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Asien

Die letzten Kragenbären der Halong-Bucht

Nach wie vor werden bedrohte Tierarten in Vietnam als Delikatessen oder Heilmittel gehandelt. Der Schutz von Bär, Tiger und Schuppentieren ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Einer der Bären hatte 15 Jahre in einem engen dunklen Betonkerker verbracht, als die Tierschützer ihn aus einem Keller befreiten. Ein anderer war in einer Küchenecke zwischen Hühnerkäfig und Hundezwinger eingesperrt..

Ein Team der Tierschutzorganisation "Animals Asia" hat in den vergangenen Monaten in der vietnamesischen Provinz Quang Ninh unweit der berühmten Touristenattraktion Halong-Bucht insgesamt 33 Kragenbären befreit. Die unter Artenschutz stehenden Tiere werden in Vietnam und China gehalten, um ihren Gallensaft abzuzapfen, der als traditionelle Medizin verwendet wird.

Tierschützer bei der Befreiungsaktion. (Foto: DW)

Tierschützer bei der Befreiungsaktion

Vor allem Touristen aus Südkorea und Taiwan reisten jahrelang an die Halong-Bucht, um sich dort mit Bärengalle-Produkten zu versorgen. Ende Oktober wurde der letzte gefangengehaltene Bär von "Animals Asia" in Obhut genommen. Gleichzeitig wurden in der Provinz sämtliche Betriebe zur Gewinnung von Bärengalle geschlossen, berichtet die Tierschutzorganisation. Ein Sieg der Tierschützer, der jahrelange Überzeugungsarbeit gekostet habe, sowohl bei der Provinzverwaltung als auch bei den Bärenhaltern, erklärt Tuan Bendixsen, Direktor von "Animals Asia" in Vietnam. Die Organisation habe auch von Premierminister Nguyen Tan Dung grünes Licht erhalten, die unter vietnamesischem Recht geschützten Tiere in Quang Ninh zu befreien.

Die Halterin des Bären im Betonkerker sei "aufrichtig traurig" gewesen, als der Bär fortgebracht wurde, sagt Bendixsen der Deutschen Welle. "Das waren echte Tränen. Die Halter lieben ihre Bären und betrachten sie als Haustiere." Dass die Tiere leiden, machten sich diese Leute nicht klar.

Werden die letzten noch wilden Bären überleben?

Allein in Südafrika fielen alleine im vergangenen Jahr 1215 Nashörner Wilderern zum Opfer. (Foto: dpa)

Allein in Südafrika fielen im vergangenen Jahr 1215 Nashörner Wilderern zum Opfer

Derzeit befinden sich in Vietnam noch mehr als 1200 Kragenbären in sogenannten Gallenfarmen. Nur wenige hundert Exemplare sollen noch in freier Wildbahn leben. Es bestehe die Hoffnung, dass sich die Bärenpopulation dereinst wieder erhole, so Bendixsen. "Dafür müssen wir auch die Nachfrage nach Bärengalle reduzieren." Die vietnamesische Gesellschaft für Traditionelle Medizin will nach eigenen Angaben die Verwendung von Bärengalleprodukten bis 2020 beenden. Ein weiterer Erfolg für die Tierschützer.

Keine Hoffnung mehr hingegen besteht für das Java-Nashorn. Das letzte seiner Art wurde 2010 im Cat-Tien-Nationalpark von Wilderern getötet, seither gilt es in Vietnam als ausgestorben. Der Wildtierschmuggel ist ein grenzüberschreitendes Problem: Vietnam und China gehören zu den größten Märkten für das Horn der Rhinos. Allein in Südafrika fielen alleine im vergangenen Jahr 1215 Nashörner Wilderern zum Opfer.

Ihr Horn gilt, wie Bärengalle, als traditionelles Heilmittel gegen Schmerzen und Fieber, zudem sei es ein Zeichen für Status und Reichtum, sagt Douglas Hendrie, Berater der Nichtregierungsorganisation "Education for Nature Vietnam", kurz ENV: "Wer gegen einem Kater statt Aspirin Nashorn-Pulver im Wert von 5000 Dollar schluckt, der zeigt: Ich bin erfolgreich, ich habs bis nach oben geschafft."

Um die Reichen und Superreichen mit ihrer Aufklärungskampagne zu erreichen, arbeitet ENV mit Golfklubs, Fitness-Zentren und vietnamesischen Niederlassungen teurer Automarken zusammen. "Rhino-Horn besteht aus Keratin, genauso wie deine Fingernägel", lassen Naturschutzorganisationen in Vietnam zum Beispiel in Flughäfen plakatieren, auch in Schulbücher hat das Thema Eingang gefunden.

Gefrorene Tiger im Kofferraum

Kampagne der Tierschutzorganisationen in Vietnam. (Foto: DW)

Kampagne der Tierschutzorganisationen in Vietnam

Der Indochinesische Tiger ist eine weitere prominente Tierart, die vom Aussterben bedroht ist. Der Bestand in Vietnam wird inzwischen auf weniger als 30 Wildtiere geschätzt. Die Tiere werden aus Laos und Thailand nach Vietnam geschmuggelt, laut ENV über gut organisierte kriminelle Netzwerke. Immer wieder gibt es in vietnamesischen Medien Berichte über gefrorene Tigerkadaver, die in Kofferräumen entdeckt wurden. Die Medizin, die aus Tigerknochen hergestellt wird, gilt als Wundermittel gegen Gelenk- und Knochenbeschwerden.

Neben Tiger, Bär und Nashorn gilt der Kampf der vietnamesischen Naturschutzorganisation auch der Erhaltung weniger bekannten Tierarten. So wird das Schuppentier, ein dem Ameisenbären ähnliches insektenfressendes Säugetier, in vietnamesischen Restaurants als Delikatesse angeboten und daneben ebenfalls zu traditioneller Medizin verarbeitet. Es ist nun auch vom Aussterben bedroht. Zwischen 2012 und 2014 wurden laut ENV 34 Tonnen gefrorener Schuppentiere im nordvietnamesischen Hafen von Hai Phong konfisziert.

Keine Freiheit für gerettete Tiere

Schuppentiere gelten in Vietnam als Delikatesse. (Foto: ENV)

Schuppentiere gelten in Vietnam als Delikatesse

Gerettete Tiere werden in Rettungszentren untergebracht. Eine Ausnahme bildet das Bärenrettungszentrum der "Animals Asia Foundation" im Tam-Dao-Nationalpark. Dort können sich Kragenbären in großen Außengehegen bewegen. Für die meisten anderen Tiere bedeuten die Rettungszentren Endstation. Diese sind für eine langfristige artgerechte Unterbringung kaum ausgestattet. Tierschützer wie Hendrie zeigen sich dennoch vorsichtig optimistisch: "Wir setzen auf die junge Generation. Sie denkt anders als ihre Eltern und Großeltern. Traditionelle Medizinprodukte, für die geschützte Tiere sterben oder leiden müssen, sind für viele junge Vietnamesen nicht attraktiv."

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