegen", erklärt Gäbler. Das wirke auf die Zuschauer witzig. Als zweites nennt der Medienexperte "das Spiel mit Genitalien und Fäkalien", das vor allem im verklemmten Amerika zum Erfolg der Sendung beigetragen habe. Ein weiteres Charakteristikum sei das permanente Überschreiten der Ekelgrenze: "Es wird nirgendwo so viel gekotzt wie bei Jackass. Besonders beliebt ist das so genannte Milchkotzen."

Kriegerisches Männerbild

Jackass Großbritannien Flagge

MTV's Jackass tv show stars Chris Pontius, wrapped in the British Union flag, and Steve-O arrive for the UK film premiere of 'Jackass: The Movie' at the Empire Leicester Square in central London Tuesday, Feb. 25, 2003. (AP Photo/PA, Myung Jung Kim) ** UNITED KINGDOM OUT NO SALES MAGAZINES OUT **

Bedenklich findet Gäbler aber das Masochistische von Jackass: "Das ist so ein kriegerisches Männerbild, das mir nicht gefällt. Dieses tapfere Ertragen von Schmerzen und das Zeigen von Verletzungen." Aus diesem Grund seien es vor allem Jungs, die sich für die Show begeisterten. Und die Mädchen? "Die sind bei Jackass nur in zwei Rollen erwünscht: Entweder als Fan, oder als Krankenschwester."

Vermutlich ist "Jackass" gar nichts Neues. "Es ist eine Form des Protests gegen die Eltern und gegen das Ordentliche und Hochglänzende in den Medien", so Gäbler. Und das hat es bekanntlich schon immer gegeben: Auch die Musik der Beatles oder der Punk-Rock wurden einst als geschmacklos und sittenwidrig bezeichnet. Die Diskussion von Jugendschützern und Medienrechtlern, die das TV-Format verbieten wollen, lässt sich vielleicht mit einem Zitat von Ingeborg Bachmann kommentieren: "Jede Jugend ist die dümmste."

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