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Kultur

Die Limousine ist ein privater Raum, wie beim Frisör

Sie fahren einen schnellen Wagen, haben einen kühlen Kopf und für jeden die passende Musik parat: die Chauffeure auf der Berlinale. Dazu warten sie mit besten Manieren auf, gebügeltem Hemd und einem offenen Ohr.

Ein junger Mann im Anzug hält die hintere Tür einer Limousine auf.

Den VIPs der Berlinale stehen alle Limousinen-Türen offen

Sein erster Fahrgast bei dieser Berlinale war Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton. Sie nahm hinten rechts Platz in seinem BMW 7er. "Da wusste ich, dass endlich wieder Berlinale ist", gibt Fabian Mennekes zu Protokoll und lächelt. Nicht stolz, eher zurückhaltend. Star-Allüren? "Bei Tilda Swinton keine Spur davon, sie ist wahnsinnig nett." Aber viele lästige Paparazzis, die es abzuwimmeln galt. Der 32-Jährige weiß, wovon er redet. Seit sieben Jahren arbeitet er bei Groß-Events als Chauffeur, er fuhr schon Penelope Cruz, Antonio Banderas, Ashton Kutcher. Judi Dench ("eine echte britische Lady!"), Demi Moore, Goldie Hawn und so weiter und so fort. Die Krawatte sitzt und der Wagen blitzt. Jeden Morgen ist das für die rund 130 Fahrer, die bei der Berlinale im Einsatz sind, die erste Amtshandlung: die Fahrt in die Waschstraße. Erst wird gesaugt, dann gewaschen, zum Schluss poliert.

Geheimtipp: Lammfellsohlen

Ein junger Mann im Anzug wischt mit einem roten Lappen die Windschutzscheibe einer Limousine udn schaut dabei in die Kamera.

Privat braucht Fabian Mennekes sein Auto nicht zu polieren - er hat gar keins

Fabian Mennekes ist studierter Wirtschaftsingenieur, er spricht drei Fremdsprachen fließend. In seiner Freizeit fährt er mit Bus und Bahn, ein Auto hat er nicht. "In Berlin braucht man kein Auto", versichert er. Stimmt. Aber wer es gewohnt ist, große Limousen zu steuern, dem würde vielleicht auch etwas abgehen bei einem Otto-Normalverbraucher-Kleinwagen. Zum Beispiel die Massagefunktion, die Sitzheizung und die Rückfahrkamera, die ja nicht nur dem Fahrgast, sondern auch dem Fahrer einen gewissen Komfort bietet. Der Berliner trägt ein blütenweißes Hemd, dazu einen schwarzen Anzug, schwarze Schuhe und die gestreifte Firmenkrawatte. Gegen die Kälte schützen Lammfellsohlen und ab und zu eine Tasse mit heißem Tee.

Dienstleistung im Scheinwerferlicht

Eine Limousine fährt tagsüber am roten Teppich vorm Berlinale-Palast vorbei.

Tagsüber ist es ruhig am roten Teppich, doch abends fahren hier die Kolonnen vor

Wen sie wann von wo nach wo fahren sollen, das erfahren die Chauffeure meist per SMS. Drei Fahrdienstleiter koordinieren die Aufträge und Reservierungen, die vom Gäste-Management kommen. Das Berliner Unternehmen Valet Parking & More, das seit 2002 den Fahrservice der Berlinale betreut, hat dafür ein eigenes Internet-System entwickelt. Bei der Berlinale fallen insgesamt rund 1250 Fahraufträge an - wenn sich der letzte Vorhang beim Festival schließt, sind die Chauffeure zusammengerechnet gute 125.000 Kilometer gefahren. Zum roten Teppich etwa rollen die Limousinen in Kolonnen an. Jeder Wagen trägt eine Ziffer auf der Windschutzscheibe, so dass die jeweiligen Gästebetreuer am Hotel sofort wissen, in welches der unzähligen meist schwarz lackierten Autos sie ihren Gast lotsen müssen. Alles ist perfekt getimt. "Wenn wir um 19 Uhr 10 dort sein sollen, dann sind wir um 19 Uhr 10 dort", erklärt Fabian Mennekes. Verzögerungen werden nicht geduldet.

Smalltalk nur auf Nachfrage

Man sieht im Rückspiegel einer Limousine die Augen und die Brille des Fahres.

"Hier schnallt sich jeder an" - der prüfende Blick in den Rückspiegel

Nicht nur das. "Du fängst als Fahrer nie ein Gespräch an", sagt Mennekes und seine Stimme bekommt einen eindringlichen Unterton. Ihm würde nie in den Sinn kommen, nach einem Foto oder einem Autogramm zu fragen, da er auf völlige Diskretion geeicht ist. "Wenn der Gast Lust darauf hat, mit mir zu plaudern, dann ist das natürlich in Ordnung, doch was im Auto gesagt wird, das bleibt auch im Auto." Oftmals kommen Fragen zur Berliner Mauer, zu bestimmten Sehenswürdigkeiten, manchmal fahre er dann auch schon mal einen kleinen Umweg, wenn das der Zeitplan erlaubt. Das gilt übrigens auch, wenn akuter Bedarf an Blumen oder einem Kaffee geäußert wird. In der Limousine ist der Kunde König. Und die Top-Prominenz, die wisse auch, wie sie sich zu benehmen hat. Ausfällig sei bei ihm noch niemand geworden.

Ein Ort der Entspannung

Pierce Brosnan steigt aus dem BMW ActiveHybrid 7 aus

Auch Ex-007 Pierce Brosnan darf seinem Fahrer nicht ins Steuer greifen

"Immer die Ruhe bewahren", das ist seine zweite Grundregel. "Wenn Hektik aufkommt, darf sich das auf gar keinen Fall auf den Gast übertragen." Dazu gehört es, Abkürzungen zu kennen und spontan auf die Wünsche der Gäste zu reagieren. Wenn vor dem Hoteleingang zu viele Fans stehen, dann muss der Chauffeur wissen, wo die Einfahrt zur Tiefgarage ist und wo er dort parken muss, damit der Fahrstuhl gut zu erreichen ist. "Die Limousine ist ein privater Raum, wie beim Frisör", gibt er beim Aussteigen mit auf den Weg und verabschiedet sich höflich.

Autor: Ricarda Otte
Redaktion: Marcus Bösch

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