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Kultur

Die Leitmotive der documenta 12

Die documenta in Kassel gilt als weltweit wichtigste Ausstellung moderner und zeitgenössischer Kunst. Sie bilanziert nicht nur Tendenzen der Gegenwartskunst, sondern zeigt auch neue Ausstellungskonzepte.

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Kunst aus China in Kassel

Im Großen und Ganzen geht es dem künstlerischen Leiter der 12. documenta, Roger Martin Buergel, um die Frage, ob die Kunst im Zuge der Globalisierung dazu beitragen kann, einen gemeinsamen Horizont zu erkennen. Das Publikum soll keine Blockbuster-Eventshow konsumieren, sondern die Möglichkeit bekommen, sich Kunst selbst zu erarbeiten.

Keine documenta ist bisher ohne Kritik geblieben. Mal war sie zu allumfassend, mal zu populistisch, dann wieder zu intellektuell. Mal waren die Werke unübersichtlich in der ganzen Stadt verteilt, dann wieder wurden sie zu abgeschottet präsentiert. Roger Martin Buergel hat sich eingehend mit der Vergangenheit der documenta befasst und scheint nach Möglichkeiten zu suchen, in seinem Konzept all diesen Kritikpunkten entgegenzuwirken.

Kunst darf auch ästhetisch sein

Pressekonferenz zur dokumenta 12

Der künstlerische Leiter der 'documenta 12', Roger Martin Buergel und die Kuratorin Ruth Noack

Wie bei der ersten documenta 1955, initiiert von dem Kunstprofessor Arnold Bode, setzen Roger Martin Buergel und seine Lebensgefährtin Ruth Noack die Werke in Szene. Sie arbeiten mit farblich gestalteten Wänden oder Vorhängen, die das Licht filtern. Kunst soll nicht nur um ihrer politischen Aussage willen präsentiert werden, sondern auch ästhetisch wirken. So hat die kroatische Künstlerin Sanja Ivekovic ein riesiges Mohnfeld gepflanzt. Wenn die Saat aufgeht, wird das Feld ein Genuss für das Auge sein. Gleichzeitig aber erinnert Mohn als Pflanze auf Soldatengräbern an die Jugoslawienkriege.

Kuratorin Ruth Noack ist der Meinung, dass ein Publikum etwas ist, das man sich erarbeiten muss, das man sich verdienen muss. Deshalb solle man viel für Vermittlung tun - und diese Vermittlung auch "zeitgenössisch denken". Dabei soll nicht nur, wie seinerzeit bei Arnold Bode, der dozierende Kunstkenner einem Publikum die Kunstwelt erklären, sondern das Publikum soll mit den Vermittlern in einen Dialog treten.

Fragen und Leitmotive

Drei Leitmotive hat der künstlerische Leiter in den Raum gestellt, mit denen sich zunächst die Künstler und die Medien und dann auch das Publikum befassen sollen. Sie lauten: "Ist die Moderne unsere Antike?“, "Was ist das bloße Leben?“ und "Was tun?“. Mit dem ersten Leitmotiv scheint Roger Martin Buergel die Frage aufzuwerfen, ob die Epoche, die wir kunstgeschichtlich als Moderne bezeichnen, bereits abgeschlossen ist.

Das "bloße Leben“ soll sich mit der menschlichen Existenz beschäftigen. Es geht um das Verhältnis von Unterwerfung und Freiheit, um das Leben in Konzentrationslagern ebenso wie um Glücksmomente einer Befreiung. Bei der Frage "Was tun?“ steht die ästhetische Bildung im Mittelpunkt. Es geht darum wie man sich Kunst nähert und ob man Kunst überhaupt verstehen muss, meint Buergel. "Ich bin zu diesen Leitmotiven gekommen, weil das für mich die drängendsten Fragen sind, die sich stellen, und weil es Fragen sind, die miteinander verknüpft sind. Sie entwerfen schon so etwas wie einen kompositorischen Zusammenhang."

Ausstellung als Eigenleben

Über 80 Zeitschriften und Kunstmagazine haben sich weltweit mit den Leitmotiven auseinandergesetzt und diskutieren etwa die Frage der Moderne. Schließlich hat jedes Land seine eigene "Moderne“. Die Ergebnisse erscheinen in drei "documenta 12 magazines“. Die Fachredaktionen werden auf der documenta selbst vertreten sein, so dass ein Architekturspezialist einer Zeitschrift auch bei Publikumsführungen hinzugezogen werden kann und somit zur Bildung beiträgt. Auf lokaler Ebene wurde ein Beirat gegründet, dem 40 Kasseler Bürger und Bürgerinnen angehören. Sie diskutieren die Leitmotive in Bezug auf ihre Heimatstadt und erarbeiten auch Projekte gemeinsam mit Künstlern.

Sein Konzept sieht Roger Martin Buergel als Gerüst. Er ist selbst gespannt, ob die Komposition der Leitmotive so wird, wie er sich das vorstellt. Und ob die vielfältigen Formen der Vermittlung vom Publikum angenommen werden: "Und ich möchte eigentlich gerne, dass diese ganzen Instrumente, die wir haben, alle in die Hand genommen werden, und das mir vielleicht ab einem gewissen Punkt die Ausstellung komplett entgleitet, weil sie ein Eigenleben beginnt.“

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