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Wirtschaft

Die Leute mit dem Röntgenblick

Überall da, wo es um Sicherheit geht, ist die Firma Smiths Heimann aus Wiesbaden dabei. Über 25.000 Röntgen-Durchsuchungsanlage Systeme hat das mittelständische Unternehmen bereits ausgeliefert - in 150 Länder.

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Nichts bleibt mehr verborgen

Bernhard Semling, Direktor für Produkt-Marketing bei Smiths Heimann, präsentiert stolz eine gerahmte Urkunde. Der Wirtschaftsminister des Bundeslandes Hessen bescheinigt der Smiths Heimann GmbH, ein so genannter "Hidden Champion" zu sein, ein heimlicher, der Öffentlichkeit kaum bekannter Weltmarktführer, der auf eine gut 50jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken kann. Bernhard Semling:

Gegründet wurde das Unternehmen direkt nach dem Zweiten Weltkrieg von Professor Walter Heimann, im Grunde einer der führenden Pioniere der deutschen Fernsehtechnologie. Er war einer derjenigen, der die ersten bewegten Live-Bilder, also Fernsehbilder, in Deutschland übertragen hat. Das gesamte Geschäft entwickelte sich dann aus der Optoelektronik heraus. Mitte der 1970er Jahre, als die ersten Flugzeugentführungen stattfanden und man nach neuen Sicherheitssystemen suchte, hat Professor Heimann dann gemeinsam mit dem Bund und dem Flughafen Frankfurt die ersten Röntgen-Durchsuchungssysteme konzipiert und entwickelt.

Elektronische Schnüffler

Stolz zeigt Bernhard Semling dem Besucher die Fertigungshallen in Wiesbaden. Sie sind blitzsauber und aufgeräumt. Keine Fließbänder, keine Hektik. Die Ingenieure und Mechaniker arbeiten in Teams zusammen, es geht locker und entspannt zu. Mittlerweile werden die unterschiedlichsten Sicherheitssysteme hergestellt - zum Beispiel Sprengstoff-Detektionssysteme für die Gepäckanalyse an Flughäfen. Neuestes Produkt ist die so genannte EDTS, das ist ein High-Performance-Gerät, das bis zu 1.800 Gepäckstücken pro Stunde detektiert - vollautomatisch und ohne Bedienung.

Drei Betriebsgeheimnisse hütet die Heimann GmbH wie ihren Augapfel: Die Röntgenquelle, den Empfänger und die Computer-Software, die die empfangenen Röntgenbilder auswertet. Letzteres wird immer wichtiger. Denn in modernen Anlagen wird ein Gepäckstück von bis zu fünf verschiedenen Röntgenquellen durchleuchtet, und der Computer muss innerhalb von zwei Sekunden diese fünf Bilder auswerten und entscheiden: Verdächtig oder nicht. Die Röntgenquellen, versichert Bernhard Semling, sind dabei völlig ungefährlich.

Produkt-Manager Stefan Aust demonstriert in einem Vorführraum, wie heutzutage moderne Sicherheitsschleusen funktionieren, in denen das Handgepäck von Fluggästen durchleuchtet wird, während die Passagiere durch einen Metall-Detektor-Rahmen gehen. Neuere Tore können übrigens weit mehr als nur piepsen, wenn der Fluggast etwas Metallisches bei sich trägt. Man nennt sie "Sniffer", also Schnüffler, die auch in der Lage sind, Sprengstoff zu erkennen.

Unabhängig von der Konjunktur

Die frühere Heimann Systems GmbH ist mittlerweile vom britischen Technologiekonzern Smiths übernommen worden, arbeitet aber nach wie vor weitgehend selbständig und ist einer der Haupt-Umsatzträger des Geschäftsbereichs Detection Division. Die Wiesbadener haben ihre Produktpalette beständig erweitert. Neu hinzugekommen sind Röntgenprüfsysteme für die so genannte Produktinspektion und Qualitätskontrolle. So können mit Heimann-Systemen zum Beispiel Lebensmittel auf Verunreinigungen geprüft werden. Technologisch führend ist Smiths Heimann auch auf dem Gebiet digitaler Erfassungssysteme für Finger- und Handabdrücke, so genannte LiveScanner für den polizeilichen und zivilen Einsatz.

Rund 240 Millionen Euro hat die Smiths Heimann GmbH zum Umsatz des britischen Konzerns im Jahr 2003 beigetragen, und in diesem Jahr rechnen die Wiesbadener mit rund 300 Millionen Euro Umsatz. Und: 95 Prozent dieses Umsatzes erwirtschaften die Wiesbadener im Ausland. Dabei kommt ihnen zugute, dass die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen auf ihrem Weltwirtschaftsgipfel im Jahr 2002 im kanadischen Kananaskis umfangreiche Maßnahmen zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus vereinbart haben. Nationale Sicherheit, zivil wie militärisch, ist Aufgabe der Regierungen, ebenso wie die Flugsicherheit - und beides ist weitgehend unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur.