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Amerika

Die letzte deutsche Feuerwehr vor der Antarktis

Pampa, Pinguine und der Perito-Moreno-Gletscher - Patagonien zählt zu einem der imposantesten Naturgebieten der Erde. Markenzeichen sind das Öl, die Schafe - und die deutsche Feuerwehr.

Man kneift die Augen zusammen, ob man will oder nicht. Es ist windig hier am 53. Breitengrad in Punta Arenas. Etwa 120.000 Einwohner leben in der größten Stadt im chilenischen Südpatagonien. Wind, Eisstürme, Hagel, Sonne, Regen, blauer Himmel, alles ist möglich innerhalb kürzester Zeit. Die Jahreszeiten vermischen sich in Patagonien an einem einzigen Tag, sagt man.

Mario Toledo steht vor der Wagenhalle der Dritten Freiwilligen Feuerwehrkompanie von Punta Arenas. Der Chilene mit deutschen Vorfahren trägt seine blaue Uniform - seit bald einem Vierteljahrhundert. Auf seiner Brust prangt der deutsche Bundesadler in schwarz-rot-goldener Umrandung, in der Hand des 38-Jährigen: sein gelber Schutzhelm. Drinnen, in der Wagenhalle, stehen die Löschfahrzeuge - geschmückt mit deutschen Fahnen, zwei vorne, zwei hinten. Das chilenische und deutsche Wappen auf den Türen der beiden Spritzenwagen.

Die Wagenhalle der Dritten Freiwilligen Feuerwehrkompanie von Punta Arenas (Foto: Michael Marek/DW)

Die Wagenhalle der Dritten Freiwilligen Feuerwehrkompanie von Punta Arenas

Die Freiwillige Deutsche Feuerwehr, das ist Mario Toledos Leben. "Die Verbindung zur Feuerwehr hat eine lange Tradition", sagt der Familienvater. "Viele Generationen meiner Familie vor mir haben hier bereits gearbeitet." Es sei ein schönes Gefühl, anderen Menschen zu helfen. Die freiwilligen Feuerwehrmänner sind in Chile sehr angesehen.

Feuerwehr mit Geschichte

In Chile wurden viele Feuerwehren im 19. Jahrhundert von Einwanderern gegründet. Denn Chile ist seit jeher ein Einwanderungsland. Ingesamt hat es seit der chilenischen Staatsgründung 1818 fünf große Einwanderungswellen von Deutschland aus nach Chile gegeben. Die Struktur und Organisation der Löschtrupps orientierte sich oft an denen der Feuerwehren in ihren ehemaligen Heimatländern. Die deutsche Feuerwehrstation in Punta Arenas, die "Bomba Alemana", wurde 1901 gegründet, erzählt Toledo.

Ein Feuerwehrwagen (Foto: Michael Marek/DW)

Die "Bomba Alemana" genießt einen guten Ruf

"Es gab damals einen großen Brand in einem Hotel, wo viele Deutsche wohnten. Den Aussiedlern wurde plötzlich klar, dass es zu wenig Feuerschutz gab. Deshalb wurde die deutsche Feuerwehrkompanie gegründet."

"Bomba Alemana" gelte als eine der besten Feuerwehrstationen, sagt Toledo stolz. Disziplin, Zuverlässigkeit und der große persönliche Einsatz hätten dazu beitragen. Gleichzeitig seien da die Witze über die deutschen Auswanderer, über die militärisch-preußische Mentalität etwa. Doch darüber können Toledo und die anderen Feuerwehrmännern nur schmunzeln.

Freiwillige Hilfe für die Gemeinschaft

Insgesamt gibt es acht freiwillige Feuerwehren in Punta Arenas, neben der deutschen und chilenischen auch noch englische, französische, italienische und kroatische. Natürlich waren und sind die Einsätze unabhängig von der Nationalität. Das Geld für die Wache und die Löschwagen kommt meist von den Einwanderern und deren Nachkommen. Derzeit arbeiten 40 Feuerwehrleute für die "Bomba Alemana", alle ehrenamtlich. Bezahlung gibt es keine. "Trotzdem sind wir professionell nach der US-amerikanischen Norm ausgebildet worden. Nur ich werde als Festangestellter bezahlt. Ich bin zuständig für die Feuerwache und die Organisation."

Überall an den Wänden der Wache hängen alte Dokumente und Fotos, die von der Geschichte der deutsch-stämmigen Feuerwehrleute erzählen. Zum Beispiel ein Bild von 1979, als israelische Kollegen nach Punta Arenas zu Besuch kamen. Daneben hängt ein Foto von 1934: la "Bomba Alemana" mit Hakenkreuzfahne. Auch das gehört zur Geschichte der freiwilligen Feuerwehr.

Leere Sitze in der Feuerwehrwache (Foto: Michael Marek/DW)

Derzeit arbeiten 40 Feuerwehrleute für die "Bomba Alemana"

Manche Schriftstücke wurden in Deutsch verfasst. Sogar die Räume tragen deutsche Bezeichnungen: Besprechungsraum, Maschinensaal, Wohnzimmer, Lagerkeller. Dazwischen ein riesiges Schild: "Wenn alle raus rennen, wir rennen rein." Die kunterbunten Sitze im Besprechungsraum sind in den chilenischen Landesfarben, in der Mitte platziert der deutsche Bundesadler. Früher, während der Einsätze, wurden die Kommandos sogar auf Deutsch gegeben. Aber das ist längst Vergangenheit. Die Männer der "Bomba Alemana" von Punta Arenas wurden alle in Chile geboren. Deutsch spricht kaum noch einer. Aber die Traditionen und der Stolz sind geblieben. Hier in der letzten deutschen Feuerwehrwache vor der Antarktis.

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